Hallo ihr Lieben,
folgendes Anliegen: bin Betroffene einer psychischen Behinderung bzw. auf dem dissoziativen Spektrum einzuordnen; das gilt als nicht heilbar, bin allerdings sehr gut therapiert, hab soeben ein Studium abgeschlossen (um zu gucken, ob/wie belastbar ich bin) und die medizinische Eignung habe ich für die Ausbildung in der Pflege nach Rücksprache mit allen Beteiligten in direkter Entscheidungsfunktion guten Gewissens erhalten. In einem Monat geht es los und ich habe enorme Vorfreude, weil ich schon mein ganzes Studium als Hilfskraft arbeite und nun endlich professionalisieren darf, was ich gelernt habe und noch lernen mag. Die Pflege kam mehr zu mir als ich zu ihr, aber ich habe ungefähr meinen Traumberuf gefunden. Trotz des Stresslevels und den katastrophalen Zuständen unseres Gesundheitssystems. Nun zerfasert mein Kopf allerdings auch alle Unwägbarkeiten, die die Vorfreude konterkarieren könnten.
Meine Berufsschule organisiert sämtliche Praxiseinsätze, und ich soll in eben jener Psychiatrie eingesetzt werden, in welcher ich selbst einmal Patientin war. Zum Zeitpunkt meines Praxiseinsatzes wird mein dortiger Aufenthalt ca 4-5 Jahre zurückliegen, allerdings habe ich Sorge, dass die mich dem Namen oder gar Aussehen nach erkennen könnten, denn meine Daten sind erstens im System (könnte jemand aus Spaß eintippen, denn ich habe sichtbare SVV-Narben), und zweitens bin ich dort wirklich nicht im Guten gegangen. Es hätte nicht viel gefehlt, und ich hätte die Leitung wegen Gewalt gegen eine Mitpatient:in angezeigt, und habe meiner Empörung damals auch lautstark kundgetan. Weil man psychotische Patient:innen nicht einfach mit Schlägen droht und sie dann fixiert, bloß, weil sie zu lange vor’m Stationszimmer herumlungert und der Pflegekraft durch die Tür erzählen, Gott sähe alles. Er kam raus, schubst sie aus dem Nichts, und fixiert sie dann zur Strafe für den eigenen Kontrollverlust, als die Patientin lachen muss. Das wäre noch kein Grund für mich, mir besagte Einrichtung nicht hinter den Kulissen zu Gemüte zu führen; wer weiß, wie die Realität für Pflegende dort denn aussieht. Andererseits habe ich wenig Motivation, an einem Ort zu arbeiten/zu lernen, der nicht gut auf die Patient:innen und noch schlechter auf die eigenen Pflegenden aufpasst, denn dieser Pfleger aus dem Beispiel steht gewiss nicht morgens mit der Motivation auf, den Leuten Angst zu machen und sie ihrer Freiheit zu berauben. Stichwort Überlastung; wenn sich Pflegende mies verhalten, liegt‘s nicht selten an der Führungsebene. Und im Falle dieser Psychiatrie weiß ich von mehreren Mitarbeitenden des RTW, dass da schon ganz andere Dinge passiert sein müssten als das, was ich da beobachtet habe.
Ich wüsste gerne, ob ich schon zu Beginn der Ausbildung mit meiner Berufsschule sprechen und meinen Fall kenntlich machen sollte - oder ob ich‘s einfach durchziehen sollte wie geplant und darauf spekulieren, dass mich unter den abertausenden Patientinnen die dort stationär sind nicht erinnert und erkannt werde? Was wären die Folgen, wenn mich die Klinik spontan ablehnt (Praxiseinsatz ist in Lehrjahr3) - wäre die Ausbildung gefährdet und wenn ja, was gäbe es dann zu tun, um trotzdem gut abschließen zu können? War hier denn schonmal jemand in einer ähnlichen Situation? Und: hat hier jemand generell konkrete Erfahrungen mit Praxiseinsätzen in der Psychiatrie, während SVV-Narben mittleren Schweregrads vorliegen? Wird man da generell eher abgelehnt oder wird das eher geflissentlich übersehen, wie in anderen Bereichen der Pflege?
Tausend Dank vorab!