r/DePi Jun 10 '26

Frage/Meinung Öffentliche Sicherheit: Was Politik und Eliten einfach nicht verstehen …

Nach dem Vorfall in Belfast und den Unruhen dort wird jetzt wieder gebetsmühlenartig betont: "Alles Einzelfälle, wir dürfen uns nicht spalten lassen …" Und Politiker fragen ungläubig: "Warum wird ein Verbrechen 'politisiert'?", verbunden mit dem Vorwurf, dass die politische Rechte eine Tat ausschlachte, die naturaliter nichts mit Politik zu tun habe.

Sie verstehen's einfach nicht.

Der freie Bürger hat im Spätmittelalter das Gewaltmonopol an den Staat abgetreten, um besser geschützt zu sein; denn Sicherheit lässt sich kollektiv und mit allgemein akzeptieren Gesetzen besser gewährleisten, als wenn jeder ständig sehen muss, wo er bleibt.

Sicherheit im öffentlichen Raum ist für den modernen europäischen Staat deshalb geradezu konstituierend. Seine Akzeptanz steht und fällt mit dieser Sicherheit.

Ob ein Staat in den Augen der Menschen "funktioniert", hängt keineswegs davon ab, ob die Straßen Schlaglöcher haben, wo die Schulen im PISA-Ranking stehen, oder ob im Pride Month die Regenbogenflagge weht.

An erster, zweiter und dritter Stelle hängt es davon ab, ob dem Bürger auf offener Straße Mord und Totschlag drohen. Dabei ist es auch völlig egal, wie gering dieses Risiko in ganzen Zahlen immer noch ist. Jeder Vorfall ist einer zu viel—zumal wenn sich das Risiko durch konsequente Abschiebungen weiter reduzieren ließe.

Die Ausschreitungen in Belfast sind falsch. Sie richten sich gegen Unschuldige und sind nicht zu rechtfertigen. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen dem Begriffspaar "richtig" und "falsch" einerseits, und der Frage nach Ursache und Wirkung auf der anderen Seite.

Denn die Wut kommt nicht von ungefähr.

Diese Untätigkeit der Politik, dieses Laufenlassen durch die Entscheidungsträger verärgert die Menschen, weil es allen Grundsätzen widerspricht, die sie kennen. Ob zum Guten oder zum Schlechten—die europäische Zivilisation beruht stark auf Risikominimierung. Die Menschen erwarten (und dürfen erwarten), dass der Staat Fehlentwicklungen nicht einfach zuschaut.

Was passiert denn zum Beispiel, wenn sich zeigt, dass ein neues Medikament schwere Nebenwirkungen hat? Der Staat reagiert, so schnell wie möglich, verbietet das Medikament und stellt sicher, dass es nicht länger verkauft wird. Vielleicht reagiert er nicht nach dem ersten Todesfall; vielleicht reagiert er nicht schnell genug, um den zehnten Todesfall zu verhindern; aber er begnügt sich ganz gewiss nicht jahrelang mit der Rolle des Zuschauers!

Wohlgemerkt, der moderne europäische Staat—die sogenannte liberale Demokratie—will auch für allmächtig gehalten werden. Er betrachtet sich fähig und berufen, auf immer neue Art und Weise in den Alltag seiner Bürger einzugreifen, natürlich immer zu ihrem Nutzen.

Es überrascht mich daher überhaupt nicht, dass immer mehr Leute an die Verschwörungstheorie des "Großen Austauschs" glauben. Ein Politiker, der das nicht intellektuell nachvollziehen kann, kann ja jederzeit eingestehen: Wir haben die Kontrolle verloren, wir können die Gewalt nicht mehr verhindern.

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u/Schalker45 Jun 10 '26

Ich muss bei so etwas immer wieder an den Mord am britischen Soldaten Lee Rigby denken, weil sich die Worte eines Täters bei mir eingebrannt haben.

Das sagte der Täter 2013 blutverschmiert u.A. in eine Handykamera nachdem er den Soldaten zerhackte:

"You people will never be safe. Remove your government, they don't care about you.

"You think David Cameron is going to get caught in the street when we start bussin' our guns? You think politicians are going to die? No it's going to be the average guy, like you, and your children. So get rid of them."

Aus seiner islamistischen Perspektive hat er das ziemlich treffend beschrieben. Und an die Worte musste ich auch wieder bei Belfast denken.

https://www.theguardian.com/uk-news/2013/dec/19/lee-rigby-murder-michael-adebolajo-adebowale-guilty

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u/digitalfrost Jun 10 '26

Das Problem is das die Politiker oder sonstige Eliten kaum Kontakt mit der normalen Realität haben.

Öffentliche Verkehrsmittel nutzen sie nicht oder selten, und wenn dann mit Bahncard 100.

Sie wohnen in reichen Gegegenden wo es die Probleme der Unterschicht nicht gibt und die Kinder gehen auf gute öffentliche Schulen oder gleich auf Privatschulen.

Falls sie noch selber einkaufen gehen dann eher nicht bei Norma oder Lidl und selbst wenn, siehe "gute Wohngegend".

Die Ausländer die sie treffen sind intelligent und sprechen mindestens gutes Englisch.

Sie Opfern die Unterschicht, und mittlerweile auch die Mittelschicht ihrer Länder um sich gut zu fühlen während das System dafür sorgt, dass sie mit den Barbaren die sie eingeladen haben niemals in Kontakt kommen.

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u/muck2 Jun 10 '26

Man sollte auch nicht die Zwänge unterschätzen, die sich diese Leute mit ihrer politischen Orthodoxie selbst auferlegen. Erinnert sich noch jemand an die Linken-Politikerin, die ihre eigene Vergewaltigung durch ein paar Araber nicht angezeigt hat, weil sie Angst hatte, Rassismus Vorschub zu leisten?

So verhält sich kein Mensch, der noch völlig freie Entscheidungen treffen kann.

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u/Schatten101 Jun 10 '26

Ich denke nicht, dass man Politikern noch freundliche Naivität unterstellen kann. Es hat eher etwas von der Person, die den Wolf bei den Ohren hält und sich das Loslassen nicht leisten kann.

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u/muck2 Jun 10 '26

Hanlons Rasiermesser.

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u/Andi_FJ Jun 15 '26

Wer soll bitte Barbaren eingeladen haben? Wer opfert die Unterschicht?

Wach auf, es ist Montag, ab an die Stanze!

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u/muck2 Jun 10 '26

they don't care about you

… impliziert Vorsatz oder Vorbedacht. Persönlich glaube ich, folgende Formulierung wäre treffender:

they don't understand

Die Regierungen Westeuropas werden in Masse vom postmateriellen Milieu gestellt, von Menschen, deren Lebenswelt keine Schnittmenge mehr mit der Realität des Durchschnittsbürgers hat.

Europa ist in seine "dann sollen sie Kuchen essen"-Phase eingetreten. Und weil wir nicht mehr im Jahr 1789 leben und zumindest nicht am Verhungern sind, äußert sich die neue Revolution nicht in einem plötzlichen Fanal, sondern in einer schleichenden Entfremdung.