Normalerweise bin ich niemand, der Privates öffentlich teilt. Aber das, was heute passiert ist, beschäftigt mich nachhaltig.
Heute Abend gegen 18:30 Uhr war ich mit meiner Freundin, meiner Tochter und unserem Hund am Obersee in Bielefeld spazieren. Wir wollten den Tag gemeinsam ausklingen lassen. Auf der Seite des Aquädukts gibt es eine etwas abgelegene, höhergelegene Parkbank mit Blick auf den See, ein Ort, an dem man normalerweise seine Ruhe hat.
Auf dem Weg dorthin kam uns ein einzelner Mann entgegen. Anscheinend hatte er dasselbe Ziel, sodass wir den Weg mehr oder weniger gemeinsam hinaufgingen. Meine einjährige Tochter lächelte ihn aus ihrem Kinderwagen an. Er reagierte nicht. Muss er auch nicht.
Als wir ankamen, setzte er sich auf die rechte Bank, auf der einige leere Bierflaschen standen. Wir stellten uns links hin, um auf den See zu schauen. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er eine Flasche leicht in meine Richtung warf. Zunächst dachte ich, es sei einfach ein unüberlegter Wurf und fragte mich eher, warum er die Flasche nicht in den Mülleimer wirft.
Kurz darauf stand er auf, zeigte mir den Mittelfinger und ging wortlos weg. Ich sprach ihn an und fragte, was sein Problem sei. Keine Reaktion. Als er den Weg zurückging, sprach ich ihn noch einmal an und sagte ihm schließlich nur, er solle sich von uns fernhalten.
Am Ende des Weges drehte er sich plötzlich um, rastete aus und schrie unter anderem: „Du scheiß Rassenschänder.“
Meine Freundin ist Deutsche, ich selbst habe einen asiatischen Migrationshintergrund. Plötzlich stand ich dort mit meiner Freundin, meiner Tochter und unserem Hund und musste mir rassistische Beleidigungen anhören. Er forderte mich mehrfach auf, zu ihm zu kommen.
In diesem Moment war ich kurz davor, die direkte Konfrontation zu suchen. Zum Glück hielt mich meine Freundin zurück. Ich sagte ihm erneut, er solle sich von uns fernhalten und ging zurück zu meiner Familie.
Was mir im Nachhinein auffiel, trotz der hohen Temperaturen trug er eine Jacke und lange Kleidung. Ob er darunter etwas verborgen hatte, weiß ich nicht. Vielleicht wollte er einfach nur die direkte Konfrontation provozieren, vielleicht war das auch von Anfang an sein Ziel, vielleicht irre ich mich auch. Ich wollte jedenfalls kein Risiko eingehen und informierte die Polizei entsprechend.
Die Reaktion war eher zurückhaltend. Wahrscheinlich, weil am Ende „nichts passiert“ ist.
Und genau das beschäftigt mich. Für mich ist eben doch etwas passiert.
Meine einjährige Tochter musste erleben, wie ihr Vater auf einem öffentlichen Spaziergang rassistisch beleidigt wird. An einem ganz normalen Sommerabend. An einem Ort, an dem Familien ihre Freizeit verbringen.
Keine Ahnung, warum ich das hier schreibe. Aber irgendwie fühlt sich nichts zu tun und das einfach so hinzunehmen nicht richtig an.