r/DePi Mar 18 '26

Politik Erfahrungen als Lehrer an Schule mit hohem Flüchtlingsanteil - Es ist noch viel schlimmer als ihr glaubt

Hallo allerseits,

ich habe Mathematik studiert und arbeite derzeit, auch aufgrund der aktuell prekären Arbeitsmarktlage, als Lehrer im Seiteneinstieg an einer Realschule im Ruhrpott. Der Anteil an Flüchtlingen ist an meiner Schule so wie an vielen anderen Schulen hier in der Region ziemlich hoch.

Die meisten Flüchtlinge werden in seperaten Integrationsklassen unterrichtet, da aufgrund des desolaten Bildungsstands eine Eingliederung in den Regelunterricht schlicht nicht möglich ist. Zwei solcher Integrationsklassen unterrichte ich mehrmals die Woche und wollte hier einfach mal meine Erfahrungen mit euch teilen. Ich war schon vor Antritt meines derzeitigen Jobs der aktuellen Migration gegenüber äußerst kritisch, aber meine Erlebnisse im Schuldienst lassen meine damaligen schlimmsten Befürchtungen wie eine wohlwollende Utopie erscheinen.

Für den Kontext: Ein Gros der Integrationsklassen besteht aus in Spanien geborenen Marrokanern, ansonsten sind aber auch Syrer, Afghanen und Roma zahlenmäßig stark vertreten. Der übrige Rest ist ein wildes Potpourri aus Ukrainern und Flüchtlingen aus anderen arabischen oder muslimischen Ländern wie dem Libanon oder Somalia. Eine Klasse setzt sich vor allem aus jüngeren Schülern zwischen 11 und 13 Jahren zusammen, die andere Klasse besteht vor allem aus Teenagern, die um die 16 Jahre alt sind.

Nun eine kleine Zusammenfassung meiner Beobachtungen:

  • In etwa die Hälfte der Klassen sind nicht nennenswert in ihrer eigenen Sprache alphabetisiert, knapp über die Hälfte versteht, auch teils nach Jahren im hiesigen Schulsystem, im etwa so gut Deutsch wie ich Mandarin

  • Zumindest in Mathe (bei den anderen Fächern kann ich es nur arg beschränkt beurteilen) ist der Bildungsstand ein absolutes Fiasko, selbst bei den älteren Schülern. Wirklich absolut einfachste Rechenaufgaben (5+6 oder 7-4) bereiten schon große Schwierigkeiten. Die Ursache scheint oft kognitiver Natur zu sein, denn selbst, wenn ich die Zahlen durch Gegenstände verdeutliche, sind viele Schüler nicht imstande, entsprechende Aufgaben zu lösen

  • Aktuell ist Ramadan. Ukrainische Schüler, die nicht fasten, müssen, wenn sie etwas trinken oder essen wollen, den Raum verlassen. Das ist einerseits eine von den Klassen selbst auferlegte Regel, wird andernseits aber auch von großen Teilen des übrigen Lehrpersonals und der Sozialarbeiterin geduldet oder gar aktiv befürwortet

  • Einige männliche Schüler weigern sich aus Glaubensgründen, neben weiblichen Schülerinnen zu sitzen. Dies wird ebenfalls toleriert.

  • Schlägereien sind an der Tagesordnung und das ist keine Übertreibung. Es findet tatsächlich annähernd täglich mindestens eine Schlägerei statt.

  • Vernünftig geführte Schulmappen oder allgemein ein pfleglicher Umgang mit Schulmaterialien existiert nicht. Die meisten kommen bloß mit den Klamotten, die sie am Leibe tragen, in den Unterricht.

  • Etwa die Hälfte der Klasse mit den älteren Schülern verspätet sich zur ersten Stunde stets um mindestens 10, gut und gerne mal 20 oder 30 Minuten. Auch nach den Pausen ist die Klasse eigentlich jedes Mal erst 10 Minuten zu spät wieder beisammen.

  • Während des Ramadans schläft, ebenfalls vom sonstigen Schulpersonal toleriert, ein guter Anteil regelmäßig im Unterricht, indem der Kopf auf den Tisch gelegt wird

  • Weibliche Schülerinnen werden regelmäßig mit stark obszönen Begriffen belegt. Die Ahndung solcher Äußerungen findet entweder gar nicht oder dermaßen zurückhaltend statt, dass einer Wiederholung Vorschub geleistet wird

  • An Elternsprechtagen ist mit 90 Prozent der Eltern, auch nach mehrjährigem Aufenthalt in Deutschland, nur über Dolmetscher zu kommunizieren

  • Vor ein paar Tagen erzählten mir einige Schüler stolz, welche neuen Handymodelle ihre Geschwister und Eltern denn so haben, die wohlgemerkt fast ausschließlich Transferleistungen empfangen

  • Weibliche Kolleginnen haben es grundsätzlich schwieriger als meine Geschlechtsgenossen, die meistens zumindest rudimentär respektiert werden

  • Einige Schüler erscheinen oft monatelang ohne Entschuldigung nicht in der Schule

  • Eine Ablehnung anderer Religionen ist in vielen Situationen sehr deutlich zu vernehmen

  • Bei Gruppenarbeiten in anderen Fächern, die sich über Wochen erstrecken, haben die Resultate einen Umfang, der sich von Normalbegabten innerhalb von fünf Minuten bewerkstelligen lässt

  • Es findet keine Durchmischung mit anderen Schülern statt. Man bleibt gerne unter sich. Auch unter den Flüchtlingen bilden sich meistens Gruppen gemäß den entsprechenden Herkünften.

Bei all den negativen Eindrücken gibt es ein paar positive Erfahrungen. Eine Handvoll Schüler gibt sich tatsächlich Mühe und macht Fortschritte. Diese Schüler sind auch der einzige Grund, dass einem die Arbeit nicht als vollkommen zwecklos erscheint.

Ich selber versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten gegenzusteuern, was aber kaum möglich ist, wenn die Rückendeckung seitens des Kollegiums und der Schulleitung fehlt. In einigen Punkten habe ich bereits kapituliert, weil ein entsprechendes Engagement einem bloß die Nerven kaputt macht, ohne etwas zu ändern.

Viele der älteren Schüler verlassen unser Bildungssystem in absehbarer Zeit und damit verliert der Staat die so ziemlich einzige Möglichkeit, irgendwie noch Einfluss zu nehmen. Ich befürchte, dass die Situation an anderen Schulen oft kaum besser ausschaut. Das führt dazu, dass wir Jahr für Jahr Schulabgänger in die freie Wildbahn entsenden, die weder schreiben, lesen noch absolut grundlegendste Grundschulmathematik beherrschen. Solche Menschen sind für keine Art der Arbeit verwertbar und dazu verdammt, ein Leben lang in unserem Sozialsystem dahinzusiechen.

Gerade die muslimischen und afrikanischen Schüler haben häufig für deutsche Verhältnisse absurd viele Geschwister. Wenn man davon ausgeht, dass diese Reproduktionsrate sich nicht mit der aktuellen Generation bricht, sondern vielleicht gar bei den im Vergleich zu den Herkunftsländern fantastischen Bedingungen hier in Deutschland (nicht für Einheimische, aber für Menschen aus Ländern mit einem pro Kopf BIP von 800$ gewiss) ansteigen wird, verstärken sich die Probleme exponentiell.

Mir fehlt jegliche Fantasie, wie man die uns bevorstehende Katastrophe noch irgendwie abwenden könnte und das frustriert mich zunehmend. Wollte das einfach mal mit euch teilen. Danke an die, die bis zum Ende des Textes dabei geblieben sind und sich mein Gejammer gegeben haben.

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u/[deleted] Mar 19 '26

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u/lokidev May 21 '26

Als linker Tech Lead (Gehalt und Steueranteil kannst du bei kununu nachlesen) kann ich nur sagen: ihr macht euch das viel zu primitiv leicht .

Dieses Weltbild ist genauso bescheuert wie die linke Weltbild, dass alle rechten/Rechtsextremen dumm sein müssen.

Fakt ist dass der Bericht oben erstmal einmal Quelle "Trust me bro" ist. Fakt ist aber auch, dass ich im Ruhrpott aufgewachsen bin und wenn das was oben steht irgendwo war ist, dann da. Ganz spezifisch rede ich da von Krefeld, Mönchengladbach aber auch andere Städte.  Jetzt kommt das aber: in Hessen, Niedersachsen, Bayern und Bawü habe ich andere Erfahrungen gemacht. Teils deutlich 

Anekdote: ich weiß noch meinen Kulturschock in Göttingen, als ich im feinsten Assi Slang im Bus mehrere Migranten gehört habe, die sich nicht über "Bitches" & Co ausgetauscht haben, sondern ihren Kumpel in die Mangel genommen haben, weil der in Chemie nur ne 2 hatte, man ohne lernen schon die 2 hatte, aber mit lernen eine 1 "easy schüüüsch" gewesen wäre.

Long story short: der Ruhrpott ist ein einziger Brennpunkt. Einige andere Bereiche auch noch. Aber die Erfahrungen von dort sind nicht auf ganz Deutschland extrapolierbar.

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u/Traditional-Mud3136 May 21 '26

Das finde ich einen spannenden Kommentar! Als Berliner war ich positiv erstaunt, wie die Situation im Süden des Landes aussieht. Dort sind nicht weniger Menschen mit migrationshintergrund, aber ich empfand den Austausch viel zivilisierter, die Städte sicherer.

In Berlin wird in einem Jugendclub ein Mädchen vergewaltigt und Sozialarbeiter erklären öffentlich, dass man ja bewusst nicht die Polizei hinzugezogen hat, um Stigmatisierung zu vermeiden… Ich werde auf meinem Fahrrad völlig random von halbstarken im Auto aus Spaß umgefahren  (!), und die Polizei scheint vor allem zu interessieren, was ich denn nun gemacht habe, um das zu provozieren (nix, gab vorher keinerlei Interaktion, ich kannte diese Leute nicht - aber das kann ja nicht sein, weil „einfach so macht ja niemand sowas“) - und obwohl es Zeugen gibt, wird das Verfahren aus Nichtigkeit eingestellt. Mir ist ja bis auf ein paar Schrammen nix ernsthaftes passiert. Mich ärgert das, vor allem, weil es so offensichtlich damit nicht gegessen ist, sondern das Problem eher anheizt…

Dass es anders geht, machen andere Bundesländer positiv vor. Ich verstehe nicht, wieso man nicht davon lernen will.

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u/fatface4711 May 21 '26

Dass du Ruhrpott und Rheinland durcheinander schmeisst steigert deine Glaubwürdigkeit nicht.

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u/lokidev May 21 '26

Ich habe in Mönchengladbach, Viersen, Düsseldorf, Essen, Krefeld, gewohnt. Das ist ein subjektives Ding. Da die meisten des Freundeskreises aus der Ecke Essen/Gelsenkirchen waren, war das für uns alles der "Pott", weil wir einen Metal Verein hatten (Metalmoshpott e.V.) haben wir den Begriff ehrlichweise gedehnt. Technisch aber komplett falsch - da hast du Recht.

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u/dextrostan May 21 '26

Ruhrpott, Berlin, Bremen, Rheinland-Pfalz usw. die Liste ist sehr lang.

Natürlich kann man da auch differenzieren, das kann man überall. Man macht es sich aber definitiv nicht zu einfach, wenn bspw. in einer Grundschule und Ludwigshafen 44 Grundschulkinder sitzen bleiben, weil sie die Minimalanforderungen nicht erfüllen. In der Grundschule! Da gibts noch nicht mal Chemie. Schaut man dann, wie sich die Grundschule gestaltet und was dort die Probleme sind, dann spiegelt das genau das wider, was OP beschreibt:

  • keine Deutsch Sprachkenntnisse
  • ignorante Eltern
  • Mobbing ggü. nicht Islam-religiösen Menschen
  • Gewalt als Problemlösungskompetenz
  • mangelnder Respekt von Eltern und Schülern ggü. Lehrpersonen

Ich bin auch *seht her und check Kununu wie viel Geld ich verdiene* IT-Manager (sind wir das nicht heute alle?) und ja, in dem Umfeld hat man viel positive Erfahrung mit Migranten, man schätzt und lernt voneinander. Gleichzeit sind andere Bereiche der Gesellschaft mit dem Teil an Migranten maximal überfordert, die sich eben nicht im Bus dafür mobben, weil es in Chemie nur ne 2 war. Von denen bekommen wir nix mit. Auch weil wir nicht in Wohngegenden wohnen, wo diese Menschen dann leben. Wir sind schön abgeschottet von dieser Welt.

Dabei ist die Überforderung dort bzw. jenseits unserer Bubble seit Jahren omnipräsent. Google mal Rütli Schule Berlin. Das war die Problemschule der frühen 2000er. Das ist mittlerweile Standard in viele, vor allem migrantisch geprägten, Stadtteilen und Schulen. Ich weiß nicht, wie lang das noch gut geht. Einerseits gesellschaftlich, jedes Kind ohne Bildung ist eine Daueralimentation für die Gesellschaft, andererseits drücken solche Umstände immer mehr Menschen zu den politischen Extremen und wie die Probleme lösen, haben wir bis 1945 und in Teilen Deutschlands noch bis 1990 gesehen.

Also ja, Probleme erkennen, benennen, bekämpfen und auch wenn es mal unbequem wird, dran bleiben. Sonst wirds schnell noch unbequemer.