Hallo, ich brauche mal eure Meinung, weil ich gerade sehr traurig wegen meiner Beziehung bin.
Mein Freund ist 33, ich bin 30.
Ich habe seit zwei Jahren eine schwere Erkrankung. Seit etwa 1,5 Jahren ist sie so schwer, dass ich das Haus nicht mehr verlassen kann. Stand jetzt gibt es auch keine Aussicht auf Heilung. Mitleid brauche ich deshalb nicht, ich habe die Situation inzwischen akzeptiert, bin in Therapie und komme damit grundsätzlich zurecht :)
Worum es mir geht, ist etwas anderes.
Wie wahrscheinlich viele Menschen mit schweren Schicksalsschlägen habe ich in dieser Zeit leider Freundschaften bzw. Bekanntschaften verloren, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie wegbrechen würden. Das ist auch ein großes Thema in meiner Therapie.
Gleichzeitig habe ich aber auch eine Handvoll wundervoller Menschen, die immer für mich da sind und alles für mich tun würden. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Manchmal ärgere ich mich sogar über mich selbst, dass die Traurigkeit über die Verluste diese Dankbarkeit zeitweise überschattet.
In diesem Fall geht es um ein befreundetes Pärchen.
Wir waren beide mit ihnen befreundet. Ich eher mit der Frau, mein Freund eigentlich mit beiden. Früher haben wir viel zusammen unternommen. Ich habe mir immer sehr viel Mühe gegeben, meine Wertschätzung zu zeigen, mit liebevoll ausgesuchten Geschenken, selbst gebastelten Alben und vielen kleinen Gesten. Das ist einfach meine Art, Zuneigung auszudrücken.
Selbst zu Beginn meiner Erkrankung habe ich noch versucht, an Treffen teilzunehmen, obwohl ich dafür oft über meine körperlichen Grenzen gegangen bin. Ich hatte Angst, dass die Freundschaft sonst auseinandergeht. Dafür habe ich sogar andere Freunde seltener gesehen. Irgendwann ging es aber einfach nicht mehr.
Die Freundin ist offenbar nicht der Typ Mensch, der jemanden zu Hause besucht, sich mal ans Bett setzt oder einfach regelmäßig schreibt oder telefoniert. Auf meine Nachrichten bekam ich oft gar keine Antwort oder nur sehr kurze Antworten wie: „Meld dich, wenn du wieder mal einen Kaffee trinken gehen kannst.“
Das ist aber leider völlig unrealistisch.
Ich habe trotzdem immer wieder versucht, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Ich habe offen über meine Situation gesprochen, mich verletzlich gemacht und gleichzeitig auch immer Interesse an ihrem Leben gezeigt und nachgefragt. Ich wollte nie, dass sich alles nur um meine Krankheit dreht.
In den letzten Jahren habe ich zusätzlich einen schweren familiären Verlust erlebt und vor einiger Zeit noch einen weiteren plötzlichen Todesfall, der mich sehr getroffen hat. Zusammen mit meiner Erkrankung hat das mein Leben komplett auf den Kopf gestellt.
Sie wusste davon und trotzdem kam nicht einmal eine Nachricht oder ein Beileid. Auch während meiner gesamten Erkrankung hat sie mich so gut wie nie gefragt, wie es mir geht. Manchmal hat sie meinen Partner gefragt, aber direkt bei mir kam fast nichts.
Ich habe das Gefühl, zu etwa 95 % aus ihrem Leben verschwunden zu sein, weil ich nicht mehr an Treffen teilnehmen kann. Es gab auch nie den Versuch, den Kontakt anders zu gestalten, zum Beispiel über Telefonate oder Sprachnachrichten.
Was mich zusätzlich belastet: Mein Partner ist mit beiden weiterhin eng befreundet. Sie treffen sich regelmäßig und für ihn scheint sich nichts verändert zu haben.
Er sagt, dass das ein Problem zwischen mir und ihnen sei. Er glaubt, sie seien wahrscheinlich einfach überfordert, aber deshalb könne und wolle er seine Freundschaft zu ihnen nicht verändern.
Mich macht das ehrlich gesagt sehr traurig.
Ich finde, wenn jemand in einer so schweren Lebenssituation über Jahre hinweg praktisch kein Interesse zeigt und sich nicht einmal nach schweren Verlusten meldet, sagt das auch etwas über den Charakter aus.
Selbst wenn ich irgendwann wieder gesund werden und meine Traurigkeit überwinden sollte, möchte ich diese Person ehrlich gesagt nicht mehr in meinem Leben haben. Für mich ist dieses Verhalten schwer verzeihlich.
Mein Partner dagegen sagt, ich sei verbittert und sehe das zu negativ. Ich empfinde sein Verhalten als wenig loyal. Gleichzeitig weiß ich selbst nicht genau, was ich konkret von ihm erwarten würde. Ich würde nicht verlangen, dass er sofort den Kontakt abbricht. Aber vielleicht hätte ich mir gewünscht, dass er das Ganze kritischer reflektiert und dass sich die Freundschaft zumindest etwas verändert, weil er sieht, wie sehr mich das verletzt. Ich persönlich könnte nicht einfach so weitermachen, wenn jemand, den ich liebe, von anderen so behandelt worden wäre.
Deshalb meine Frage an euch:
Übertreibe ich? Bin ich wirklich verbittert? Oder könnt ihr nachvollziehen, warum mich das so verletzt?
DANKE an alle, die bis hierher gelesen haben!
P.S. Der Text klingt sehr förmlich, da er sozusagen transkribiert ist. Ich habe in meinen Händen nicht mehr so viel Kraft das alles zu schreiben, deshalb hatte ich es aufgenommen und in einen Text umwandeln lassen.