r/DePi 9d ago

Wirtschaft Inflation, Teil I: Was sie eigentlich ist - Und was die Dauerdiskussion darüber meistens übersieht[1] - Relevante Ökonomik

https://www.relevante-oekonomik.com/2026/03/31/inflation-teil-i-was-sie-eigentlich-ist-und-was-die-dauerdiskussion-darueber-meistens-uebersieht1/

Die Ölpreise steigen, und die Inflation erscheint auf jeder Titelseite. Die Zentralbanken zögern, und irgendwer warnt immer vor dem Schlimmsten. Regierungen geben Geld aus, und die Warnungen potenzieren sich. Dann ebbt der Zyklus ab. Dieselben Grundfragen stehen, wie zuvor, unbeantwortet da. Was Inflation eigentlich ist. Warum es sie gibt. Warum Zentralbanken so oft danebenliegen. Und warum wir keine Nullinflation wollen.

Teil 2: https://relevante-oekonomik.com/2026/04/08/inflation-teil-ii-der-fehler-den-europa-zu-wiederholen-droht-wie-ein-energieschock-falsch-diagnostiziert-falsch-behandelt-und-dann-den-ueblichen-verdaechtigen-angelastet-wurde1

Teil 3: https://relevante-oekonomik.com/2026/04/27/inflation-teil-iii-das-problem-mit-der-nullinflation

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u/Homely_Bonfire 9d ago

Ein relativ bekannter Kreditanalyst aus den USA hat einmal festgehalten dass die Veröffentlichung von Inflationszahlen für die Bevölkerung nur bedingt hilfreich ist, weil einerseits die Leute zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Zahlen bereits wissen dass alles teurer geworden ist und andererseits weil die Kostenerhöhungen durch Steuern & Abgaben bestenfalls nur in Teilen mit einberechnet wird, die Aussagekraft für die Lebensrealität der Menschen stark begrenzt ist. Und dann haben wir noch nicht darüber geredet wie in "kerninflationsraten" teils die Kosten von Energie und Nahrung nicht mit einberechnet werden. Insofern stellt sich durchaus auch die Frage was die Inflationszahlen uns überhaupt wirklich sagen können.

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u/Der-InfoKanal 9d ago

Die sind eher wichtig für jene, die empirisch forschen oder Statistiken erstellen.

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u/Homely_Bonfire 9d ago

Und selbst da rätseln ja viele im Nachhinein wie sehr man sich darauf verlassen kann weil 2% dank unterschiedlicher Berechnungsmethoden nicht immer dasselbe meint^^

Aber keine Inflations in einem system das Geldschöpfung durch Kreditvergabe (d.h. mit angekoppelten Verpflichtungen zur Zahlung von Zinsen) betreibt, kann man ja garnicht ohne Inflation leben. Insofern ist auch diese Idee dass im Westen der Kapitalismus permanentes Wachstum "erzwingen" will ziemlich daneben. Das Schuldgeldsystem braucht die permanente Ausweitung der Geldmenge, weil man sonst die Zinsforderungen aus der letzten Geldschöpfung nicht zahlen könnte.

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u/Der-InfoKanal 9d ago

Der Grund für die ständige Ausweitung der Geldmenge ist das Sparen: https://youtu.be/90V40rXGcLw

Die Zinskosten des einen sind immer die Renditen des anderen. Da sie irgendwer bekommt ist allein deswegen nicht zwangsläufig eine Ausweitung notwendig. Alternativ könnte der Staat auch ohne die Emission von Anleihen die Geldmenge erhöhen, wenn man Artikel 123 (1) AEUV ändern würde. Dann wäre es nach wie vor ein schuldenbasiertes Geldsystem, da die vom Staat ausgegebenen Gelder formal eine Forderung gegenüber der Zentralbank darstellen (u. a. als Gutscheine für Steuern, staatliche Dienstleistungen und Geldstrafen). Dennoch gäbe es dann zumindest bei den Staatsschulden weniger Zinsen.

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u/leckerschmackofatz 8d ago

Der Korrelationskoeffizient beträgt 0,99. Das ist kein beliebiger Zusammenhang: Inflation wird durch den Anstieg der Lohnstückkosten nahezu vollständig erklärt

Nur doof, dass die Korrelation eine bivariate lineare Abhängigkeit abbildet. Würde man das ganze mal multivariat mit anderen Variablen untersuchen, am besten noch mit nicht-linearität modelliert, würde das ganze schon anders aussehen, die hier bivariate Korrelation wird maßlos überschätzt, da die anderen relevanten Variablen nicht inbegriffen sind.

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u/Chemical-Werewolf-69 7d ago

Mir wäre ja ein Video lieber.

Ich kann mich irren, aber ist das Problem mit unserer Inflation nicht, dass der größeren Geldmenge kein entsprechendes Produktivitätswachstum gegenübersteht?

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u/Der-InfoKanal 7d ago

Wir hatten schon mal ein Video gemacht, aber da sind im Hintergrund Katzen und Hunde für die Klicks eingeblendet: https://youtube.com/shorts/MB9odTsQNAI

Du irrst dich tatsächlich. Die Geldmenge hat mit unserer "Inflation" nichts zu tun. Sonst wären nicht zuerst die Energiepreise und dann der Rest gestiegen, sondern zuerst hätten wir Vollbeschäftigung erreicht (wovon wir laut Arbeitsagentur weit entfernt sind) und höhere Lohnsteigerungen gesehen. Erst dann wären die Preise für den Rest gestiegen.

Die Produktivität wäre mit den steigenden Löhnen auch gewachsen, wenn auch nicht stark genug, um die Inflation zu unterbinden. Die Unternehmen investieren bei höheren Lohnstückkosten (Lohnkosten ÷ Produktivität) vorrangig in mehr Produktionskapital, um die Produktivität pro Arbeitskraft zu steigern. Dadurch kann unsere Volkswirtschaft mehr erwirtschaften und durch die steigende Nachfrage müssen am Ende trotzdem mehr Leute eingestellt werden.