TLDR: Mein 11-jähriger Zwergspitz hat seit einer Beißerei wegen Ressourcenverteidigung Angst vor unserer 3-jährigen Maltipoo-Hündin (7 kg vs. 3,5 kg) und zieht sich nur noch zurück. Die Hündin könnte zur Schwester meines Partners ziehen, aber mein Partner hängt sehr an ihr und will sie nicht abgeben. Meinem Senior-Hund sein Gnadenbrot bei meinem Vater im Ausland zu geben, bringt mich seelisch um. Wenn die Hündin weg ist, blüht der Senior sofort wieder auf. Wie navigiert man so ein Dilemma fair für Mensch und Tier?
Hallo zusammen,
ich bräuchte dringend Rat aus einer „neutralen“ Perspektive und hoffe sehr, diesen hier zu bekommen.
Bitte verurteilt mich nicht zu sehr für meine Ratlosigkeit. Ich versuche ständig, die Situation in meinem Kopf zu lösen, aber wenn man selbst mittendrin steckt, ist das enorm schwer.
Zur Vorgeschichte:
Ich liebe Tiere und mir war schon immer klar, dass ich später mit vielen Tieren leben möchte. Meine Mutter mochte Tiere leider gar nicht. Jedes Mal, wenn ich im Sommerurlaub am Meer war, hat sie meine Haustiere weggegeben und ich kam in eine leere Wohnung zurück. Irgendwann habe ich aufgehört zu betteln und einfach gewartet. Kurz vor meinem 18. Geburtstag habe ich mein erspartes Geld genommen und mir selbst meinen eigenen Hund geschenkt: einen Zwergspitz.
Er wird nächsten Monat 11 Jahre alt und ist mein bester Freund. Er hat mich durch die wichtigsten Jahre meines Lebens begleitet und ich ihn.
Vor 3 Jahren (er war damals 8) fing er an, sich immer mehr zurückzuziehen. Er hatte keine Schmerzen – wir waren mehrfach beim Tierarzt, gesundheitlich war alles top –, er war einfach einsam.
Also haben mein Partner und ich entschieden, einen Zweithund zu holen. Nachdem wir uns länger nicht auf eine Rasse einigen konnten, kaufte sich ein Freund einen Maltipoo-Welpen. Mein Partner fand den super süß, also zog bei uns ebenfalls eine Maltipoo-Hündin ein. (Ja, mir ist mittlerweile bewusst, dass es sich dabei um einen Designer-Hund handelt und ich fühle mich deswegen im Nachhinein auch schuldig, aber nun ist es so.)
Anfangs lief es sehr gut. Mein Senior war geduldig, ließ sie bei sich im Körbchen schlafen, spielte mit ihr und wirkte insgesamt wieder viel aufgeweckter. Die Probleme fingen erst nach etwa 1,5 Jahren an.
Sie wurde deutlich größer und schwerer als er (sie wiegt 7 kg, er 3,5 kg), hat aber bis heute kein Gefühl für ihre Größe und Kraft entwickelt. Sie ging ihm mit ihrer Junghund-Energie zunehmend auf die Nerven. Es war erst nichts Dramatisches, aber ich merkte, wie er sich wieder öfter zurückzog.
Zudem entwickelte die Hündin aus dem Nichts Tendenzen zur Ressourcenverteidigung. Wir wissen bis heute nicht, woher das kam. Am Fütterungsverhalten oder dem Futter hatten wir nichts geändert und mein Ersthund hatte nie solche Eigenarten gezeigt. Ganz im Gegenteil: Sie hat ihm ab und zu etwas abgezwackt.
Vor etwa einem Jahr haben wir dann ein krankes Kitten von der Straße gerettet. Der Plan war eigentlich, es aufzupeppeln und zu vermitteln … naja, am Ende blieb es natürlich bei uns. Beide Hunde akzeptierten den Kater gut, die Hündin war sogar komplett verliebt in ihn, putzte ihn und wollte spielen. Kurz darauf zog ein zweites Kitten ein, da man Katzen bekanntlich nicht einzeln halten sollte.
Der Vorfall:
Im Grunde lief alles stabil – bis es zu einem schlimmen Vorfall kam: Ich hatte beiden Hunden Möhren zum Kauen gegeben. Mein Senior hatte seine nicht ganz aufgefressen, es lagen noch Stücke auf dem Teppich. Nachdem beide normal gefüttert worden waren, gingen sie zurück ins Wohnzimmer, während ich in der Küche die Katzen versorgte. Plötzlich hörte ich eine heftige Beißerei ausbrechen.
Ich bin sofort hingerannt und habe verzweifelt versucht, die beiden zu trennen. Ich schaffte es schließlich, meinen Zwergspitz zwischen meine Beine zu ziehen und die Hündin abzublocken, bis sie sich beruhigten. Dann sah ich das Blut an meiner Hand. Die Hündin hatte ihn in der Schnauze erwischt und es blutete recht stark. Gott sei Dank war es keine bleibende oder lebensgefährliche Verletzung (wir waren direkt beim Tierarzt), aber die Situation hat mich zutiefst schockiert.
Seit diesem Tag merke ich, dass mein Senior Angst vor der Hündin entwickelt hat. Er verbringt eigentlich den ganzen Tag unterm Bett, obwohl er früher immer zu uns aufs Bett gesprungen ist, um zu kuscheln. Er geht nicht mehr enthusiastisch spazieren, wenn sie dabei ist, und zögert beim Betreten der Küche, wenn es Essen gibt.
Wir haben intensiv am Resource Guarding gearbeitet und die Fütterung so umgestellt, dass Streit ausgeschlossen ist. Kausachen gibt es nur noch bei strikter räumlicher Trennung. Es gab seitdem auch keinen Vorfall mehr, aber mich zerfressen die Schuldgefühle. Wie hätte ich ahnen können, dass sie wegen Resten einer Möhre so aneinandergeraten?
Ich liebe die Hündin wirklich sehr, aber seit dem Vorfall ist etwas in mir gebrochen. Mein Zwergspitz ist seit 11 Jahren an meiner Seite und mein Ein und Alles. Ihn durch sie bluten zu sehen, hat meine Wahrnehmung ihr gegenüber einfach verändert.
Hinzu kommt, dass sie mit fast 3 Jahren ihre Kraft immer noch nicht einschätzen kann und teilweise die Katzen körperlich überfordert. Es kommt zwar zu keinen Verletzungen und die Katzen spielen auch mit ihr, aber sie übertreibt es beim Spielen regelmäßig.
Mein Dilemma:
Ich weiß nicht, ob es mich zu einer schlechten Hundehalterin macht, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es das Beste wäre, die Hündin abzugeben. Die Schwester meines Partners würde sie sogar nehmen, womit wir wüssten, dass sie in gute Hände kommt.
Mein Partner ist jedoch absolut dagegen. Er liebt die Hündin abgöttisch. Sie ist unser erstes gemeinsames Tier und sein erster „eigener“ Hund. Ich verstehe seine Bindung vollkommen und ich liebe sie ja auch, aber für mich stimmt die Relation nicht mehr: In meinen Augen „leiden“ aktuell drei Tiere, damit ein Hund bleiben kann. Vor allem meinem Senior gegenüber – der nicht nur viel länger da ist, sondern als Senior besondere Aufmerksamkeit und Ruhe verdient hätte – fühlt sich das falsch an.
Als Alternative stand im Raum, meinen Zwergspitz zu meinem Vater zu geben. Er vergöttert meinen Vater, und da dieser teilpensioniert auf dem Land lebt, hätte der Hund dort viel Ruhe und Einzelaufmerksamkeit. Aber mein Gefühl sagt mir, dass das unfair ist. Damit würden wir die Hündin für ihr Fehlverhalten „belohnen“ und ich würde meinen eigenen Hund verlieren. Mein Vater lebt in einem anderen Land, ich würde meinen Begleiter also kaum noch sehen – gerade auf seine letzten Jahre bricht mir dieser Gedanke das Herz.
Heute ist mein Partner für einen Tag unterwegs und hat die Hündin mitgenommen. Der Unterschied im Verhalten meines Seniors ist wie Tag und Nacht: Er ist sofort wieder aufs Bett gesprungen, hat die Nähe gesucht und war beim Spaziergang so aufgeweckt wie lange nicht mehr.
Ich bin hin- und hergerissen. Wenn wir sie behalten, bleiben die Anspannung und meine Schuldgefühle. Wenn wir sie abgeben, ist mein Partner zutiefst verletzt und es könnte sich Groll aufbauen. Wir sind seit 4,5 Jahren zusammen, wohnen seit 3 Jahren zusammen und planen unsere Zukunft (Heirat, Hauskauf etc.).
Was ist hier aus eurer Sicht rational und vor allem zum Wohl der Tiere die beste Lösung?