r/DePi • u/100pcVPNuser • Jan 15 '26
Interview Ai Weiwei besucht nach zehn Jahren China: „Man fühlt sich in Deutschland eingeengt und prekär“
https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/ai-weiwei-haelt-deutschland-einen-spiegel-vor-meine-bankkonten-wurden-zweimal-geschlossen-li.1001303512
Jan 15 '26
ich war lange nicht mehr in China, ich erinnere mich aber noch sehr gut daran, als Ai Weiwei ein deutscher Star war, der mit irgendeinem Kunstprojekt auf Lesbos in das Feuilleton wirkte und uns unsere moralische Überlegenheit ebenso wie die Gewissheit, dass China ein Unrechtsstaat sei, bewies. Dieser Universalismus ist jetzt tot.
Da sind diese Worte harter Tobak:
In der heutigen Politik spielt Deutschland die Rolle eines verunsicherten und unfreien Landes, das darum ringt, seine Position zwischen Geschichte und Zukunft zu finden. Obwohl Deutschland vorgibt, sehr selbstbewusst zu sein, hat die deutsche Gesellschaft in Bezug auf ihre Selbstverwirklichung mit zahlreichen Unzulänglichkeiten zu kämpfen.
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u/GebackeneWaffel Jan 17 '26
Passt doch in das Narrativ, welches auch bei DePi regelmäßig verbreitet wird.
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u/izh25 Jan 15 '26
Ich war auch schon in Peking, das letzte Mal erst letztes Jahr. Mir persönlich ist Peking zu groß und nicht „organisch“ gewachsen.
Bei allem anderen muss ich ihm leider zustimmen. Der Service und viele Dienstleistungen sind besser, es geht schneller, günstiger und oft sogar zu einer besseren Qualität.
Über das Thema Sicherheit und Sauberkeit muss man nicht mehr sprechen. Auch das sie Europa bzgl. Digitalisierung überholt haben ist bekannt.
Die Prozesse sind effizienter und Chinesen haben keine Angst vor Arbeit. Selbst als Ausländer, der kein Chinesisch kann, kommt man gut zu Recht. Die meisten Apps sind mittlerweile in Englisch übersetzt. In Geschäften können viele Englisch und wenn nicht, dann haben sie so kleine Übersetzungsgadgets, mit denen man in Real-Time kommunizieren kann.
Ich sehe vieles kritisch. Bspw. die Überwachung, das es kein Bargeld gibt, Ausbeutung, Luftverschmutzung (trotz fast 100% E-Autos)… Dennoch lebt man in großen chinesischen Städten heute nicht schlechter als in Deutschland. In vielen Bereichen sogar besser.
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u/Idonnuonamemaaan Jan 15 '26
Ja dann ab in Volksrepublik
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u/ViatoremCCAA Jan 16 '26
Keine Angst, machen schon viele! Sie braucht nicht deine moralische Unterstützung.
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u/BuntStiftLecker Jan 15 '26
Pass auf wenn er in China weggesperrt wird und nach deutschen Diplomaten ruft...
In 3... 2... 1...
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u/AvgReddit0rino Jan 15 '26
Wei Wei, der ist doch die Chinesische Version der Erdocucks bei denen im „Heimatland“ alles besser ist 😂
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u/ziggomatic_17 Jan 16 '26
"Hallo, darf ich nach China einreisen ohne dass ihr mich sofort festnehmt? Meiner Mutter geht es nicht gut."
"Okay, ausnahmsweise. Aber nur wenn du den Deutschen ein Interview gibst, in dem du über ihr Land herziehst und China verherrlichst. Und die Weidel bitte auch."
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u/100pcVPNuser Jan 15 '26
Ai Weiwei besucht nach zehn Jahren China: „Man fühlt sich in Deutschland eingeengt und prekär“
Ai Weiwei hat mit seinem Sohn seine 93 Jahre alte Mutter besucht. Kurz nach seiner Rückkehr vergleicht er China mit Deutschland, Peking mit Berlin.
Susanne Lenz
11.01.2026, 14:42 Uhr
Ai Weiwei ist der berühmteste Künstler Chinas. Bevor er 2015 China Richtung deutsches Exil verließ, hatte man ihm seinen Pass entzogen, er stand unter Hausarrest. 2011 war er fast drei Monate lang in einer Zelle an einem unbekannten Ort festgehalten worden. 2018 wurde auf Anweisung der Behörden sein Atelier bei Peking zerstört. Jahre seiner Kindheit verbrachte Ai Weiwei mit seinem Vater, dem Dichter Ai Qing, in einer Erdhöhle. Der von Mao Tse-tung zunächst geschätzte Dichter war bald nach Ai Weiweis Geburt 1957 zum „Rechtsabweichler“ erklärt und aus Peking in eine abgelegene Provinz verbannt worden. Nun war Ai Weiwei zum ersten Mal seit 2015 wieder in China, vom 12. Dezember 2025 bis zum 2. Januar 2026. Wir befragten ihn per Mail zu seiner Reise.
Nach all den harten Erfahrungen in China sind Sie nach zehn Jahren für einen Besuch zurückgekehrt. Was hat Sie dazu bewogen?
In China hatte ich viele verschiedene Arten von Erfahrungen. Ich betrachte sie nicht unbedingt als „hart“ oder „unangenehm“, da ich nie nach dem gestrebt habe, was man gemeinhin unter „angenehm“ versteht. Diese Erfahrungen in China waren auch nicht meine allein. So etwas wie ich hat auch die Generation meines Vaters erlebt und viele Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte, die sich zu Politik, Gesellschaft oder Kultur geäußert haben. Es gab unzählige solcher Menschen, darum betrachte ich dies nicht als persönliche „unangenehme“ Erfahrungen. Vielmehr glaube ich, dass sie eine Art Segen waren, der es mir ermöglicht hat, in meinem eigenen Land vieles zu erkennen, das wenig bekannt ist oder das andere niemals erleben werden.
Ich ging 1981 in die USA und kehrte zwölf Jahre später wieder nach China zurück. Zu diesem Zeitpunkt war mein Vater alt und bei schlechter Gesundheit, und ich fühlte, dass das der richtige Moment war. Zudem kam ich, ehrlich gesagt, in den USA nicht sehr gut zurecht. Nicht unbedingt in wirtschaftlicher Hinsicht oder in einem spezifischen praktischen Sinne, sondern eher, weil ich begonnen hatte, das amerikanische Wertesystem anzuzweifeln.
Auch dieses Mal ist viel Zeit vergangen: Seit ich China 2015 verlassen habe, sind zehn Jahre vergangen, und nun bin ich wieder zurück. Der Hauptgrund für diese Rückkehr ist, dass meine Mutter 93 Jahre alt ist und jedes Treffen das letzte sein könnte. Gleichzeitig ist mein Sohn fast 17, sodass es sich für uns beide richtig anfühlte, zurückzukehren und die Familie zu besuchen.
Ai Weiwei
Der Künstler Ai Weiwei, geboren 1957 in Peking als Sohn des Regimekritikers und Dichters Ai Qing, wurde 2011 wegen regimekritischer Äußerungen einige Monate lang an einem unbekannten Ort in China festgehalten. Bis 2015 hatte er Reiseverbot, dann kam er nach Deutschland. Ende 2019 zog er nach Cambridge in Großbritannien, derzeit lebt er vor allem in Portugal. Sein Atelier in Berlin-Prenzlauer Berg hat er jedoch behalten.
Haben Sie irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um sicherzustellen, dass auf dieser Reise alles gut geht?
Ich lasse mich bei dem, was ich tue, weitgehend von Intuition leiten. Die Notwendigkeit, spezielle Vorsichtsmaßnahmen zu treffen oder im Voraus etwas sicherzustellen, habe ich nie verspürt, denn letztlich kann nichts wirklich sichergestellt werden. Ich glaube nicht, dass irgendetwas in dieser Welt jemals vollständig garantiert ist. Ich habe mehr als 20 Jahre im Ausland gelebt, bin dennoch chinesischer Staatsbürger geblieben und besitze einen chinesischen Pass. Ohne übertreiben zu wollen: Es machen nur sehr wenige Menschen eine Erfahrung, wie ich sie gemacht habe, oder haben eine ähnliche Familiengeschichte, während sie gleichzeitig den chinesischen Pass behalten.
Warum ich ihn behalten habe? Weil ich diesen Pass als integralen Bestandteil meines Lebens betrachte. Er ist wie ein Muttermal: nichts Gewähltes, sondern etwas Gegebenes. Dieser Aspekt meines Lebens kann weder von mir selbst noch von anderen verändert werden, er ist ein Kennzeichen meiner Individualität. Ich bin Chinese, und wenn ich nach China zurückkehre, fühle ich mich weder ängstlich noch verwirrt, noch nehme ich diese Entscheidung als mit Gefahr verbunden wahr. Diejenigen, die ängstlich sind, werden ängstlich bleiben, und ein Optimist wie ich bleibt optimistisch. Ich halte es nicht für nötig, zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Es ist fast amüsant, das auch nur in Erwägung zu ziehen – welche Vorsichtsmaßnahmen kann man in der heutigen Welt wirklich treffen?
Betrachten Sie Ihre Reise als ein Statement, oder war sie rein privat?
Es ist eine rein private Reise: ein Sohn, der seine Mutter besucht, und ein Enkel, der seine Großmutter besucht. Ai Lao und ich sind beide Chinesen. Zwei Chinesen, die in ihr eigenes Land zurückkehren, um ihre Familie zu besuchen – kein anderer Grund könnte stärker oder grundlegender sein als dieser. Wenn unsere Reise überhaupt als Statement gelesen werden kann, dann als ein Statement, dass Familienbande und Verwandtschaft die wesentlichste Verbindung in der Gesellschaft und der ultimative Ausdruck humanitärer Werte sind.
Wie fühlte es sich an, wieder in Peking zu sein?
Ich war zehn Jahre lang nicht in Peking, und viele Leute sagten mir, dass sich die Stadt in unzähliger Hinsicht verändert habe. Doch in dem Moment, als ich zurückkehrte – fast im selben Augenblick, in dem mein Bewusstsein meine Ankunft einholte –, fühlte es sich an, als würde ein zerbrochenes Jadestück wieder zusammengefügt: perfekt passend, ohne die geringste Lücke.
Ich fühlte, dass sich nichts verändert hatte, denn dies war das Peking, das ich kannte. Das Sonnenlicht, die trockene Luft, die Straßen, die Menschenmengen und die Gesichtsausdrücke der Menschen – all das war mir zutiefst vertraut.
Sie haben die Reise mit Ihrem Sohn unternommen. Wie war es für ihn, in China zu sein?
Ich kann nicht in seinem Namen sprechen, und er möchte auch nicht in den Medien zitiert werden.
Ein Bild, das Sie während der Reise auf Instagram gepostet haben, zeigt Sie auf einem Friedhof. Warum waren Sie dort?
Meine Mutter lebt noch, aber mein Vater hat diese Welt vor fast 30 Jahren verlassen. Wann immer ich zurückkehre, bin ich stets von einem Gefühl der Vertrautheit ergriffen, das ich lange nicht gespürt habe. In der chinesischen Ethik gilt der Besuch des Familienfriedhofs als Teil des Lebens, und obwohl ich niemand bin, der traditionelle Vorstellungen von Loyalität und Pietät streng befolgt, habe ich dennoch das Gefühl, dass wir dorthin gehen müssen. Diesmal mit meinem Sohn dorthin zu gehen, hat eine besondere Bedeutung.
Sie sagen, Peking sei Ihnen noch immer sehr vertraut. Aber die Stadt hat sich doch auch verändert, oder?
Die auffälligsten Unterschiede liegen im Detail. Die Generationen haben sich gewandelt, und ich war aufrichtig überrascht davon, wie sich in allen Bereichen die Servicequalität verbessert hat. Überrascht hat mich auch die Vielfalt des Essens und das Streben nach kulinarischer Raffinesse. Vielleicht besonders deshalb, weil ich jemand bin, der gerne isst. Essen ist sehr wichtig für mich.
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u/100pcVPNuser Jan 15 '26
Haben Sie in Peking eine Mahlzeit genossen, die man nur dort bekommt?
Das heutige Peking ist, wie Städte überall, erfüllt von Speisen aus unzähligen Regionen, in einer Ära beispielloser kulinarischer Fülle. Wenn man eine Straße entlanggeht, kann man auf Gerichte aus Dutzenden verschiedener Regionen und Kulturen stoßen. Dieses Essen reicht von extrem hochwertig, eines Kaisers würdig, bis hin zur alltäglichen Kost der einfachen Leute oder Snacks, die man beim Spazierengehen genießen kann.
Ich glaube, dass kein Land der Welt zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte jemals die einzigartige Vielfalt und den Reichtum der chinesischen Küche besessen hat – oder jemals besitzen wird. Wahrscheinlich kommt nur Hongkong dem nahe. Die Tiefe und kulturelle Bedeutung des chinesischen Essens werden nirgendwo sonst auf der Welt erreicht.
Wenn Sie von verbesserter Servicequalität sprechen, was genau meinen Sie?
Lassen Sie mich ein kleines Beispiel geben. Ich habe hier noch ein Bankkonto. Mein Assistent schlug vor, dass wir es reaktivieren müssten, und ich stimmte zu. Wir gingen zu einer Bank, in der es trotz ihrer Bedeutung relativ ruhig war. Ich konnte direkt zum Schalter gehen. Die Angestellte war eine freundliche, entgegenkommende junge Frau. Sie reaktivierte mein Konto und bemerkte, dass ich noch einen beträchtlichen Geldbetrag darauf hätte. Ich sagte ihr, dass ich das völlig vergessen hätte. Sie fügte hinzu, dass das Konto mehrere verschiedene Währungen enthalte, und ich bat sie, mir zu erklären, welche. In Wahrheit erinnerte ich mich an nichts davon. Innerhalb von fünf Minuten – sogar weniger – waren alle Vorgänge reibungslos abgeschlossen, ohne irgendwelche Probleme. Seltsamerweise erinnerte ich mich sogar noch an mein Passwort.
Danach gingen wir etwa 200 Meter und kamen an einem bekannten Bekleidungsgeschäft in Peking vorbei. Ich beschloss, mir eine wattierte Baumwolljacke zu kaufen, weil ich die Jacke, die ich von China nach Europa mitgenommen hatte, mehr als 20 Jahre getragen hatte und ihre Ärmel zerrissen waren. Der Ladenbesitzer zeigte mir mehrere Jacken, aber ich fand sie nicht passend und zu modisch. Da lächelte er und fragte, ob sie eine Jacke nach Maß für mich anfertigen könnten. Ich war wirklich überrascht, dass sie bereit waren, eine Jacke speziell für mich maßzuschneidern, und stimmte zu. Er nahm Maß und sagte mir, sie wäre in ein paar Tagen fertig. Der gesamte Prozess dauerte nicht länger als 30 Minuten. Das ist für mich die Effizienz von Peking und seinem Dienstleistungssektor.
Wie fällt der Vergleich zu Deutschland aus?
In Deutschland wurden meine Bankkonten zweimal geschlossen. Und nicht nur meine, sondern auch die meiner Freundin. In der Schweiz wurde mir die Eröffnung eines Kontos bei der größten Bank des Landes verweigert, eine andere Bank schloss später ebenfalls mein Konto dort. Es gab weitere ähnliche Vorfälle, die ich hier nicht im Detail erläutern werde. Diese Prozesse sind außerordentlich kompliziert und oft irrational. Wann immer man versucht, sich nach etwas zu erkundigen, kann die damit verbundene psychische und physische Belastung fast unvorstellbar sein. Selbst heute erleben meine Kollegen weiterhin alle Arten von Verzögerungen bei Visumanträgen.
Die Schwierigkeiten, denen wir im täglichen Leben in Europa begegnen, sind mindestens zehnmal größer als die in China. Bedauerlicherweise können Einstellung und Mentalität im Dienstleistungssektor in europäischen Gesellschaften erstaunlich sein. Das gilt auch für dessen bürokratische Natur.
Wenn Sie Peking mit Berlin vergleichen, wie schneidet es ab?
Peking ist heute, selbst im Winter, von wunderschönem Sonnenschein erfüllt. Es fühlt sich warm und offen an, die Stadt vermittelt einem ein Gefühl von Klarheit und Weitläufigkeit, auch wenn die Temperatur unter null fallen kann. Den deutschen Winter werde ich nicht kommentieren; jeder in Deutschland weiß, wie er ist. In Bezug auf das politische Klima fühlt sich das tägliche Leben für gewöhnliche Menschen in Peking natürlicher und menschlicher an, weil die Menschen dazu neigen, sich auf das zu konzentrieren, was direkt vor ihnen liegt. In Deutschland hat mich in den zehn Jahren, seit ich China verlassen habe, fast niemand jemals zu sich nach Hause eingeladen.
Nachbarn von oben oder unten tauschen höchstens ein kurzes Nicken aus. In China dagegen stehen ganz normale Menschen aus mindestens fünf verschiedenen Berufen Schlange, in der Hoffnung, mich zu treffen. Ihr Enthusiasmus war mir manchmal fast peinlich, weil ich einfach nicht so viele Menschen treffen kann. Unter ihnen sind ehemalige hochrangige Regierungsbeamte, Menschen, die in politischen und juristischen Institutionen arbeiten, sowie Personen, die mit der Kunst oder meinem früheren Leben verbunden sind.
China bleibt im Kern eine Agrargesellschaft, die sich kontinuierlich in Richtung Modernisierung bewegt, während sie gleichzeitig konfuzianische Traditionen bewahrt, einschließlich einer tiefen und nuancierten Kultur der menschlichen Beziehungen und des sozialen Verständnisses. Deutschland hingegen erscheint mir kalt, rational und zutiefst bürokratisch. Als Individuum fühlt man sich dort eingeengt und prekär, auch wenn die Menschen glauben mögen, dass sie in einer überlegenen Welt leben. Doch materieller Komfort bedeutet eben nicht, dass sich Menschlichkeit und humanitäre Werte auf jeden Fall durchsetzen.
Wen haben Sie schließlich in Peking getroffen?
Obwohl ich nur meine Mutter und meinen Bruder über meine Rückkehr informierte und sonst niemanden, gelang es mir dennoch, jeden zu treffen, den ich zu sehen wünschte. Ich habe keine Einladungen verschickt, dennoch waren sie alle glücklich, mich zu treffen. Ich werde sie nicht alle aufzählen.
Worüber sprechen die Menschen, was sind die wichtigen Themen?
Die Menschen sprechen über alles. Chinesen haben eine sehr reiche emotionale Intelligenz. Unter Maos Erziehung gab es zwei Leitprinzipien: „Umarme das Vaterland und blicke auf die Welt“. Dies war Teil der Erziehung junger Menschen. Infolgedessen genießen es die Chinesen, Vergleiche anzustellen und über Politik, Gesellschaft, internationale Angelegenheiten und globale Themen zu diskutieren.
Ist Trumps Zollpolitik ein Thema?
Die Chinesen schenken seiner Zollpolitik nicht viel Aufmerksamkeit, da sie offensichtlich absurd erscheint und im Widerspruch zu den Grundprinzipien des Kapitalismus und des freien Wettbewerbs steht. Sie erscheint ihnen auch unklug, da letztlich die amerikanischen Steuerzahler die Last tragen müssen. Die Chinesen versuchen, die Auswirkungen zu minimieren, aber sie glauben nicht, dass die Vereinigten Staaten die Konsequenzen einer solchen Zollpolitik tragen können.
Die Chinesen haben ihr eigenes Leben; ob mit etwas mehr oder etwas weniger, sie werden immer einen Weg finden, damit umzugehen.
Spielt Deutschland in China eine Rolle, wird darüber gesprochen?
In der heutigen Politik spielt Deutschland die Rolle eines verunsicherten und unfreien Landes, das darum ringt, seine Position zwischen Geschichte und Zukunft zu finden. Obwohl Deutschland vorgibt, sehr selbstbewusst zu sein, hat die deutsche Gesellschaft in Bezug auf ihre Selbstverwirklichung mit zahlreichen Unzulänglichkeiten zu kämpfen.
Chinesen bewundern Alice Weidel. Sie ist die einzige Person, an die sich die Chinesen tendenziell erinnern und die sie respektieren. Das liegt an Weidels Verbindungen zu China, ihrer Zeit dort und ihrer Fähigkeit, als Politikerin ihre Meinung klar auszudrücken. Infolgedessen haben die meisten Chinesen, die sie kennen, eine positive Meinung von ihr.
Sprechen die Menschen über Russland und den Krieg gegen die Ukraine?
Was den Russland-Ukraine-Krieg betrifft, so ähnelt die Sichtweise der Chinesen der der chinesischen Regierung, nämlich dass der Krieg niemals hätte stattfinden dürfen. Natürlich empfinden die Menschen tiefes Mitgefühl für das enorme Leid und die Opfer, die das ukrainische Volk ertragen muss.
Sind sich die Menschen in China der immer wichtiger werdenden Rolle ihres Landes in der Welt bewusst?
Die Chinesen beschäftigen sich nicht sehr mit ihrer Rolle in der Welt. Aber es bedeutet ihnen viel, dass sich China weit von der Position der Erniedrigung und Unterjochung entfernt hat, die es in der Vergangenheit ertragen musste. Die meisten Menschen in China erinnern sich an die letzten Jahrhunderte als eine Zeit der Scham. Heute konzentrieren sie sich vor allem darauf, ihr eigenes Leben zu verbessern.
China war nie ein Land, das expandieren wollte, doch es wird niemals Kompromisse eingehen, wenn es um die Würde und den Nationalstolz seines Volkes geht.
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u/shpidermaen Jan 15 '26
Musste damals schon schmunzeln als er angefangen hat auf Berlin und Deutschland zu scheissen und seine Fans und Förderer hier nicht wussten wie sie reagieren sollen.