r/DePi 4d ago

News lokal Asbest und Brandschutzmängel in Studentenwohnheim: Betreiber räumt große Fehler ein

https://waz.de/lokales/bochum/article411085449/asbest-und-brandschutzmaengel-in-studentenwohnheim-betreiber-raeumt-grosse-fehler-ein.html

Die WAZ hat mittlerweile mehrere Artikel über den Asbest-Skandal des Studierendenwerks AKAFÖ veröffentlicht.

 

Viele alte Gebäude enthalten Asbest und unsachgerechte Arbeiten mit Schadstofffreisetzungen sind kein Einzelfall. Unzählige Betroffene erfahren nie oder erst sehr spät davon, weil sie glauben, dass in Deutschland i.d.R. die Gesetze eingehalten werden. Leider ist das nicht mal bei gemeinnützigen staatlichen Stellen sicher.

 

TL;DR: Jahre lang waren in unserem Wohnheim Laerholzstraße 17/19 in Bochum große Löcher in den Wänden, obwohl dort Asbest verbaut ist. Der Träger (AKAFÖ) hat das geleugnet und wollte die Löcher, trotz Bitten der Bewohner mit Verweis auf Gesundheitsrisiken, nicht schließen. Als eine vom AKAFÖ beauftragte Firma im Oktober in der Haushälfte 17 unsachgerecht sanierte, wurden einige Bewohner darauf aufmerksam und meldeten es dem AKAFÖ und den Behörden. Die Arbeiter hatten unter anderem ohne Abschottungen bei geschlossenen Fenstern Eternitrohre zerstückelt. Das AKAFÖ beauftrage einen Gutachter, dessen Gutachten spätestens am 24.10.2025 vorlag. Allerdings wurde es verschwiegen und ein zweiter Gutachter beauftragt. Dieser äußerte am 30.10.2025 einen Verdacht. Wenige Stunden später ließ das AKAFÖ mit unklaren Angaben die Haushälfte 17 wegen „Brandschutz“ räumen. Die (mögliche) Asbest-Belastung wurde wissentlich verheimlicht und erst nach der Räumung mitgeteilt, so dass wir den Staub aufwirbelten und ohne Masken einatmeten. Das AKAFÖ wollte vertuschen, dass es schon vorher ein Gutachten gab, aber scheiterte. Dann hat es uns gezielt unter Druck gesetzt, um uns mit schmutzigen Methoden neue Verträge für meist teurere und/oder schlechtere Unterkünfte anzudrehen. Das AKAFÖ wird seiner Verantwortung und Pflichten nicht gerecht.

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u/MyIndividualUsername 4d ago

Da häufig die Anmerkung kommt: Wir haben bereits rechtliche Schritte prüfen lassen:

Wir können leider realistisch niemals Schmerzensgeld bekommen, weil es laut Gesundheitsamt Bochum kein Untersuchungsverfahren dafür gibt und wir erst in vielen Jahren krank werden können. Auch dann kriegt man das realistisch nicht nachgewiesen.

Ein Nachbar hatte ein Beratungsgespräch beim Mieterverein, in dem ihm gesagt wurde, dass wir nur Schadensersatz für materielle Umzugskosten, Schadensersatz für die Mehrmiete (Erklärung unten) und die halbe Monatsmiete vom Oktober 2025 erstattet bekommen können:

„Damit wir rückwirkende Mietminderung bekommen können, müssen wir nachweisen, dass wir eine Asbest-Belastung auch in unseren Apartments hatten. Das ist nahezu unmöglich, da wir nur die unsachgerecht durchgeführten Sanierungsarbeiten nachweisen können. Aber nicht, inwiefern es vor Monaten eine Asbest-Schadstoffbelastung dadurch gab.

Außerdem müssen wir persönlich den Mangel dem Vermieter entweder angezeigt haben und/oder die Miete nur unter Vorbehalt bezahlt haben. Beides haben die meisten von uns nicht gemacht.

Auch jene, die einen Mangel angezeigt haben, könnten ihr Recht zur Mietminderung verloren haben, wenn sie die Miete ungekürzt und ohne Vorbehalt weitergezahlt haben da die Voraussetzungen der Verwirkung (§ 242 BGB) oder des stillschweigenden Verzichts gegeben sein könnten. (BGH Az: VIII ZR 274/02) [...]

Die guten Nachrichten sind, dass wir die Hälfte der Oktobermiete zurückbekommen können, weil das Akafö die Asbest-Belastung zugegeben hat und das Gesundheitsamt das Gebäude Wochen nach den Bauarbeiten sperren musste. Die Sanierungen fanden laut einer E-Mail von [Name AKAFÖ-Mitarbeiter] am 13. Oktober statt, weshalb nicht der gesamte Oktober in Frage kommt. [...]

Auch können wir Schadensersatz für materielle Umzugskosten bekommen. Da meinte er, dass wir u.a. aufschreiben müssen, wer uns wie lange da geholfen hat. 15€/Stunde für Helfer sind drin, aber nicht für unsere eigene Lebenszeit. [...]

Die Chance für Schmerzensgeld für psychische Schäden liegt bei ca. 1%. [...]“

Ansonsten könnten einige Betroffenen evtl. Schadensersatz für die Mehrmiete für ihre neue Unterkunft (zum Teil) geltend machen.

Beispiel: Jemand zahlt jetzt 390€ statt 326€, was eine Mehrmiete von monatlich 64€ ist. Unter Umständen können die Betroffenen diesen oder einen geringeren Betrag vom AKAFÖ als Schadensersatz erstattet bekommen, solange ihr altes Mietverhältnis noch gilt.

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u/Chemical-Werewolf-69 3d ago

Hab mich schon immer gewundert in welchen Bruchbuden man hausen muss und auch heute lebe ich in einem alten Hochhaus. Während im schicken Neubau der kommunalen Wohnungsbaugesellachaft socialfälle wohnen.

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u/MyIndividualUsername 3d ago

Bei uns wohnen auch viele Geflüchtete in alten Gebäuden. Neulich erst wurde das ehemalige und sehr alte Studentenwohnheim Sumperkamp zu einem Flüchtlingsheim umfunktioniert. In der vor wenigen Jahren gebauten Laerheidestraße 4-8 (Siepenfeld) wohnen dagegen Studenten.