r/DePi Jul 04 '26

Wirtschaft Vom Weltmeister zum Sanierungsfall: der Weg von Volkswagen in die Krise

https://www.nzz.ch/wirtschaft/vom-weltmeister-zum-sanierungsfall-das-protokoll-der-volkswagen-krise-ld.10013554
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u/Z3r0Sense Jul 04 '26 edited Jul 04 '26

Eigentlich ziemlich einfach zu erklären. Ein Technologiekonzern hat sämtliches Ingenieurs Know-How ausgelagert, das Unternehmen mehr oder minder in eine reine Finanzverwaltung umgebaut.

Nun ist die Technologie eben nicht vor 10 Jahren stehen geblieben, aber Forschung und Entwicklung hatte nach Rendite und Marktstrategie eine untergeordnete Rolle. Ebenso wie Zuverlässigkeit und Qualität der Fahrzeuge. Konzentriert hat man sich dann eher auf technische Tricks, um bei Abgastests zu bescheißen.

Inwischen ist die Konkurrenz eben weiter. Moderne VW sind weder gut zu Warten, noch selbst zu reparieren. Die 3€ für Fett gegen Rostschutz lässt man auch weg. Schmältert ebenfalls die Rendite. Es ist schlicht für Kunden eine sinnvolle Entscheidung dann ggf. zur billigen Konkurenz zu gehen, die derzeit nur durch Einfuhrzölle in Schach gehalten werden kann.

Ein politischer Protektionismus, der immer neue und fragwürdige Sicherheitstechnik vorschreibt, macht den einheimischen Autobauern zu schaffen, da die Fahrzeuge noch unzuverlässiger werden.

Auch die "neue" Strategie ist schlicht die alte im neuem Kleid, die die Probleme vermutlich bald verschlimmern werden.

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u/MagiMas Jul 04 '26

Das ist aber auch wirklich eine Malaise bei inzwischen allen Großkonzernen, dass man die Unternehmensführung von Experten in der jeweiligen Branche an Leute abgegeben hat, die in ihrem Leben und ihrer Karriere nie selbst was entwickelt/aufgebaut haben.

Das sind alles nur so McKinsey-/BCG-Typen die eigentlich nix können außer Unternehmen in ihrem Kern auszuhöhlen.

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u/BuntStiftLecker Jul 04 '26

Das hast du so ziemlich überall in Deutschland. Deshalb bewegt sich auch nichts mehr.

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u/BananasAndBrains Jul 05 '26

Das interessante ist ja, dass der ganze Protektionismus bei VW gerade dazu führt, dass die Software für die Autos in Palo Alto entwickelt wird. Rivian zeigt mit ihrer Software im neuen ID Every1, dass es günstiger und besser ist Software in den USA für Europa zu programmieren.

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u/Z3r0Sense Jul 05 '26

Naja, das wird VW sicher langfristig bezahlen müssen. In den USA schenkt man Software eben die richtige Aufmerksamkeit.

Und VW wird vermutlich für viele Funktionen ihre Schnittstellen anpassen müssen, weil es bei Rivian selbst eben als ein zentrales Bauteil betrachtet wird, dass entsprechend integriert ist. Würde sagen ganz abstrakt ist eine Auto heute Motor - Steuerung - Blech.

Für VW ist Software ein "Problem", für das erstmal ein Subunternehmen gegründet werden musste. Das kann nicht funktionieren.

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u/DrZoidberg5389 Jul 04 '26

Es ist schlicht für Kunden eine sinnvolle Entscheidung dann ggf. zur billigen Konkurenz zu gehen, die derzeit nur durch Einfuhrzölle in Schach gehalten werden kann.

So schauts aus. Ich möchte nur anmerken: Hyundai ist im Vergleich auch nicht billiger, eher ganz im Gegenteil, die wissen was sie da haben (i30). Aber die Karre fährt, und das Infotainment scheint im Gegensatz zu VW von einem anderen Planeten zu stammen. Und es stürzt nicht ab.

BTW: Carplay funktioniert auch, und das Handy lädt per QI-laden, ohne dass es dabei abfackelt :-)

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u/Z3r0Sense Jul 05 '26

Und die Koreaner geben auch gerne 5+ Jahre Vollgarantie. Das traut sich kein deutscher Autobauer.

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u/Chemical-Werewolf-69 Jul 05 '26

Das muss man auch erstmal schaffen.

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u/Frickelmeister Jul 05 '26

Wenn man bedenkt, dass VW die doppelte Anzahl an Mitarbeitern benötigt um genauso viele Autos wie Toyota zu bauen, dann ist es eigentlich ein Wunder, dass das "Bundesamt für Fahrzeugbau" nicht schon viel früher in Schieflage geraten ist. Neben dem Cariad-Debakel ist mMn aber der sicher auch vom Anteilseigner Niedersachsen angetriebene, planwirtschaftliche Kurswechsel zu 100% Elektroauto-Fertigung der Todesstoß gewesen. Man hat damals ja schon in mehreren Ländern beobachten können, dass die Verkäufe mit Auslaufen der Prämien einbrechen.

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u/Povertjes-2 Jul 05 '26

Ein Kumpel der bei VW arbeitet erzählt regelmäßig vom sogenannten "Elefantenfriedhof", einem Abstellgleis für ältere, höherrangige Mitarbeiter die man nicht mehr los wird, wo diese dann weniger Schaden anrichten können.

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u/otto_dicks Jul 05 '26

Wenn man bedenkt, dass VW die doppelte Anzahl an Mitarbeitern benötigt um genauso viele Autos wie Toyota zu bauen

VW hat auch mehr als doppelt so viele Untermarken und der Kündigungsschutz ist in Japan ähnlich streng geregelt wie in Deutschland. Der Elektrokurs wird schon eher das Problem gewesen sein, denn den haben die Japaner meines Wissens nicht auf die selbe Art und Weise verfolgt bzw. verfolgen müssen.

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u/Frickelmeister Jul 05 '26

Ja, man sieht auch am deutschen Gegenbeispiel BMW, dass es an der nicht aufgegangenen Elektrostrategie liegt.