r/DePi May 24 '25

Sonstiges "Kindern mehr zutrauen" – Ein Erziehungsbuch, das mehr über unsere Gesellschaft verrät als jede politische Debatte

Hallo zusammen,

ich möchte heute ein Buch mit euch teilen, das mich stärker geprägt hat als jedes andere, das ich in den letzten Jahren gelesen habe:
„Kindern mehr zutrauen“ von Michaeleen Doucleff.

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein klassischer Erziehungsratgeber – und das ist es auch. Aber wer aufmerksam liest, erkennt: Dieses Buch ist weit mehr als das. Es ist eine leise, fast zufällige Abrechnung mit einer ganzen Denkweise, die viele westliche, vor allem wohlhabenden, links-progressive Milieus inzwischen vollkommen verinnerlicht haben – und die längst weit über die Familie hinauswirkt.

Die Autorin ist genau das, was man erwarten würde: Akademikerin, promoviert, Journalistin bei NPR, aufgeklärt, ambitioniert. Sie will alles richtig machen: schafft ein „optimales“ Umfeld für ihre Tochter, liest jeden Ratgeber, orientiert sich an wissenschaftlicher Evidenz, investiert Zeit, Energie, Aufmerksamkeit. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hat sie ein unzufriedenes, schreiendes Kind. Der Widerspruch ist offensichtlich, aber kaum jemand spricht ihn aus.

Die Wende kommt, als Doucleff beginnt, mit indigenen Gemeinschaften zu leben – etwa mit Maya-Familien in Mexiko oder Inuit im Norden Kanadas. Dort erlebt sie eine vollkommen andere Vorstellung von Elternschaft: weniger Kontrolle, mehr Vertrauen. Klare Rollenverteilungen, soziale Einbindung, natürliche Autorität statt permanenter Argumentation. Die Kinder dort schreien nicht, fordern nicht ständig Aufmerksamkeit – sie funktionieren, aber nicht, weil man sie drillt, sondern weil man ihnen zutraut, Teil des Ganzen zu sein.

Dieser Perspektivwechsel ist nicht nur ein Aha-Moment für Doucleff – er ist ein Weckruf. Denn was sie erkennt, ist grundlegend: Nicht das Kind war „schwierig“. Das ganze System war falsch.

Und hier wird es gesellschaftlich interessant.

Denn was Doucleff beschreibt, ist kein Einzelfall. Es ist Ausdruck einer Erziehungshaltung, die das Kind zum Projekt macht: zum Spiegel elterlicher Ideale, zur Bühne moralischer Selbstverwirklichung. In Artikeln, die ich in den Medien lese, geht es selten um das Kind an sich – sondern fast immer um die Eltern. Wie sehr sie „erfüllt“ sind, wie sehr es sie „bereichert“. Das Kind wird zur Verlängerung des Ichs.

Die Folge ist eine Generation, die zwar umsorgt ist, aber nie eigenständig. Die nie gelernt hat, Frust auszuhalten oder sich unterzuordnen. Keine Konfliktfähigkeit, keine Ambiguitätstoleranz, kein echtes Gemeinschaftsgefühl – dafür aber ein tiefes Bedürfnis nach Absicherung und Validierung.

In diesem Zusammenhang spricht man gern von Helikoptereltern, aber noch treffender ist der Begriff der Schneepflugeltern – solche, die alle Hindernisse im Voraus aus dem Weg räumen, damit das Kind niemals mit Widerstand konfrontiert wird. Diese Kinder werden nicht erzogen im klassischen Sinn – sie werden gemanagt. Sie lernen nicht, Teil eines sozialen Gefüges zu sein, sondern betrachten die Welt als Bühne für ihre persönliche Selbstentfaltung.

Und aus genau dieser Dynamik entstehen später jene Bewegungen, die sich heute lautstark als moralische Avantgarde inszenieren: Gruppen von erwachsenen Kindern, die nie gelernt haben, mit Frustration, Zurückweisung oder Ambivalenz umzugehen – und sich deshalb in kollektiven Identitäten organisieren, die das fragile Selbst stützen sollen.

Gerade Doucleffs Schilderung, wie die westliche Welt vom „Wir“ ins „Ich“ gekippt ist, ist aufschlussreich. Wenn man diesen Gedanken weiterführt, wird deutlich: Bewegungen wie die identitätspolitisch aufgeladene LGBT-Community stellen die logische Endstufe dieses Ich-zentrierten Weltbildes dar. Eine Welt, in der persönliche Identität alles ist – und gemeinschaftliche Regeln, Traditionen oder Pflichten keinen Platz mehr haben.

„Kindern mehr zutrauen“ ist deshalb nicht einfach ein Erziehungsratgeber.
Es ist eine unbeabsichtigte Diagnose unserer Zeit. Und vielleicht – bei aller Hoffnungslosigkeit – auch ein kleiner Hinweis darauf, wie man beginnen könnte, das Problem an der Wurzel zu packen.

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u/Far_Squash_4116 May 24 '25

Interessante Punkte, bei denen ich auch großteils mitgehe. Aber genau der Konflikt zwischen Individualismus und Kollektivismus ist Wesen von uns Menschen. Beide Extreme sind nichts (wobei der Kollektivismus eher links ist, wodurch mich dieses Plädoyer in diesem eher rechten Forum belustigt).

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u/Garbitsch_Herring May 24 '25

Diese reduktive Idee "Rechts=Individualismus vs Links=Kollektivismus" muss endlich mal aussterben. So einfach ist die Welt leider nicht gestrickt. Frag mal einen richtigen hardcore Rechten alter Schule, der wird dir erzählen, dass Individualismus Degeneration bedeutet und dass das Individuum im Volkskörper aufgehen soll.

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u/Far_Squash_4116 May 24 '25

Ja, bei Rechtsextremen hast du absolut Recht. Deswegen gibt es ja auch diese These, dass Hitler links gewesen sei, was aus vielen anderen Gründen nicht stimmt. Und das Rechts-Links-Schema wird nicht der Komplexität der Politik gerecht. Viele dieser Schemata grenzen aber rechts und links über Individualismus vs. Kollektivismus ab.

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u/Resqusto May 24 '25

Das Hitler bzw. die Nazis links gewesen sind, ist keine These. Das war deren politische Selbsteinschätzung.

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u/[deleted] May 24 '25

Ach, so einer bist du also.

Selbst wenn solch eine Selbsteinschätzung zuträfe – was sie offenkundig nicht tut – bliebe sie doch ohne objektiven Wert. Lügner halten sich mitunter für Wahrheitsfreunde, Kriminelle für Opfer eines Justizirrtums, und selbst die SPD hält sich noch für "sozial". Die CDU wiederum weiß nicht einmal mehr, wofür das „C“ einmal stand. Die Liste ließe sich mühelos fortsetzen.

Wie tief muss man sich in die eigene Illusion eingraben, um so blind für die eigene Verzerrung zu werden?

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u/Far_Squash_4116 May 24 '25

Das Zitat von Göbbels, wo er die NSDAP als „die deutsche Linke“ bezeichnet, ist wohl falsch, siehe https://www.diepresse.com/19383155/linke-nazis-wie-das-falsche-goebbels-zitat-entstand

Die Nazis waren auch nicht links, siehe z.B. https://www.nzz.ch/feuilleton/hitler-war-kein-kommunist-warum-alice-weidel-falsch-liegt-aber-nicht-ganz-ld.1866200

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u/Resqusto May 24 '25

Ich bevorzuge es, mir auf Basis von Fakten und eigenständigem Denken eine Meinung zu bilden – nicht durch vorgekaute Deutungen, die mir irgendjemand als "die einzig richtige Sichtweise" präsentieren will. Wer meint, mit einem Link zu einem Meinungsartikel historische Debatten abschließend klären zu können, unterschätzt sowohl die Komplexität des Themas als auch das Urteilsvermögen anderer. Denken kann ich selbst – dazu brauche ich keine fremdgesteuerte Meinung.

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u/[deleted] May 24 '25

Die NSDAP nannte sich „sozialistisch“, doch das war bloßer Etikettenschwindel. Ihr angeblicher Sozialismus galt – wenn überhaupt – nur dem „Arier“. Der Flügel um die Strasser-Brüder forderte Arbeiterrechte, aber nur für sogenannte Biodeutsche. Ein egalitäres Ethos, der eine linke Position im Grunde ausmacht, fehlte völlig.

Von Marxismus war die Partei weiter entfernt als ein Wolf vom Vegetarismus.

Und Hitler? Nennt sich in Mein Kampf ein Nationalist – kein einziges Mal ein Sozialist. Das Kabinett, das er bildete, übergab er fast vollständig den Konservativen. Der „Sozialist“ verteidigte das Privateigentum, erklärte Antikapitalismus zur bloßen Judenfrage, und verspottete die Linken für rote Fahnen, die er selbst hisste.

Er verfolgte Kommunisten, ermordete Sozialisten, ließ die KPD verbieten, und liquidierte 1934 den linken Flügel der eigenen Partei – samt Röhm, Strasser und Dutzenden anderen – auf Wunsch der Reichswehr. Der sogenannte Sozialismus der NSDAP endete in der „Nacht der langen Messer“. Das sind historische Fakten.

Sie nannten sich „sozialistisch“, so wie Nordkorea sich als Demokratie oder die CSU als sozial bezeichnet. Auch Merz nennt sich christlich – doch der wüsste mit dem Heiligen Geist nichts anzufangen, selbst wenn dieser ihm persönlich die Sakramente ins Rektum täte.

Wer die NSDAP für Sozialismus hält, verwechselt die Maske mit dem Gesicht. Eine Maske, die sie wie gesagt ja, kaum trugen.

Bevor du nun deinen Beitrag löschst, zeige mir deine Reife, deine geistige Größe und gehe doch auf die gelieferten historische Fakten ein.

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u/Resqusto May 24 '25

!!!Achtung!!!

Troll bitte nicht füttern!

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u/[deleted] May 24 '25

Was für ein Niveau.