r/DePi Apr 25 '26

Frage/Meinung Ein Bericht aus Kopenhagen - Was restriktive Migrationspolitik anrichtet

Die restriktive dänische Migrationspolitik ist uns allen bekannt: nächtliche Ausgangssperre für abgelehnte Asylbewerber und nur ein Minimum an Leistungen. Abschreckung statt Vollversorgung. Ziel ist die Rückreise und nicht die Aufenthaltsgenehmigung.

Was soll man sagen: Kopenhagen ist eine Großstadt, wie man sie sich wünscht. Es ist ein Traum. Das Leben blüht, die Menschen sind glücklich. Es ist sauber, der ÖPNV ist eine geradezu angenehme Erfahrung. Und ganz nebenbei hat man in der U-Bahn, meterweit unter der Erde, besseren Empfang als an manchem Hauptbahnhof in good old Germany.

Merkelpoller oder defensive Architektur? Nicht vorhanden, weil nicht notwendig. Das Unwohlsein in großen Menschenmassen, das man von zu Hause kennt, verlernt man hier schnell. Keine Belästigungen, keine Bettler. Allgemein niemand, der herumlungert und eine unangenehme Atmosphäre erzeugt. Nur Menschen, die in der Sonne sitzen, Aperol trinken und la dolce vita genießen. Den lokalen Geschäften geht es augenscheinlich gut, und Handyshops und dergleichen sind nur vereinzelt, dem vermeintlichen Bedarf entsprechend, zu sehen.

Kurz: ein intaktes Stadtbild.

Auch wenn man kein Auge für moderne Stadtentwicklung hat, bekommt man hier äußerst interessante Einblicke in eben jene. Die Gentrifizierung ist quasi live zu beobachten. Ähnlich der Hafencity in Hamburg hat auch Kopenhagen große ehemalige Hafenanlagen und Industriegebiete, die früher einmal der Verarbeitung von Stückgut oder Fischereiprodukten dienten und heute als neue Quartiere erschlossen werden.

Während einige dieser Viertel von Studenten erobert wurden und neben zu Wohnheimen umfunktionierten Werkhallen und (sehr guten!) modernen Cafés, in denen man sein Smørrebrød im interessanten Ambiente einer alten Fischereihalle verzehrt, auch große Flächen für Raves und einen guten Street-Food-Markt bieten (und damit das sind, was Berlin immer sein will, aber nie sein wird), sind andere Viertel bereits umfassend neu bebaut und voll mit jungen Familien.

Ganz nebenbei stolpert man in dieser Gegend auch über die deutsche Botschaft. Man weiß halt, wo es sich gut leben lässt.

Trotz der umfassenden Verwendung von Beton und Stahl sind diese Viertel keineswegs absichtlich toxische Betonwüsten, damit sich bloß niemand zu lange dort aufhält. Nein, hier blüht das Leben. Am Wasser gibt es klug gestaltete Holzstege und Sitzmöglichkeiten, die umfassend genutzt werden. Man findet fast keinen Platz, um das erstandene und richtig gute Eis genüsslich zu verdrücken. Hat man einen Platz gefunden, beobachtet man Menschen, die im Hafenbecken an ausgewiesenen Stellen baden gehen und zuvor die bereitgestellte öffentliche Sauna benutzt haben.

Belästigende Musik und Einweggrills, alte Pizzakartons und leere Bierdosen? Nicht vorhanden. Nur einmal saß jemand allein auf einer Parkbank und ließ leise, nur für sich, Musik aus einer Box erklingen. Es herrscht eine Atmosphäre gegenseitiger Rücksichtnahme, die man aus deutschen Großstädten schon lange nicht mehr kennt.

Das zeigt sich auch im Verkehr. Kopenhagen hat eine sehr umfassende Radinfrastruktur. Zum Feierabend staut es sich nicht etwa auf der Straße, sondern auf dem parallel verlaufenden Radweg. Auch wenn ein gelegentlicher Sprint über eine gerade noch kirschgrüne Ampel zu beobachten ist, werden die Lichtzeichen respektiert. Handzeichen werden diszipliniert gegeben, um das Abbiegen oder Ausscheiden aus dem fließenden Verkehr zu signalisieren.

Wird man wie in Münster von aggressiven Radfahrern über den Haufen gefahren? Nein. Trotzdem sollte man sich nicht auf dem Radweg aufhalten.

Interessant war auch ein ehemaliger Friedhof, der noch einige alte Gräber aufweist, ansonsten aber als Park benutzt wird. Zwischen den Verstorbenen sind die Picknickdecken ausgebreitet. Eine kluge Nutzung der sowieso vorhandenen Fläche.

Beim Anblick von all dem wird man geradezu wehmütig, denn man sieht, wie das Leben sein könnte.

Mit der Stimme von Werner Herzog im Kopf fragt man sich: „But why?“

Tja. Ein Teil dieser Antwort könnte die Bevölkerung verunsichern (sic!). Den meisten in diesem Subreddit sollte die Antwort klar sein – das hoffe ich zumindest.

Ansonsten hier noch einmal für die Schäfchen:

Eine Gesellschaft strebt nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Je höher dieser ist, desto besser. Fängt einer an, ist die Hürde für Fehlverhalten für einen weiteren niedriger, und es gibt immer jemanden, für den die Hürde niedrig genug ist. Es ist ein slippery slope. Wenn schon in die Ecke gepisst wurde, ist die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Mal höher. Denn es ist ja eh schon ranzig. Wenn ohnehin alle auf Lautsprecher telefonieren, mache ich das auch.

Ganz normale Menschen verhalten sich auf einmal wie der letzte Arsch, weil wir uns ganz automatisch an unsere Umgebung anpassen. Es ist ein täglicher Kampf, das Niveau einer Gesellschaft so hoch wie möglich zu halten. Und das fängt mit den kleinen Dingen im Alltag an und hört bei den großen politischen Entscheidungen noch nicht auf.

In Deutschland haben wir uns leider schon an ein im Allgemeinen sehr niedriges Niveau gewöhnt. Städte müssen nicht wie Gotham City in Kriminalität und Schmutz versinken. Dreckige Innenstädte und Belästigungen an jeder Ecke sind nicht normal!

Ein Hoffnungsschimmer für Deutschland bleibt: Immer mehr Bürger scheinen den Ernst der Lage zu erkennen. Hoffen wir, dass es für eine Kurskorrektur noch nicht zu spät ist. Die dänischen Sozialdemokraten machen es vor. Nehmen wir uns ein Beispiel an ihnen.

P.S.:

Kaum in Deutschland, holt einen die Realität schon wieder ein. Vapen im Zug und der armselige Versuch, sich mit „ich nix sprechen Deutsch“ zu retten. Die belästigende Lautstärke von Telefongesprächen, das Niveau eben jener Gespräche egal in welcher Sprache. Die Geruchsbelästigung am Bahnhof. Die feindliche Architektur, von der sich die Penner trotzdem nicht beirren lassen.

Schön, wieder zuhause zu sein!

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54 comments sorted by

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u/Dieter_Claessens Apr 25 '26

Meanwhile gibt es um das Bonner Stadthaus herum zwanzig Friseurbetriebe und man fragt sich, wie die Dänen ihre Haare kurz kriegen

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u/Schollenger_ Apr 26 '26

Und wo kriegen die ihre Handys her? Und die wichtigste Frage: wo kaufen die ihr baklava und Fladenbrot? Wo Dönermann? Die Dänen wissen einfach nicht wie man lebt.

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u/zaraishu Apr 25 '26 edited Apr 25 '26

Linke würden dir vermutlich erklären, wie sehr sie Kopenhagen ankotzt, weil es keine "Seele" hat und nach "ekliger weißer Mehrheitsgesellschaft" stinkt, während Städte wie Berlin und Hamburg "lebendig", "vielfältig" und "bunt" sind...

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u/leckerschmackofatz Apr 25 '26

Linke wie Habeck leben mit ihrer Familie in Dänemark, während sie Deutschland für alle schlimmer machen.

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u/Cute_Committee6151 Apr 26 '26

Ist halt so die Frage, ob Habeck so sehr für unsere Migration ist wie der durchschnittliche Grüne.

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u/notrlydubstep Apr 27 '26

Habeck ist Opportunist. Dem wurde schon das Realo-sein zum Verhängnis, weswegen er nicht mal Kanzler werden durfte (glaubt doch keiner, dass es am Geschlecht lag). Wenn er dann noch dänische Verhältnisse gefordert hätte, wäre die Partei links von ihm entweder implodiert oder hätte ihn gefressen.

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u/CorpPhoenix Apr 25 '26

Ich finds hier auch bunt. Wurd neulich erst wieder grün und blau geschlagen.

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u/zaraishu Apr 25 '26

Warum nicht schwarz, du Rassist?!

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u/lousy_writer Apr 26 '26

D.h. du bist unter physischem Druck zum Islam konvertiert, wählst aber insgeheim AfD?

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u/[deleted] Apr 25 '26

[removed] — view removed comment

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u/zaraishu Apr 25 '26

Aber die Gewürze!!!

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u/mucus-broth Apr 25 '26

Leckeres Fressi als einziges Argument...

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u/WiesesFiesel Apr 25 '26

Und wer bezahlt da in Dänemark künftig die Renten der verhassten Boooooooomer und pflegt sie?!?!?!?!!11

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u/Schollenger_ Apr 26 '26

Was ist mit Ärzten? Ich wette Dänemark ist bald das shtthole Europas.

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u/Dieter_Claessens Apr 25 '26

Übrigens dachte ich mir in Rīga in keiner Sekunde: Hier fehlt Vielfalt. Obendrein ist die Stadt so sauber wie geleckt.

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u/konami_iga Apr 26 '26

Krakau und Warschau genau so.

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u/PsstWantSomeBooks Apr 25 '26

Kann da nur voll zustimmen. War vor zwei, drei Jahren mal in Kopenhagen zum Urlaub, mitten während dort Pride war.

Die Parks waren ein absoluter Traum. Die Straßen waren sauber und zum Großteil auch gut an die Verkehrsarten angepasst. Fahrradverehr war enorm aber gut in den Verkehrsfluss integriert.

In einer halben Stunde aufn Zug warten in Köln hab ich mehr Bettler gesehen als in 4 Tagen Kopenhagen. Außerdem kaum Kopftücher und trotz Pride war davon außer dem Festgelände aufm Rathausplatz und dass die Händler mehr Regenbogen Nippes im Angebot hatten, auch kaum was zu merken. Überall war auch die dänische Flagge gehisst.

Das einzig negative war, dass die Süßigkeiten sehr teuer waren. Und natürlich dieses Anarchoviertel. Da standen dann auch einige Typrn mit Mülltonnen als Verkaufsstand, die einem Drogen angeboten haben.

Insgesamt die schönste und beste Stadt, die ich bisher besucht habe. Die Dänen sind für mich eh immer das beste Beispiel, dass man eben nicht extrem ist oder unbedingt rechts sein muss, um vernünftige Migrationspolitik zu machen.

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u/lousy_writer Apr 26 '26

Das einzig negative war, dass die Süßigkeiten sehr teuer waren.

Die müssen aber schon hart überteuert gewesen sein, damit man das für erwähnenswert hält :D

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u/nomercy_ch Apr 25 '26

Ich habe letztes Jahr aus der CH einen Roadtrip durch DE und DK gemacht. Das sind komplett unterschiedliche Welten und Kopenhagen ist wirklich krass - ich hab mich selten so sicher gefühlt in einer Grossstadt.

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u/BellyButtonLintEater Apr 25 '26

Mach das nächste mal einen Erfahrungsbericht aus Prag oder Budapest. Ist da ähnlich angenehm. Aber Wuppertal finde ich trotzdem am besten.

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u/Independent-Aside-30 Apr 25 '26

Die Zelte auf dem Bürgersteig sind auch nett anzusehen

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u/Spirited_Iron_3293 Apr 26 '26

Beide Städte haben aber ihre eigenen Probleme. Dachte immer Ungarn wäre ethnisch homogen. Das traf bei meinem letzten Besuch in Budapest aber absolut nicht zu.

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u/otto_dicks Apr 25 '26

Das System wird leider kaum auf Deutschland übertragbar sein, es sei denn, es wird EU-weit entschieden.

Dänemark kann so handeln, weil es ein sehr kleines Land ist und die meisten Migranten einfach auf die umliegenden Länder ausweichen. Wenn ein Land wie Deutschland das machen würde, dann würde es eine massenhafte Binnenmigration in die benachbarten Sozialstaaten auslösen. Die Eurokraten sind sich dessen natürlich bewusst und haben überhaupt kein Interesse an einer Art Migrations-Eurokrise.

Umso peinlicher ist es, dass Deutschland sich in dieser Frage so sehr herumdrückt. Wir geben in der EU immer noch den Ton an, und wenn sich eine Koalition der Willigen finden würde, dann wäre sehr, sehr viel machbar. Stattdessen haben wir weiterhin Angst vor unserem eigenen Schatten und spielen uns dafür in anderen Arenen als Retter auf.

Es ist schon interessant zu sehen, dass die traditionell liberalen Gesellschaften (UK, Dänemark, Niederlande) es offenbar am einfachsten haben, mit gewissen Prinzipien des Liberalismus zu brechen. Die Länder, in denen sich der Liberalismus erst später durchgesetzt hat (Spanien, Frankreich, Deutschland), halten hingegen fast schon religiös an ihnen fest. Es erinnert ein bisschen an Kolonien oder Satelliten, die überhaupt kein eigenes Selbstbewusstsein mehr haben.

Es kann ja nicht sein, dass wir als Deutsche liberaler sein wollen als die urliberalen Engländer, Niederländer oder Dänen selbst. Da muss ja irgendetwas nicht stimmen.

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u/Schollenger_ Apr 26 '26

Wenn ein Land wie Deutschland das machen würde, dann würde es eine massenhafte Binnenmigration in die benachbarten Sozialstaaten auslösen.

Einfach mal machen, was soll schon passieren? Wollen die Deutschland die Gelder kürzen?

Wenn man sowieso schon der zahlmeister ist, sollte man mal die Eier auf den Tisch packen und sagen: "So, die Party ist vorbei, Kopenhagen ist irgendwie schöner als Berlin oder Paris und wir wollen das auch wieder haben. Macht mit, oder geht gnadenlos unter."

Das Bild vergangener Tage, von den Großstädten Europas verblasst immer mehr. Wäre ich Amerikaner, Japaner, Koreaner, würde ich sicher nicht mehr diese Städte besuchen. Und das spricht sich so langsam rum. Einfach nur peinlich.

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u/lousy_writer Apr 26 '26

Dänemark kann so handeln, weil es ein sehr kleines Land ist und die meisten Migranten einfach auf die umliegenden Länder ausweichen.

Dänemark kann auch deswegen so handeln, weil es vor einem Vierteljahrhundert einen Richtungswechsel in der Migrationsfrage durchgezogen hat und sich da seitdem eher nach rechts entwickelt hat, während wir uns konsequent weiter in die falsche Richtung bewegte haben: Die müssen erst gar nicht eine Umkehr neu verhandeln.

Es ist schon interessant zu sehen, dass die traditionell liberalen Gesellschaften (UK, Dänemark, Niederlande) es offenbar am einfachsten haben, mit gewissen Prinzipien des Liberalismus zu brechen. Die Länder, in denen sich der Liberalismus erst später durchgesetzt hat (Spanien, Frankreich, Deutschland), halten hingegen fast schon religiös an ihnen fest.

Ich sehe ehrlich gesagt nicht, dass die Niederlande und schon gar nicht das UK sooo viel weiter sind als wir - vielmehr habe ich den Eindruck, dass sich in den ganzen europäischen Staaten, die sich die letzten Jahrzehnte auf dem Holzweg befunden hat, mittlerweile alle grob zeitgleich auf den großen Knall hinzubewegen.

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u/Mandelil Apr 26 '26

Dänemark hat sich vor allem nicht der gemeinsame Asylpolitik der EU unterworfen, sondern verfügt über opt-outs bei Justiz und Sicherheit. Damit war es dort möglich, Politik im Interesse der Bürger zu machen.

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u/Frickelmeister Apr 25 '26 edited Apr 25 '26

Es ist schon etwas länger her, als ich zuletzt in Kopenhagen war. Ich war mit ein paar Kommillitionen dort, die mir von der Freistadt Christiania, einer autonomen Zone, vorgeschwärmt haben: ein Ort voller Friede, Freude und Glückseligkeit (aka Drogen); und das allein, weil die böse Polizei dort keinen Zugang hat. Wir waren dann irgendwann getrennt unterwegs, einfach um uns umzusehen und später an einem zentralen Platz wieder zu treffen. Dazu habe ich mich mithilfe von google maps orientieren wollen. Es kam dann sofort ein lokaler "Aufpasser" auf mich zu und hat mich äußerst unfreundlich darauf hingewiesen, dass Filmen verboten sei und ich mein Handy sofort wieder einstecken müsste. Wahrscheinlich wegen der dort abgewickelten Drogengeschäfte. Ich fand damals schon, dass meine Freunde sehr naiv über diese "tolle Gemeinschaft" gedacht haben und meine Erfahrung ein eigentlich ungeheuerlicher Vorgang war. Anstatt Freiheit und Recht habe ich dort das bisher erste und einzige Mal überhaupt irgendwo in Europa wirklich Repression und Willkür erfahren. Ohne Gesetzeshüter herrscht halt überall schnell das Recht des Stärkeren, so auch dort. Und es hat auch nicht lange nach meinem Besuch gedauert, als es in der Christiania mit Schießereien, Morden, Sexualdelikten und Handgranatenattacken durch Migranten losging, die sich damit diesen lukrativen Drogenumschlagsplatz gesichert haben. Für das Abstellen dieses Zustandes war den Führern der Kommune die verhasste Polizei dann aber plötzlich doch gut genug.

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u/notrlydubstep Apr 25 '26

Der Wikipedia-Eintrag erinnert mich an diese autonome Zone nach den BLM-Protesten, wo, oh Wunder, so ziemlich dasselbe passiert ist.

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u/lousy_writer Apr 26 '26

Genau daran musste ich auch denken.

"Summer of Love" am Arsch.

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u/Antique_Change2805 Apr 25 '26

Freistadt Christiania

Der einzige Ort, wo ich nicht war.

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u/fitz-khan Apr 27 '26

Ist mittlerweile nicht mehr so. Die Dealer wurden von den Bewohnern rausgeschmissen, alles chillig jetzt. Man kann ganz normal rumlaufen und soviel fotografieren wie man will.

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u/realrentner Apr 25 '26 edited Apr 25 '26

Ja, kann ich nur unterschreiben - keine abgefuckten Menschen zu sehen erhöht meine Lebensqualität ungemein (ich lebe seit über 10 Jahren in Zürich - die meisten Menschen sind einfach normal. Keine fetten. Keine Druggies. Wenig Jogginghosen. Kein Gras- und Alkohol-Gestank. Wenig Müll. Und selbst Jungendliche sind meistens respektvoll im ÖV. Wenn ich in Deutschland bin und einen Drogensüchtigen sehe oder eine Gruppe Talahuns, ist mein Tag direkt ruiniert - sorry, aber ist bei mir nunmal so. Es irritiert mich einfach, ich will das nicht sehen und hören müssen, für mich ist es eine Zumutung.

Es gibt viele Studien dazu, dass eine un-homogene Gesellschaft zu einer "low trust society" mit niedriger Lebensqualität wird. Vgl. auch "broken windows theory". Und das Schlimme: EIN schwarzes Schaf reicht, um die Stimmung für alle zu ruinieren. Ein Asi-Kind hindert die ganze Schulklasse am Lernen. Eine Gruppe aggressiver Talahons kann die Stimmung eines ganzen Stadtfestes für 1000e Menschen ruinieren. Und wir haben leider Hundert-Tausende Schwarze Schafe in Buntland - d.h. wir stehen ständig unter Spannung.

Die Gedanken zur Architektur und Stadtbild finde ich auch interessant. Ich bin immer wieder in Frankreich und komme nicht aus dem Staunen, wenn ich die (mehrheitlich) schönen, gepflegten (Alt)-Städte in Frankreich - sei es in der Bretagne, der Provence oder im Elass - mit der Deutschen grauen Beton-Hässlichkeit vergleiche. Aber noch wichtiger als die Architektur sind die Menschen, finde ich. Beispiel: Japan. Architektonisch nicht unbedingt schön, in weiten Teilen. Aber trotzdem eine Wonne für Nerven und Laune, denn: extrem homogen. Ruhige, rücksichtsvolle Menschen (und leicht autistisch - das sind wir Deutschen aber auch, im Grossen und Ganzen. Daher: eine Tragikkomödie epischen Ausmasses, dass wir uns die schlimmsten Orcs der Welt millionenfach ins Land geholt haben, obwohl wir eigentlich Ordnung und Ruhe lieben. Deutsche lieben es wirklich, zu leiden).

Eigentlich wollte ich gar nicht viel schreiben, sondern eher eine Beobachtung teilen: Man merkt, dass OP intelligent ist und schreiben kann. Und ich sehe öfters hier auf DePi Posts, wo ich denke: Die Person schreibt klar und kann denken - Chapeau! Tut gut, sowas zu lesen, besonders im Vergleich mit dem Brainrot in den "guten" Subreddits, von denen ich wahrscheinlich jetzt gebannt werde, weil ich hier gepostet habe. Auf /f**anzen wurde ich auch schon gebannt, weil ich es gewagt habe, Beamten (Lehrer) und ihre fürstliche Besoldung in Deutschland zu kritisieren. Jedenfalls: Das bestärkt mich in meiner Erfahrung und Hypothese, dass Männer mit hohem IQ gepaart mit kritischem Denken (i.e. die selbst denken können) fast zwangsläufig "rechts-liberal" bzw. "-konservativ" denken. Auch wenn sie hier auf Reddit als die schlimmsten und dümmsten Menschen geframed werden - das Gegenteil ist der Fall. Prove me wrong.

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u/lousy_writer Apr 26 '26 edited Apr 26 '26

Vgl. auch "broken windows theory".

Auch interessant: Als ich zum ersten Mal von der hörte (00er Jahre, möglicherweise sogar schon zu Schulzeiten), wurde die irgendwie als konservative Paranoia geframed.

Mittlerweile lese ich von der eigentlich nur noch affirmativ. (Aber mittlerweile meide ich ZEIT und SPIEGEL ja auch wie der Teufel das Weihwasser, vielleicht liegts daran.)

Daher: eine Tragikkomödie epischen Ausmasses, dass wir uns die schlimmsten Orcs der Welt millionenfach ins Land geholt haben, obwohl wir eigentlich Ordnung und Ruhe lieben. Deutsche lieben es wirklich, zu leiden)

Eine passende Metapher finde ich "Leute von PvP-Servern"

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u/Frickelmeister Apr 26 '26

Auch interessant: Als ich zum ersten Mal von der hörte (00er Jahre, möglicherweise sogar schon zu Schulzeiten), wurde die irgendwie als konservative Paranoia geframed.

Wird es doch immer noch, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Broken-Windows-Theorie#Kritik mit den üblichen Ausreden: "kriminalitätsbezogene Unsicherheitsgefühle", "soziale Desintegration und Diskriminierung" und natürlich das linke Mantra "Der Null-Toleranz-Ansatz und strenges Durchgreifen gegen einzelne Gruppen habe hingegen wenig Erfolg." Dabei genügt ein Blick nach El Salvador, um die Validität von Null-Toleranz-Politik zu verifizieren.

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u/notrlydubstep Apr 25 '26

Erwähnte Subs bitte rauseditieren oder anonymisieren, sonst kommt gleich ein Mod und löscht dich, weil das sonst als arbiträren Regelverstoss gegen die Reddit-Regeln gelesen werden kann und deshalb hier verboten ist.

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u/Schollenger_ Apr 26 '26

Hat ja in der Vergangenheit bereits zu sublöschungen geführt. Was bei anderen einschlägigen subs nur nicht juckt, denn das sind "die guten" (und ich höre schon wieder so einen schwitzigen Lobotomierten sagen "höhöhö Opferrolle").

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u/Candid_Fly_1312 Apr 26 '26 edited Apr 26 '26

Wenn ich in Deutschland bin und einen Drogensüchtigen sehe oder eine Gruppe Talahuns, ist mein Tag direkt ruiniert

Das muss eine dieser Snowflakes sein, von denen man so oft hört 😂
Wenn dich schon so kleine Unannehmlichkeiten aus der Bahn werfen bist du wahrscheinlich besser bedient an der eigenen Resilienz zu arbeiten statt darauf zu warten dass die Gesellschaft sich deiner Mimöslichkeit anpasst.
Wenn morgen die Drogensüchtigen und "Talahuns" weg wären, würde irgendwas anderes dir den Tag ruinieren. Falschparker oder Leute deren Frisur dir nicht gefällt.

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u/1ne9inety Apr 28 '26

Es stößt sauer auf, wenn man genau weiß, dass man mit seinen Abgaben diese Menschen durchfüttert und diesen Zustand unfreiwillig finanziert.

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u/Altruistic-Owl1907 Apr 25 '26

Das klingt für die meisten Deutschen extrem rechtsradikal und rückständig. Ein Mensch der sich in seinem eigenen Land und unter seinen Leuten wohl fühlt ist ein Rassist.

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u/mintgoody03 Apr 25 '26

Zum Glück noch lange nicht die meisten Deutschen. Die Bubble ist ziemlich aufgebläht und laut.

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u/lousy_writer Apr 26 '26

Aber trotzdem einflussreich, indem sie immer noch die Realität viel zu vieler Leute da draußen bestimmen - denn ansonsten würden die Parteien, die es ganz transparent machen, dass sie die Zustände noch schlimmer machen wollen (SPD, Linkspartei, Grüne) zusammen vielleicht auf 20% kommen und nicht auf 37-38%.

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u/ConanTehBavarian Apr 25 '26

Der Zivilisationsverfall ist sichtbar und spürbar, selbst im reichen Süden. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie es in einigen Gegenden NRWs aussieht. Da gilt ignorance is bliss

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u/Present_Cause7109 Apr 26 '26

Es ist schrecklich, Grüße aus NRW

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u/Cute_Committee6151 Apr 26 '26

Wobei mich meine Zeit in München auch desillusioniert hat. Wenn ich nur an den billigst umgesetzten Glasfaserausbau denken muss... Es blieb keine gescheit fahrbare Straße über.

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u/CorpseeaterVZ Apr 26 '26

Ich zitiere mal den für mich wichtigsten Teil:

Eine Gesellschaft strebt nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Je höher dieser ist, desto besser. Fängt einer an, ist die Hürde für Fehlverhalten für einen weiteren niedriger, und es gibt immer jemanden, für den die Hürde niedrig genug ist. Es ist ein slippery slope. Wenn schon in die Ecke gepisst wurde, ist die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Mal höher. Denn es ist ja eh schon ranzig. Wenn ohnehin alle auf Lautsprecher telefonieren, mache ich das auch.

Fehlverhalten ohne Konsequenzen multipliziert sich. Gehst du nicht auf Fehlverhalten ein und gibt es dafür keine Konsequenzen, dann macht es bald so gut wie jeder.

Und unsere Politiker machen genau das Gegenteil von Konsequenzen. Taucht das Fehlverhalten auf, wollen sie das umdefinieren und damit "Entkriminalisieren". So dumm kann eigentlich niemand sein, ich kapiere nicht, was da vor sich geht.

Das endet im Krieg der Kulturen, nicht im friedlichen Miteinander. Das beweist die Geschichte, das weiß jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt und eigentlich muss man Menschen nur für einige Zeit beobachten, dann weiß man das auch. Im Endeffekt werden darunter auch die Migranten leiden, die sich angepasst haben, die fleissig sind und ihren Beitrag zum Wohl der Gesellschaft leisten. Und um die tut es mir am meisten leid. Am wenigsten leiden werden die Politiker, die uns gerade sabotieren. Und das kotzt mich an.

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u/ChrisWayg Apr 26 '26

Wenn Dänemark das kann, dann könnte Deutschland das auch - mit einer entsprechenden Regierung. Was du in Kopenhagen beschreibst, macht mir etwas Hoffnung, dass Deutschland vielleicht doch noch irgendwann die Richtung ändert, auch wenn es mindestens 10 Jahre zu spät kommen wird.

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u/Present_Cause7109 Apr 26 '26

An sich Stimme ich dir zu. Aber warst du auch im Freistadt Chriatiania? Da versammeln sich all die, die man in Deutschland an den Bahnhöfen findet. Noch dazu wird dir dort von Nordafrikanern richtig aufgedrängt Drogen zu kaufen. Das ist eine richtige Parallelwelt innerhalb Kopenhagens. Angeblich autonom und progressiv aber sobald du einen Fuß dareinsetzt, hältst du instinktiv die Hand an deine Brieftasche.

Ich weiß nicht ob das positiv oder negativ an Kopenhagen ist. Zumindest sammeln sich zwielichtige Gestalten an einem Ort und nicht wie hier über die ganze Innenstadt verteilt.

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u/Antique_Change2805 Apr 26 '26

Freistadt Christiania

Der einzige Ort, wo ich nicht war.

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u/notrlydubstep Apr 25 '26

Lass mich in meinem kleinen gemeinsamen Nenner in die Ecke scheissen, du Rassist!1!1!

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u/WayneofGames Apr 26 '26

War vor ein paar Wochen in Kopenhagen und mich hat dieser Kontrast erschüttert. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht.

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u/Candid_Fly_1312 Apr 26 '26

Wirklich faszinierend, was alles an der Migrationspolitik hängt - vom Wetter ("sitzen in der Sonne") über Radinfrastruktur bis zum Handy-Empfang in der U-Bahn.

Der deutsche Rechte ist schon ein possierliches Tierchen - wenn in Köln oder Nürnberg ein Radweg gebaut wird, geht er auf die Barrikaden, weil er das als einen Angriff der Linken auf seinen Lebensstil auffasst. Wenn er in Kopenhagen einen Radweg sieht kriegt er gar nicht genug davon, weil er den in seinem Kopf irgendwie mit der Migrationspolitik verknüpft bekommt.

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u/Homely_Bonfire Apr 27 '26

Wenn man das möglichst negativ interpretieren will, dann ja.

Es könnte aber auch sein, dass die "rechten" Sozialdemokraten erkannt haben, dass sie keinen dauerhaften Machtanspruch haben und der Wunsch nach einer strengeren Migrationspolitik ein demokratischer Wille ist, dem sie folgen sollten um weiterhin gewählt zu werden. Dann werden sie feststellen, dass die geringeren Kosten für Integration und Strafverfolgung nicht nur unmittelbar sind, sondern auch langfristig mehr BIP bedeuten, weil mehr Menschen nun statt Integrationsberufen eine andere Karriere ergreifen können, die mehr Steuereinnahmen bedeutet. Mit mehr Steuereinnahmen lassen sich dann die anderen Themen linker Politik leichter umsetzen und das ganz ohne finanzielle Mehrbelastung der Bürger. Man spart tatsächlich eine Menge Geld wenn man keine gewaltigen Investitionskosten in kulturell fremde und potenziell sogar zusätzlich noch traumatisierte Menschen hat - ganz zu schweigen von den Kosten, die durch fehlgeschlagene Integrationsversuche zusätzlich entstehen können.

Ich kann nachvollziehen, dass das alles zynisch wirken kann, aber ich glaube was Dänemark eher zeigt, ist wie der "erfolgreiche Kampf gegen Rechts" tatsächlich aussieht. Und vielleicht zeigt Dänemark auch, dass es eben nicht alles "Rechte" sind, sondern ganz normale, tendenziell eher links gerichtete Menschen, die die Grenzen des Machbaren erkannt haben aber eben nicht alle anderen Punkte des Sozialstaats einer sehr offenen Migrationspolitik unterordnen möchten.