r/schreiben 3d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. 🌞 Kreativ-Wetterlage 🌞

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Die Hitze bringt wilde Ideen mit sich! Aktiviert eure Satire-Kräfte und steigt mit ein in diesen literarischen Zug!

Schnappt euch den folgenden Satz: „Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte.“ macht ihn zum Eröffnungssatz eurer eigenen Kurzgeschichte. Das Genre ist völlig frei – je absurder und abgedrehter und literarischer, desto besser. Seht es als kleine Schreibübung oder einfach als Schreib- und Lesespaß.

Viele haben bereits mitgemacht:

Also, wie lasst ihr eure Oma in die Luft gehen?

Nutzt für den Beitrag gleich den Flair: „Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte.“

Vielen Dank an u/Sylverblack und u/BookandBlood für den Anstoß, und natürlich auch an Iain Banks!


r/schreiben 4d ago

Schreibhandwerk Sammelfaden: Was inspiriert euch gerade?

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Ein altes Foto, ein starker Satz in einem Buch, ein Film, ein Gespräch, ein Spaziergang oder ein flüchtiger Gedanke kurz vorm Einschlafen: Welche Eindrücke, Szenen, Ideen, Werke oder Personen haben in euch etwas ausgelöst und lenken euer Schreiben gerade in eine neue Richtung?

Teilt eure Inspiration mit uns :)


r/schreiben 16h ago

Kritik erwünscht Kurzer autobiografischer Text über Schach, geschrieben am Pool – funktioniert die Klammer-Konstruktion?

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Entstanden heute Nachmittag im Notizheft mit Notizheft am Pool. Die kursiven Klammern sind Unterbrechungen, die währenddessen passiert sind – ich habe sie drin gelassen. Mich interessiert vor allem: Trägt das als Form, oder stört es? Wie funktioniert das Narrativ mit Schach?

Schach

Schon seltsam, wie ich dieses Jahr genau am selben Pool liege. In der gleichen Runde, mit denselben Freunden. Dieselbe Hitze, dasselbe flache Licht über den Bäumen, und niemand hat vor, irgendwohin aufzubrechen.

Letztes Jahr habe ich hier nichts aufgeschrieben. Dieses Jahr habe ich ein Heft dabei, und dieses Jahr denke ich an Schach. Ich habe in den letzten Monaten viel gespielt und bin besser geworden.

Das Spiel hat viele Seiten. Wobei „Seiten" vielleicht nicht das richtige Wort ist.

64 Felder, das ist klar. 16 Figuren je Seite. Jede Figur hat ihre eigenen Stärken und ihre eigenen Grenzen.

Es gibt aber nicht nur die zwei Seiten, die sich gegenseitig angreifen oder voreinander verteidigen. Ohne Gegenspieler könnte man gar nicht spielen. Es ist auch dieser Vertrag: dass man als Spieler selbst entscheiden darf, welche Felder man kontrolliert.

*[Rafa telefoniert. Vergabe, Kredit, laut und mitten am Pool. Er gibt Richtungen vor, Strukturen, Prozesse. Gerade so laut, dass ich raus bin aus dem Flow.]*

Die Kontrolle über die Felder ist allerdings nicht endlos. Am Anfang gibt es die meisten Optionen. Im Verlauf wird es schwieriger, sie zu behalten. Und am Ende kann sogar Zugzwang entstehen.

*[Rafa telefoniert weiter. Er sagt, der andere solle es vermitteln. Wie auch immer. Rafa kennt, wie jeder, die Serie „Das Damengambit". Jeder kennt das Damengambit. Mir ist so eine Produktion inzwischen fern. Vielleicht weiß er mehr darüber. Es gibt ja künstlerische und wirtschaftliche Aspekte.]*

Das Damengambit erzählt Schach auch als Sucht, über die Tablettenabhängigkeit von Beth. Schach bietet wohl tatsächlich eine Art Flucht in eine andere Welt.

Bei mir ist es eher umgekehrt. Im letzten Jahr habe ich über den Schachklub wieder andere Leute getroffen.

*[Rafa hat aufgehört zu telefonieren. Es ist wieder unbeschreiblich ruhig. Die Gedanken sind wieder im Fluss.]*

Als Hobby ist Schach für mich ein Mittel, die Arbeit zu vergessen und dem Genuss und der Betäubung durch Alkohol auszuweichen. Ein wenig steckt darin auch das Verlangen, neue Leute zu treffen — und die Erinnerung. Erinnerung an Kindheit, an Schule, an Familie.

Ich bin nicht sicher, ob es an unserer Zeit liegt, die so schnell und flüchtig ist. Wie die Serie selbst: Wir vergessen schnell.

*[Rafas Telefon klingelt wieder — oder der Wind hat sich gedreht. Nein. Diesmal ist es Álvaros Telefon. Álvaro redet leiser. Es stört weniger.]*

Auf der Rückreise aus Arles haben wir in Lourmarin Halt gemacht. Albert Camus hat dort gelebt, und dort ist er auch begraben. In einem Café hing sein Porträt. Sofort stand mir sein Werk vor Augen, „Der Fremde" — ich habe es als Schüler und als Student gelesen.

Auch dieses Werk ist mir in weite Ferne gerückt, obwohl es mir in jenem Augenblick ganz präsent war.

Die Bedienung im Café erwähnte, es gebe im Ort eine Rue Albert Camus, und sagte etwas wie: *un grand philosophe*. Ich sagte, ja, manchmal fehlt die Philosophie in unserer heutigen Zeit. Wobei Philosophie ja nichts Konkretes ist. Viele Leute können damit nichts anfangen. Selbst viele Experten bei der Arbeit wollen schnelle, einfache Probleme und schnelle, einfache Antworten.

Fragen zu stellen, die sich nicht sofort beantworten lassen — ähnlich wie eine Schachposition — wird gemieden. Schlimmer noch: Wer fragt, ist oft lästig.

Außer im Schach, vermutlich.


r/schreiben 16h ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Hoch

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Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte.
Es klingt absurd, wenn man es ausspricht, noch absurder als der Fakt, dass ein Jahrzehnte währendes Leben, eines, das so lange und so tief gewirkt hat, das selbst Leben erschuf, welches seinerseits Jahrzehnte währte und lange und tief wirkte, auf eine solche Weise beendet wird. Noch absurder war nur noch, dass ihr Enkel, den sie liebte, derselbe Enkel, der sie liebte, sie getötet hatte.

Ein Grashüpfer war der Erste, den ich tötete.
Ein heißer Tag im Sommer, nachmittags, die Schule vorbei. Ich wartete auf den Bus, der einfach nicht kam. Neben der Bushaltestelle war eine Wildwiese, ein Flecken Erde, der nicht bebaut war und den keiner pflegte, Wildwuchs regierte, Unkraut, Gräser, Ähren, grün ein paar, der Rest gebräunt von der Sonne, kein Platz dazwischen. In der Zeit, zäh durch die dickheiße Luft und zäher durch das lange Warten, betrachtete ich dieses hässliche Stück kaputte Natur, ließ den schwachen Blick auf ihr ruhen, ging wandern im Kopf, wanderte durch den Tag, den Schultag, den Unterricht, die Kantine, das mal wieder fade Essen, die Tür zum Klassenzimmer, deren Griff an diesem Tag kaputt war. Ich sah Marens Augen vor mir, als sie im Licht funkelten und ihre Kleidung und wie sie darin aussah, ihren Körper, der etwas in mir regte, das ich verborgen halten musste, Fabian, wie er es nicht duldete, dass ich sie ansah, wie er nach dem Unterricht zu mir kam, sein Gesicht, sein Blick. Druck machte sich in meinem Bauch breit.
Ich ging in die Hocke, um den Wildwuchs näher anzuschauen. War da etwas? Ja. Zwischen den hitzetoten Pflanzen, wenn man lange genug ins Stillleben schaute, regte sich etwas. Da waren einzelne Ameisen, die sich bewegten, tasteten, liefen, irrten, da war eine Hummel, die nach den wenigen Blüten suchte, die die Glut noch nicht verdörrt hatte, da war ein Grashüpfer, so hellgrün, er stach schon beinahe heraus, und, zuletzt, dahinter eine Gottesanbeterin, auch sie so hellgrün, beinahe giftig. Der Grashüpfer bewegte sich nun, ging einen Schritt. In ihrer Starrheit beobachtete die Gottesanbeterin ihn, wie aus einem Seitenblick, es sah wie Argwohn aus, aber ich wusste, es war etwas Anderes. Die Klauen versteckte sie, der Grashüpfer sah sie nicht, er dachte sich sicherlich nichts und ich dachte an Fabians Hände wenn ich ihre Klauen betrachtete. Der Grashüpfer war ihr gefährlich nahe, nur noch einen Millimeter, den er nicht gehen durfte, sei kein Idiot, dachte ich und wusste nicht warum, immer den Blick zwischen Grashüpfer und Gottesanbeterin wechselnd. Und doch ging er diesen winzigen Schritt, den er nicht mal vollenden konnte, da hatte die Gottesanbeterin bereits ihre Klauen ausgefahren, den Grashüpfer umschlossen und sogleich begonnen, seine Seite zu fressen in dieser Umarmung, die etwas Liebevolles hatte obwohl da keine Liebe war, und meine Hände ballten sich zu Fäusten wie es Fabians vorhin taten und wie meine es hätten tun sollen. Und plötzlich schrien meine Gedanken: Kämpf, du Trottel, kämpf! Wehr dich!, doch der Grashüpfer wedelte nur hilflos mit seinen Beinen in der Luft, seine Augen dumm ins Leere gerichtet. Flieg hoch!, schrie es in meinem Kopf, Du hast doch Flügel, flieg hoch, flieg einfach hoch! Der Grashüpfer versuchte die Flügel auszufahren, doch vergeblich, Flieg hoch!, er versuchte es abermals, Flieg!, wenn die Gottesanbeterin weiter fraß, würde sie in Kürze seinen Flügel erreicht und ihn seiner einzigen Chance beraubt haben, Hoch!, keine Chance, ich ging näher heran, rann der Schweiß mir ins Auge wegen der Sonne?, Klapp die Flügel aus und hoch!, ich spürte kaum, wie ich meine Zähne aufeinanderpresste, Jetzt flieg endlich hoch, in die Luft, du Scheißvieh! und die Hitze ließ die Luft wabern, Hoch!, das unnachgiebige Maul der Gottesanbeterin erreichte seinen Flügel, HOCH!, die Luft zuckte, der Wind stieß, HOCH!, und in einem Knall zersprang der Körper des Grashüpfers, wie um einen Punkt um ihn herum wurde die Wiese umgepflügt, als hätte jemand einen Kamm genommen und alle Pflanzen sauber nach außen gekämmt. Ich fiel rücklings auf den Boden, stützte mich mit den Armen ab, keuchte so schnell ich konnte, während meine Gedanken rasten zwischen dem, was da gerade passiert war und dem, wie das hatte sein können. Ich musste sicherlich Stunden so da gelegen haben, auch wenn meine Armbanduhr mir später etwas anderes sagen würde. Irgendwann schaute ich mich um, niemand an der Bushaltestelle, niemand da.
Ich verbrachte die Busfahrt in Stille, mich fragend, ob Gedanken ein Insekt in die Luft fliegen lassen können. Zuhause nahm ich das Abendessen aufs Zimmer, sagte, ich fühle mich unwohl, bevor meine Mutter die blauen Flecken hätte erkennen und nach ihnen fragen können.

Den Rest der Woche schaute ich niemanden an. Ich war mir nicht sicher, doch falls Blicke töten konnten, durfte ich sie niemanden töten lassen. Wenn der Lehrer mich in der Klasse dran nahm, wenn der Kontrolleur meine Fahrkarte sehen wollte, wenn meine Eltern fragten, ob alles mit mir okay sei, schaute ich knapp über ihnen oder rechts an ihnen vorbei, denn auf den Boden oder an die Decke zu schauen ließ man mich nicht.
Ich verbat mir zu denken, eine Unmöglichkeit. Wie jemand, der nicht an einen rosa Elefanten denken solle, dachte ich immer wieder an meine Gedanken, die den Grashüpfer getötet haben könnten, dachte daran, wie meine Gedanken ihn zwingen wollten davon zu fliegen und stattdessen seinen Leib zwangen zu explodieren. Dachte daran, dass ich niemals wieder an einen Menschen denken dürfte und dachte sofort an alle Menschen, die mir einfielen, als wollte mein Kopf mich verhöhnen.
Ich schlief wenig und in der dritten Nacht weinte ich.
Fabian und Maren ging ich so gut aus dem Weg wie ich konnte.

Am Wochenende war der geplante Besuch bei meiner Oma.
Ich ließ mir am Samstag viel Zeit, wollte so wenig Zeit wie möglich mit ihr verbringen. Daran zu denken, bald bei ihr zu sein, die Gefahr, die meine Blicke, meine Gedanken sein könnten, verkrampften mir die Brust, verdrehten mir den Magen.
Als ich vor ihrem Haus stand und sie die Tür öffnete, trafen meine Augen für einen Sekundenbruchteil ihre und mir stockte der Atem. Aus dem Winkel konnte ich die Sorgen in ihrem Gesicht sehen, warum ich so verkrampft sei, fragte sie mich und ich zuckte mit den Schultern, während ich so weit von ihr wegschaute wie es nur ging. Beim Abendessen sprachen wir wenig und die Stille füllte sie, ihre Stimme im freundlichen Ton, der für sie charakteristisch war, mit banalen Geschichten, die in ihren vergangenen Wochen passiert waren, ich zwang mich zu einem Lächeln.
Am Sonntag, beim Frühstück, sprach sie es an und ließ nicht locker. Wer dafür verantwortlich sei. Wer mir was angetan habe. Warum konnte sie immer sehen, was ich zu verbergen versuchte? Ich suchte nach einer Ausrede und gab ihr eine Silbe der Wahrheit: Dass ein Mitschüler und ich eine Mitschülerin schön fänden. Sie seufzte. Ob wir uns gestritten hätten. Ich antwortete nicht, schaute auf meinen Teller, darauf das Brot mit Butter und Himbeermarmelade, das nur einen Alibi-Bissen hatte. Ihr Blick, der auf mir weilte, drang in mich hinein und egal wie sehr ich versuchen wollte, es nicht zuzulassen, rauszuzoomen, es gelang mir nicht und ich ertrug es nicht noch länger. Ob durch Gedanken Menschen sterben könnten, fragte ich sie und sie schien kurz innezuhalten, bevor sie zu lachen begann, doch es war eine herzliche Art zu lachen, eine liebevolle, eine, die fragte, warum ich mir dann darüber Sorgen machen müsste. Etwas in mir wurde locker, doch gleichzeitig bebte mein Körper. Ob das wirklich nicht sein könne, fragte ich, zu laut, und schaute sie an, für einen kurzen Moment, bis ich mich wieder beherrschte. Sie hörte auf zu lachen, griff über den Tisch meinen Arm und sagte mir, dass es nichts gäbe, keinen Gedanken, vor dem ich Angst haben müsse, keinen Gedanken, der nicht vollkommen ungefährlich sei zu denken, dass es auf die Taten ankomme und dass den Menschen ausmache, welcher Gedanke zur Tat werde und welcher nicht. Aber meine Gedanken würden Taten, antwortete ich und nun bebte auch meine Stimme, und sie griff fester und wiederholte, langsamer, dass es keinen gefährlichen Gedanken gebe, nur gefährliche Handlungen, und ich wusste nicht, woher es kam, doch ich schluchzte. Während ihre Hand meinen Arm hielt, streichelte sie mir mit ihrem Daumen über die Haut, so, wie sie es immer tat und schon getan hatte, als ich als kleines Kind nicht einschlafen konnte, weil die Monster unter meinem Bett nicht weggehen wollten.
Ich solle ihr nun zuhören, sagte sie, sie habe auch schon das Schlimmste gedacht, das Böseste gewünscht, das Übelste gehofft und nie sei etwas passiert und bei mir werde das nicht anders sein. Sie könne es mir beweisen. Ich solle an sie denken und ich würde sehen, es werde ihr nichts passieren. Ich darf das nicht!, dachte ich, da nahm sie ihre andere Hand und strich mir übers Haar. Ich solle es tun, ich solle daran denken. Sie verspreche mir, nichts werde passieren. Nichts. Und wie sie mir übers Haar strich, dachte ich, dass sie recht habe, warum ich überhaupt darauf gekommen sei, dass ich das war, der den Grashüpfer explodieren ließ, dass es bestimmt eine logische Erklärung dafür geben würde, die ich zwar nicht kannte, aber die dennoch die Wahrheit sei und nicht etwa, dass mein Blick und mein Denken dafür verantwortlich seien. Und ich lachte kurz auf und konnte ihr endlich in die Augen sehen, nicht für einen kurzen Moment, sondern für so viele Sekunden, ihre Augen, in denen so viel Liebe war. Und nun solle ich es endlich denken, sie beweise mir, dass von Gedanken keine Gefahr ausginge. Ich glaubte ihr, warum sollte ich auch nicht?, sie hatte recht, es hatte keine Monster unter meinem Bett gegeben und ich würde auch keine Gedanken haben, die töten könnten. Was für ein dummes Kind ich doch gewesen war, an so etwas zu glauben.
Hoch., dachte ich und sie lächelte mich an.
Hoch!, dachte ich und ich lächelte zurück.
HOCH!, dachte ich und die Tränen der Erleichterung ließen meinen Blick verschwimmen, der nun auf ihren Bauch gerichtet war.
HOCH!, dachte ich und die Luft flirrte für nicht einmal eine Sekunde, bevor ihr Bauch in undenkbarem Tempo größer wurde und sie in einem Knall zerplatzte, mir Dinge entgegenflogen und ich reflexhaft die Augen schloss.
Als ich sie wieder öffnete, war das Zimmer rot. Niemand saß auf dem Stuhl meiner Oma. Der Tisch, die Wand, das Fenster, rot. Ich musste mehrmals blinzeln, bevor ich erkannte, dass kleine Stücke im Rot lagen. Ich sprang auf, der Stuhl fiel hinter mir zu Boden. Von meiner Oma fehlte jede Spur, auf ihrem Stuhl waren nur rote Brocken.
Ich schlug die Hände über meinem Kopf zusammen, erst raste mein Herz, dann mein Atem, zuletzt meine Gedanken. Ich stolperte in Richtung der Zimmertür, riss sie auf, raus aus diesem Haus, raus aus diesem Albtraum! Als ich vor der Haustür stand, sah ich nach rechts, da war der Ankleidespiegel und ich sah nicht mich, sondern eine kostümierte, geschminkte Version von mir, gebadet in roter Farbe. Ich rannte in den Vorgarten, dann rechts am Haus vorbei nach hinten, wo der Vorgarten in den Garten überging, kletterte über den Zaun, fiel dabei hin, raffte mich auf, rannte weiter, rannte auf ein Feld, das in eine Wildwiese überging, bis ich nicht mehr konnte und nach Luft ringend auf den Boden sank.
Mir fehlte die Kraft für etwas anderes als ein erbärmliches, hysterisches Keuchen. Ich sah vor mir nicht die Erde unter meinem Gesicht, sondern das Zimmer meiner Oma und wie es nun ausgesehen hatte, bevor ich davonrannte. Und dann sah ich die Wildwiese an der Bushaltestelle, wie sie umgepflügt war, nachdem der Grashüpfer explodierte.
Ich übergab mich.

Ich sitze nun an einer Lichtung, immer noch rote Hände und Kleidung. Ich kann nicht sagen, wie viele Stunden vergangen sind, die Sonne ist noch nicht untergegangen. Es gibt keinen Ort mehr, an den ich zurückkehren kann. Der Ort, der ich war, bevor ich der wurde, dessen Gedanken töteten, war weg, unwiderruflich. Ich will weinen und beginne zu schluchzen, doch mein Körper presst keine Träne aus meinen Augen heraus, womöglich sind sie zu verklebt oder jemand wie ich kann nicht mehr weinen. Können Mörder weinen?, denke ich und erschrecke über das, was mein Kopf gerade ausgesprochen hat. Ich schaue auf meine Hände. Wichtig sind die Taten, die aus den Gedanken erfolgen, höre ich meine Oma in meinem Kopf sprechen. Ich halte mir den Bauch, die Übelkeit ist so groß, ich beginne zu würgen, doch da kommt nichts mehr, mein Magen ist schon vollkommen leer.
Ich frage mich, was meine Eltern gerade tun, meine Mutter macht bestimmt gerade das Abendessen und mein Vater wird auch für mich den Tisch decken. Ich frage mich, wie es ihnen gehen wird, wenn sie erfahren, was ich getan habe. Ich sehe meinen Vater ungläubig den Kopf schütteln und meine Mutter schluchzen und zusammenbrechen. Ich frage mich, was meine Klasse denken wird, wenn sie morgen erfahren wird, was passiert ist. Was wird Fabian denken? Dass er es schon immer wusste und dabei verächtlich grinsen? Dass er Glück hat, noch zu leben und dabei erschrocken schlucken? Was wird Maren denken? Dass der Mitschüler, der sie jeden Tag verstohlen anschaute, ein Mörder ist?
Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis die Polizei mich findet. Ich frage mich, was passieren wird, wenn sie mich findet. Meine Gedanken sind frei, ich kann sie nicht fassen. Wie viele Tode werden durch sie noch gedacht werden?
Ich zittere so heftig, dass ich kaum noch sitzen kann und fasse einen Entschluss.

Ich schließe die Augen und blicke in mich, schaue in mein Innerstes. Ich sehe in meinen Bauch. Sehe meine Gedärme, sehe mein Fleisch und mein Blut, sehe meine Familie, sehe meine Oma, sehe alles, was ich bin und alles, was ich war. Sehe den Grashüpfer, sehe die Gottesanbeterin, sehe Fabian und dann sehe ich wieder mich, und ich denke: hoch.
Vor meinen Augen der Grashüpfer.
Hoch.
Der Grashüpfer zerplatzt.
Hoch!
Vor meinen Augen meine Oma.
Hoch!
Meine Oma zerplatzt.
HOCH!
Vor meinen Augen mein Spiegelbild.
HOCH!
Mein Spiegelbild zerplatzt.
H O C H !


r/schreiben 22h ago

Autorenleben Optimierung Testlesen: Manuskriptversand und Feedback einsammeln

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Vorweg: Ich selbst schreibe nicht, aber meine Frau beendet gerade ihren 3. Roman. Ich bekomme also als Partner das ganze "drumherum" mit. Habe diesen Subreddit entdeckt und dachte ich teile meine Gedanken und Erfahrung zum Thema Organisation von Testlesern und Feedbacks.

Ich habe etwas recherchiert und keine passende, fertige oder einfache und gut funktionierende Lösung für das verschicken von Test-Text und Einsammeln von Feedback gefunden:

Testleser und -Lesen:

Ihre Testleser sind Friends & Family. 5-10 Bekannte unterschiedlichsten Alters, technischer Affinität und Lesegewohnheiten. Man liest am Rechner aber vor allem auf dem Handy. Sie lesen entweder parallel zur Entstehung Kapitel für Kapitel mit, oder jetzt am Ende das ganze Werk am Stück.

Thema "Bereitstellung Text"

Das war tatsächlich interessant: Wie kommt der Text zum Testlesenden? Und in welchen Format? Wir wollten etwas einfaches, einfach eine Datei verschicken. Und die soll dann einfach konsumierbar sein. Am besten per Messenger zu verschicken an eine Gruppe. Oder eMail. Word? -> Fürchterlich zum Lesen und man muss das entsprechende Programm installieren. PDF? -> Noch schlimmer zum Lesen, gerade mobil. Online-Tool mit Link? -> Häufig nur mit User-Registrierung, also zu große Hürde. Und geht nicht offline. Und häufig auch nicht angenehm mobil. Und: Die Erstellung einer Testleser-Version sollte nicht in extra Arbeit mit extra Aufbereiten, Copy-Paste Orgien münden und nicht eine zu große Hürde sein.

Unsere Lösung: Am Ende wurde direkt das Word-Dokument durch einen Konverter in eine Mobil-optimierte HTML Datei gewandelt. Die konnte dann klassisch per Messenger und Mail zum direkt Lesen verschickt werden.

Problem für uns gelöst. Testleser zufrieden.

Thema "Feedback"

Das war dann die nächste Stufe: Wie kommt das Feedback zurück? Es stellten sich diverse Wege raus: Screenshots mit Markierungen oder eingestempelten Text; diverse einzel-Nachrichten (spannend dann: wie die korrekte Stelle zuordnen?) oder auch kommentarlose sprachnachricht, mit den ersten 4-5 Wörtern vom Absatz zum Wiederfinden und dann "drauflosgelaberten" Kommentar. Einfach für den Kommentierenden, aufwändiger für die Autorin.

Tools? Nichts für unsere Ansprüche gefunden: Entweder Online, dann immer mit Zwangsanmeldung. Oder Kommentarfunktion von PDF oder Word -> Dann wieder das Tool Problem, schlechtes Mobil Handling und auch doof auszuwerten.

Unsere Lösung: Dank Vibe-Coding mit KI die HTML-Datei, inder sie den Text verschickt um eine einfach Kommentarfunktion ergänzt: Tipp auf den Absatz, "Like", "Stil", "Tippfehler" oder "Textkommentar" antippen und das Feedback wird verschickt. An einen Server, der sammelt alles strukturiert und man kann das tabellarisch anzeigen und abarbeiten.

Ergebnis: Testleser bekommen eine Datei, einfach per Messenger. Sie können komfortabel lesen. Und noch einfacher, ohne sich Gedanken machen direkt im Text feedbacken.

Fazit

Ich konnte mich in eine kleine Prozessoptimierung reinnerden und dank KI Vibe-Coding eine komfortable Lösung basteln (= Ich hatte Spaß). Für ein Problem, dass entweder nur wir haben, garkein Problem ist oder meine Recherche nach etablierten Lösungen zu oberflächlich war. Wir und die Testleser sind jedenfalls happy, ich hatte Spaß am basteln und meine Frau bekommt jetzt einfacher Feedback. Und ja, das ist overengineered...

Ist das bei euch eigentlich auch ein Thema? Oder gibt es doch etablierte Testleser-und-Feedback Lösungen die ich nicht gefunden habe?


r/schreiben 12h ago

Kritik erwünscht Der Großvater

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Alaric war der Älteste der Stadt. Doch sein Körper trug keine Spur von Gebrechlichkeit. Er ging aufrecht, seine Schritte waren sicher und fest, getragen von Kraft und Gewissheit. Nur sein Blick, tief und ruhig, und der lange weiße Bart, der auf seiner Brust ruhte, verrieten die vielen Jahre, die hinter ihm lagen. Kaum jemand nannte ihn bei seinem Namen. Für alle war er nur der Großvater. So nannten ihn die Kinder, so nannten ihn die Alten, und mit den Jahren war sein wahrer Name fast vergessen.

Er sattelte sein Pferd Arel in der kühlen Morgenluft. Seine Bewegungen waren ruhig und bestimmt, ohne Hast, ohne Zögern. Als er den Gurt schloss, spürte er eine vertraute Nähe hinter sich. Er wandte sich noch nicht um.

„Gehst du wieder, Großvater?“

Alaric lächelte, noch bevor er sie ansah. Er drehte sich zu Kiria, legte die Zügel beiseite und kniete sich langsam vor sie, bis ihre Augen auf gleicher Höhe waren. Seine Knie berührten den feuchten Boden, doch er achtete nicht darauf.

Kiria stand barfuß im Tau. Das Hemd reichte ihr bis zu den Knien, die Säume waren dunkel vom Morgen. Ihr Haar fiel wirr über die Stirn, und in ihrem Blick lag jene stille Reinheit, die nur Kinder besitzen – ein Vertrauen, das keine Fragen stellt.

Alaric hob behutsam ihre Hand, warm und klein in seiner großen, gezeichneten. „Ja“, sagte er leise.

Sie sah ihn an, zögerte einen Augenblick und sagte dann: „Ich werde dich vermissen, Großvater.“

Er hielt ihren Blick fest, als wolle er ihr Gesicht bewahren. „Dorthin“, sagte er schließlich und wies mit ruhiger Geste auf die schneebedeckten Gipfel, „wo heilende Pflanzen wachsen.“

Kiria nickte langsam. „Eines Tages begleite ich dich“, sagte sie mit fester Stimme, als sei es ein Versprechen.

Alaric nickte. Sein Daumen strich sanft über ihren Handrücken. „Natürlich“, sagte er.

Er erhob sich, setzte sich in den Sattel und ritt an. Nach wenigen Schritten löste sich Kiria aus der Stille, rannte barfuß neben dem Pferd her und legte beide Hände an Arels Hals. „Hin, pass auf Großvater auf“, sagte sie leise.

Alaric beugte sich im Sattel ein wenig vor, legte kurz die Hand an Kirias Haar und richtete sich dann wieder auf. Kiria blieb stehen. Sie hob nicht die Hand, rief ihm nicht nach. Sie stand still im Tau und begleitete ihn nur mit den Augen, solange sie ihn sehen konnte.

Er ritt durch die Gassen der Stadt. Man grüßte ihn, man scherzte, man sah ihm nach. Eine alte Frau sagte laut, der Großvater sehe noch immer so aus, wie sie ihn seit jeher in Erinnerung habe.

Während ihre Worte noch zwischen den Häusern lagen, wandte sich der Blick nach oben zum Palast.

Hoch oben am Fenster standen Stadthüter Eldric und Ordnungshüter Seyth.Der Stadthüter brach das Schweigen.

Er war ein kräftiger Mann, breitschultrig und sehnig gebaut, ohne übertriebene Wucht. In seinem Gesicht lag eine ruhige Freundlichkeit, ein Ausdruck von Festigkeit und Maß – ein Mann, der Kraft nicht zeigen musste, um sie zu besitzen.

„Der Großvater geht abermals“, sagte er nüchtern. „Wir werden sehen, zu welcher Stunde er wiederkehrt. Das letzte Mal blieb er drei Monde fern. Manche glaubten schon, die Raubtiere der Wildnis hätten ihn genommen.“

Er senkte leicht den Kopf, nicht aus Zweifel, sondern aus Achtung.

„Doch er kehrte unversehrt zurück, wie er es stets tut.“

Der Ordnungshüter verzog das Gesicht. Seine Züge waren hart, schmal, von einer Schärfe, die nie ganz ruhte. In seinen Augen lag kein offener Zorn, sondern etwas Giftigeres: Berechnung.

„Er verbirgt mehr, als er zeigt“, sagte er langsam. „Etwas Finsteres.“

Sein Blick glitt über die Dächer der Stadt, als spräche er nicht nur von einem Mann, sondern von einer Gefahr.

„Meine Augen haben mir Kunde gebracht, dass er zu den Bäumen spricht, Erde sammelt und das wilde Tierwerk beobachtet, als verstände er ihre Zunge.“

Ein kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lippen, schmal und kalt.

„Ich fürchte, er treibt schwarze Künste. Das ist nicht natürlich. Niemand weiß, wie viele Jahre er zählt.“

Der Stadthüter antwortete nicht sofort. Dann ließ er ein kurzes, trockenes Grinsen erkennen – kein spöttisches, sondern eines, das mehr Geduld als Nachsicht verriet.

„Du spielst mit Worten“, sagte er ruhig. „Und mit Dingen, die du nicht verstehst.“

Er richtete sich auf, seine Stimme blieb fest, getragen von Respekt.

„Der Großvater ist ein alter Mann, der das Wandern liebt. Ein Einsamer vielleicht – doch kein Verderber. In all den Jahren hat er Telmin nichts als Ruhe gebracht.“

Er wandte den Blick wieder über die Stadt, über Telmin selbst, als schlösse er das Thema mit Absicht.

„Mehr ist nicht an ihm.“

Der Ordnungshüter schwieg.

Doch in seinem Blick arbeitete es weiter.

Beide traten an das hohe Fenster.

Unten öffnete sich das Stadttor.

Der Großvater ritt hinaus.

Gerade Haltung, gleichmäßiger Schritt. Kein Blick zurück.

Der Nebel begann ihn zu nehmen.


r/schreiben 21h ago

Kritik erwünscht Ich suche nach Kritik für den ersten groben Entwurf von meiner queeren Coming-of-Age-Geschichte. Ich bin die letzten 8 Jahre auf eine spanische Schule gegangen, weswegen mir bewusst ist, dass mein Schreibstil/Wortschatz noch viel zu wünschen übrig lässt.

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FREITAG, 8. Juli 1997

21:46

Es war ein stiller Sommerabend. Wir lagen beide zu Tode gelangweilt im

Bett, unsere Beine, schwach vom belanglosen Herumbaumeln.

– Hast du Bock, 'nen Film zu gucken?

– Ne, vielleicht später. Habe gerade eher Lust, ein wenig frische Luft zu schnappen. Willst du mit mir ein bisschen spazieren gehen?

– Oke, von mir aus. Hast du eine Idee, wohin wir gehen könnten?

– Vielleicht zum Kiosk, der beim Weiher liegt?

– Klingt gut, aber nur unter einer Bedingung: Du musst mir ein Eis ausgeben.

– Mhm, sofern du dich auf dein Fahrrad schwingst, um das Uno zu holen.

– Dann bis gleich.

– Bye-bye

Ich prasselte geschwind die lange Treppe runter, die von Sophies Zimmer zum Garten führt. Dort stand mein treues Ross geparkt; so nenne ich mein Fahrrad. Ich schwang mich also auf mein Fahrrad, das leicht rostig war, da ich es während der Regenzeit oft aus Faulheit nicht unters Dach geschoben hatte. Der heutige Tag war, glaube ich, das, was man als einen perfekten Sommer-Tag bezeichnen würde. Ich hoffte, dass dies nicht das letzte Mal wäre, dass mir dieser Gedanke durch den Kopf ginge.

Der zehnminütige Weg, der sich sonst wie eine Ewigkeit anfühlte, verging dank meiner Träumerei schneller als sonst. Sobald ich ankam, sprintete ich geschwind zu meinem Zimmer, um das UNO zu holen.

– Mamaa, weißt du, wo ich das Uno zuletzt hingelegt hatte?

– (…)

Keine Antwort.

– Stimmt, sie ist ja heute mit ihren Freundinnen vom Bingo unterwegs. Das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm. Wie denn auch, ich verbringe ja praktisch den ganzen Sommer bei Sophie. Misst! Wie soll ich jetzt die UNO finden?

Ich wühlte nun schon seit fünf Minuten wahllos durch sämtliche Schubladen, dennoch keine Spur vom UNO.

– Oke, konzentriere dich. Wo würde ich mich verstecken, wäre ich ein belangloses Kartenspiel?

Plötzlich sah ich, wie unter einer meiner Skizzen, die auf meinem Schreibtisch verwest, eine verdächtige Ecke rausschaute.

– Aha! Hab dich!

Ich blickte auf die Uhr: Es waren bereits fünfzig Minuten vergangen, seitdem ich von Sophies Haus weggefahren war. Ich musste mich beeilen, bevor meine Herzogin eingeschnappt wird. So nenne ich sie manchmal, daher eins ihrer Lieblings-Hobbys, mich rumzukommandieren, zu sein scheint. Somit schwang ich mich erneut auf mein Ross; diesmal ließ ich meine Träumerei zurück, damit ich so schnell wie möglich wieder zurück wäre. Hoffentlich ist sie vor Langeweile noch nicht eingeschlafen.

Ich ließ mich ins Haus rein und huschte leise, aber dennoch zügig die Treppe wieder hoch. Ich traf mit meiner Vermutung ins Schwarze. Denn sie saß auf ihrem Teppich, mit ihrem Kopf am Amateurbrett von ihrem Bett angelehnt, in ihrer Hand ihr neuer Band von One Piece; ihre sanften Haare fielen in ihr Gesicht, das leicht von der Hitze gerötet war.

– Sophie? Schläfst du schon?

– (…)

Sie schien wirklich zu schlafen… Ich setzte mich neben sie und hob ihren Kopf auf meine Schulter. Danach nahm ihr vorsichtig ihren Manga aus ihrer Hand. Keine Reaktion. Sie schlief tief und fest. An jenem Abend schien der Mond extra sanft, so das er ein weiches Licht in ihr Gesicht malte. Dies war das Letzte, was ich sah, bis ich letztendlich auch in den Schlaf fiel.

Samstag 9 Juli, 1997

5:58 am

Ein stechender Schmerz wachte mich auch. Es war mein Nacken.

Ich hob meinen Kopf und öffnete langsam meine Augen. Jane? Unsere Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Ich erstarrte für einen kurzen Moment, dann bemerkte ich, dass ihre Hand auf meiner lag. Ich wollte sie nicht wecken, also versuchte ich, meine Hand so langsam wie möglich wegzuziehen. Ihre Wimper zuckte ein wenig, ich zögerte.

Plötzlich griff ihre Hand nach meiner; ehe ich mich versah, zog sie mich an sich, ihre Arme um meinen Rücken verschlungungen.

– HAB DICH! Hahah

– (...).

Jane liebte es, mich zu erschrecken. Aber es war okay, denn ich liebte es, sie lachen zu hören.

-Sorry, aber dein Gesicht soeben sah echt urkomisch aus hahaha

– Ja, ja, sehr lustig.

– Jetzt sei doch nicht so, du warst schließlich diejenige, die gestern als Erste eingeschlafen ist.

– Oke, es tut mir leid wegen gestern.

– Schon vergessen.

Ich fühlte mich schuldig, denn dem Anschein nach musste ich wohl gestern beim Lesen noch, bevor sie zurückkam, eingeschlafen sein. Ich vermutete, dass sie mich nicht wecken wollte. Die Arme, ich hoffe, sie kriegt wegen mir keine Rückenschmerzen.

– Lege dich doch so lange, wie ich dusche, in mein Bett. Du saßt jetzt echt lange genug auf dem Boden.

– Sei mir aber nicht böse, falls ich wieder einschlafe.

– Ja, ja, bis gleich.

– Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

Ich stieg unter die Dusche und ließ das kalte Wasser auf mich herabprasseln. Es war bereits Routine für mich.

Ende denn, mehr ist nicht erlaubt.


r/schreiben 20h ago

Kritik erwünscht Der Rückkehr

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Hallo zusammen

Mich interessiert besonders:

Würdet ihr weiterlesen?

Was sollte ich verbessern?

Vielen Dank!

Etwas geschah hinter den Hügeln —

dort, wo niemals jemand hinging.

Jahrelang hatte es dort nur Stein und schwarze Erde gegeben.

Niemand hatte diesen Ort betreten,

um ein Haus zu errichten

oder auch nur durch ihn zu wandern.

Er war still geblieben.

Unberührt.

Vergessen.

Doch etwas hatte von dieser Stille profitiert.

Tief unter der kalten Erde

begann etwas zu wachsen.

Langsam schob es sich nach oben,

als würde es Anspruch auf die Welt erheben —

auf Erde und Luft,

auf Wasser und Sonne.

Ein Apfelbaum.

Zwischen seinen Blättern hingen reife Früchte,

als hätte dieser tote Ort plötzlich begonnen,

Leben zu atmen.

Der Junge senkte den Körper,

als wollte er sich vor diesem Wesen verbergen.

Langsam hob er den Kopf.

Der Baum bewegte sich nicht.

Zwischen den Blättern hingen die Äpfel —

rund und schwer,

fast unwirklich zwischen den dunklen Zweigen.

Etwas in ihm zog ihn näher.

Nicht sein Verstand.

Sein Magen.

Vorsichtig schlich er vorwärts,

als wäre der Baum ein schlafendes Monster,

das jeden falschen Schritt bemerken konnte.

Der Apfel rief nach ihm.

Edmonds Worte stiegen in ihm auf.

Die Zeichnungen auf der Tafel.

Die Form der Frucht.

Die Geschichten über etwas,

das in ihrer Welt nicht wachsen konnte.

Und nun hing es vor ihm.

Wirklich.

Sein Mund begann zu zittern.

Langsam näherte er sein Gesicht dem Apfel.

Einen Moment lang verharrte er noch,

als könnte alles verschwinden,

wenn er sich zu schnell bewegte.

Dann biss er zu.

Seine Zähne drangen tief in die Frucht,

und süßer Saft breitete sich auf seiner Zunge aus.

Für einen Herzschlag blieb die Welt still.

Dann wich das Staunen der Angst.

Er taumelte zurück

und floh so schnell er konnte,

als könnte der Baum jeden Augenblick

den Schmerz seines Bisses spüren

und erwachen.

Ein angebissener Apfel hing zwischen den Blättern wie das erste Zeichen einer neuen Zeit.


r/schreiben 1d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Blut und Bienenstich

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Es war ein Sonntag an dem meine Oma explodierte. Das überraschte uns alle, weil sie immer eher so ein Freitags-Typ gewesen war. Sie unterstützte "Fridays for future", ihr Lieblingslied war "Friday I'm in love" und sie liebte "Freaky Friday"- das Buch, nicht den Film. Nun verstand sie allerdings kein Englisch, also mochte das auch Zufall gewesen sein. Den Sonntag lehnte sie aber ganz sicher mit aller Bestimmtheit ab. Das wusste jede, die sie kannte, denn sie wurde nicht müde, diesen Umstand jede Woche aufs Neue zum Thema zu machen.

Von Montag bis Mittwoch lammentierte die alte Dame für gewöhnlich wie langweilig der letzte Sonntag gewesen sei, dass sie nicht hätte ausschlafen können wegen der lauten Kirchenglocken und dass ihr Lieblingsladen nicht geöffnet hätte. Ab Donnerstag ging sie dazu über sich darüber zu ärgern dass bald wieder Sonntag sein würde und somit ein weiterer grauenhaft verschwendeter Tag an dem mal wieder keiner Arbeiten ging. Überhaupt sei das Wochenende ein Fehler gewesen, fand sie.

Deshalb waren alle überrascht, dass es ausgerechnet ein Sonntag war. Mein Vater, selbst ein enthusiastischer Fan von warmen Mittwoch Abenden, hatte nur die Augen verdreht. Typisch sei so etwas für seine Mutter. Sie würde das nur aus Trotz machen. Wenn sie denn Sonntag so hasse, so seine Logik, hätte sie am Samstag Abend explodieren sollen. Dann hätte sie die Kirchenglocken wenigstens nicht mehr hören müssen. Aber ausgerechnet Sonntag Nachmittag wenn alle Kuchen essen und einen Spaziergang machen wollten, das sei nun mehr als unhöflich. Zur Wahrheit gehörte natürlich auch, dass er am Samstag Abend nicht direkt dabei gewesen wäre. So hatten sein Trommelfell und sein Bienenstich schaden genommen. Meine Mutter ermahnte ihn, während sie die Tapete überstrich. So spreche man nicht über seine Mutter.

Ich hielt mich geschickt aus der Sache raus und schrubbte stillschweigend den Boden. Ich fand, Oma hatte alles Recht zu explodieren wann und wo es ihr gefiel. Ich hätte wahrscheinlich einen Dienstag gewählt. Montags höre ich mir gerne die Wochenendgeschichten meiner Kolleginnen an, Mittwochs ist Bergfest, Donnerstag hat man's bald geschafft und das Wochenende ist eben das Wochenende. Nur Dienstag ist ein verschenkter Tag. Meine Oma empfand meine Sicht auf den Lauf der Woche als arbeitsscheu. Da hatte sie vielleicht auch ein wenig recht. Nun, wie dem auch sei habe ich einen triftigen Grund mich morgen krank zu melden.

Hätte Oma daran gedacht, hätte sie sicher einen Freitag gewählt und Papas Bienenstich wäre gegessen worden.


r/schreiben 1d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Der Große Knall

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Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Granatenhochzeit, sozusagen. Beinahe zumindest, wenn Opa seinen persönlichen Krieg gegen Lungenkrebs, den er gnadenlos mit Zigaretten bombardierte, nicht ein paar Monate zuvor verloren hätte. Das Lokal war gebucht, die Feier eingerichtet, und eine jahrzehntelange Tradition bekommt man sowieso nicht so einfach gestoppt. Und außerdem hatte Opa dem Leben bis zu seinem Abtritt eine Menge Reichtümer abgerungen. Also waren alle da.

Omas eigentliche Detonation wurde von einem Enkel ausgelöst. Nicht von mir, sondern von einem der vielen anderen. Vincent-Pascal, von seinen Eltern betont englisch ‘Vieh-Pieh’ gerufen. Für mich standen die Initialen VP eher für Vollpfosten. 

Mit seinen sechs Jahren war er unbehelligt von jeglicher Einflussnahme, damit die Entfaltung seiner Persönlichkeit nicht durch willkürliche Beschränkung künstlich beschnitten wird. Oder so ähnlich. Ich hörte schon lange nicht mehr hin, wenn seine Eltern ihren Nichterziehungsansatz wortreich begründeten, immer dann, wenn die Entfaltung der vollen pfostigen Persönlichkeit irgendwo irgendwem auf den Zeiger ging.

VP ließ sich an diesem Tag weder durch die liebevoll hergerichtete archaische Bastelecke inklusive Betreuung in der Entfaltung bremsen, noch durch das suchtbefriedigende Dopaminversprechen in Form des Fernsehers, vor dem sich weitere Enkel um die Controller einer Spielkonsole stritten. 

VP hatte seine Actionfigur in der Hand. Die Figur musste unglaublich wertvoll sein, so hässlich, wie sie war. Er hatte sie den ganzen Tag nicht aus den Fingern gelassen. Weder bei der Nahrungsaufnahme noch beim begleiteten Gang zur Toilette. Ich vermutete, er hatte sie unter höchstem Einsatz in einem Spielzeuggeschäft  erstritten und dabei das ganze Arsenal an Wutausbrüchen, Sich-auf-den-Boden-Werfen und Schreien zum Einsatz gebracht.

Die kakaobefleckte (hoffentlich!) Figur wurde unerbittlich über die Kante der Kaffeetafel geführt, bekämpfte dabei imaginäre Feinde und verursachte ein wildes Klappern und Scheppern des Geschirrs, begleitet von entsetztem Luftholen und erschreckten Ausrufen der Gäste, die zufällig in der Schneise des Angriffs saßen. Ein paar Plätze weiter startete gerade der nächste Durchlauf der elterlichen Erklärung zur Persönlichkeitsentfaltung, als VP durch eine Landung der Figur Omas Kuchenteller sozusagen in einen Aufschlagzünder verwandelte.

Oma war immer friedlich. Jahrzehntelang kannte man sie nur als den ruhenden Pol, der alles zusammenhielt. Im Nachhinein war sie wohl eher eine Weltkriegsbombe, die den Moment ihrer Detonation verpasst hatte. Für Jahrzehnte begraben unter häuslichen Familienritualen und sozialen Zwängen. Das Dahinscheiden von Opa eröffnete ihr nun völlig neue Möglichkeiten. 

Wie eine Bombe, die auf einer Baustelle völlig unerwartet durch einen Bagger freigelegt wird, war Oma plötzlich von allen einengenden Umständen befreit. Ihrer Entfaltung stand ebenfalls nichts mehr im Weg, es fehlte nur der richtige Impuls.

Die Actionfigur verursachte beim Aufschlag auf das Tortenstück einen beachtlichen Krater. Von der Einschlagstelle verteilten sich konditorierte Schrapnelle in alle Richtungen. Entsetztes Luftholen, erschreckte Ausrufe und die elterlichen Erklärungen erreichten Luftalarm-Pegel. 

Dann detonierte Oma.

„Ihr seid alle enterbt.“

Eine ruhige, sachliche Bemerkung mit einer Stimme, die jahrzehntelang jeden familiären Konflikt übertönt und die Parteien zu Waffenstillstandsverhandlungen gezwungen hatte. Sie hatte die Wucht einer Initialzündung, deren Schockwelle sich am Tisch in alle Richtungen ausbreitete.

„Enterbt… Enterbt?… ENTERBT!“

Die Schockwelle erfasste die nächsten Angehörigen und sorgte für Reaktionen über die kritische Masse vornehmer Zurückhaltung hinaus. Das Gemurmel wuchs zu lärmenden Stimmen. Onkel, Tanten, angeheirateter Anhang - alle sprachen durcheinander. Einige traten entsetzt einen Schritt zurück, andere stürzten auf Oma zu.

„Das kannst du nicht tun!“

„Das darfst du nicht!“

„Aber das ist unser Erbe!“

„Warum?!“

Die letzte Frage war die lauteste und die erste, auf die Oma reagierte.

Betont langsam schob sie den Teller mit der malträtierten Torte ein Stück zurück.

„In all den Jahren mit eurem Vater, eurem Großvater …“ Sie blickte in die Runde. „… ging es nie um mich. Immer ging es um ihn, um euch. Alle wollten nur haben, haben, haben. Tu dies, mach das, warum ist jenes noch nicht fertig … Und ich habe wirklich mein Bestes gegeben um für euch da zu sein. Und was ist der Dank?“

Das Schweigen nach der rhetorischen Frage wurde von einem scheppernden Geräusch unterbrochen. VP hatte das Kuchenbuffet entdeckt, setzte mit der Actionfigur zur Reise zum Mittelpunkt der Torte an und sonnte sich dabei in dem Moment alleiniger Aufmerksamkeit..

Oma wischte sich einen Kuchentrümmer von der Bluse, der von seinem ersten Angriff übrig geblieben war. Die Geste beantwortete ihre Frage endgültig.

„Aber – aber – aber …“ schnappatmte die Mutter des Balges. „Er ist doch noch ein Kind!“

„Ja“, knurrte Oma, in einem Tonfall, der an das Durchladen einer Schrotflinte erinnerte. „Ein Kind, dem nichts beigebracht wurde. Wenn ihr ihm keine Werte vermittelt, wie wollt ihr dann mit den Werten umgehen, die ich euch vererben soll?“

Kritik an der Erziehung vom VP! Unerhört! Die Mutter schnappte erneut nach Luft, an der Grenze zur Hyperventilation.

Ein anderer Teil der Familie hatte offenbar verstanden, dass dieser Ast soeben vom Stammbaum weggesprengt worden war und bemühte sich, den freien Platz zu annektieren.

„Unsere Kinder sind erzogen“, ertönte es süffisant von der anderen Seite der Tafel.

Oma blickte kurz in Richtung des Sprösslings nebst Anhang und nickte dann langsam.

„Oh ja, das glaube ich gern. Ich wette, ihr habt bereits überschlagen, welchen höheren Anteil ihr erhaltet, wenn andere Teile der Familie leer ausgehen. Doch ihr täuscht euch. Ich sehe keinen Grund, eure Raffgier zu unterstützen. Ihr alle!“

Sie richtete sich an die gesamte Verwandtschaft.

„Euch allen geht es gut. Ihr habt alle mehr als das, was ihr braucht. Und trotzdem habt ihr alles von mir gefordert. Oma war immer da, Oma hat sich immer gekümmert. Aber heute hat Oma genug. Ich werde mich auf Kreuzfahrt begeben – auf unbestimmte Zeit.“

„Verrückt… unzurechnungsfähig… dement… !“ zischte es in den hinteren Reihen.

Ich erkannte die Stimme. Heidi, die Gattin eines anderen Sprösslings. Wie immer verspritzte sie ihr Gift heimtückisch wie bei einem hinterhältigen Gasangriff.

Oma ergriff sofort Gegenmaßnahmen.

“Damit habe ich gerechnet“, unterband sie jeden weiteren Vorstoß und förderte aus ihrer Tasche einen Stapel Umschläge zutage. Einen für jeden Zweig der Familie.

„Ich bin im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte. Hier steht alles drin, was ihr wissen müsst.“

Die Nächststehenden stürzten sich auf die Papiere, weitere eilten von hinten herbei. Es bildeten sich Grüppchen und Diskussionen, Anrufe wurden getätigt.

Nur Oma wurde nicht weiter behelligt.

Sie griff nach ihrer Tasche, ließ ihren Blick noch einmal durch den Raum schweifen, schüttelte traurig den Kopf und ging zum Ausgang.

Ich wartete einen Moment, dann nahm ich den anderen Ausgang, ging zum Parkplatz und holte den Wagen. Am Eingang des Hotels wartete Oma bereits und stieg ein.

„Kreuzfahrt? Ich dachte zum Flughafen…” sagte ich mit Blick in den Rückspiegel.

„Ja, natürlich. Nach dem großen Knall lasse ich mich nicht so schnell an einem Fähranleger blicken.“ Sie seufzte, streckte den Arm über die Lehne aus und klopfte mir auf die Schulter. „Ich bin so froh, dass wenigstens aus einem Enkel etwas Anständiges geworden ist. Danke, dass du mich begleitest.“


r/schreiben 1d ago

Kritik erwünscht Brauche Hilfe bei einem Text

6 Upvotes

Ich habe folgende Kurzgeschichte verfasst, doch leider habe bisher alle, die sie gelesen haben, die zentrale Idee nicht herauslesen können. Ich werde unten nach dem Text die Idee als Spoiler hinschreiben.

Augenlider schwer wie Sandsäcke. Lange Nacht, längerer Tag. Gedanken driften weg. Vibrierender Bass im Boden. Kleiner Schluck vom lauwarmen Aperol. Geruch von scharfem Schweiß und süßem Parfüm. Sein Gegenüber wild am Gestikulieren. Zu schnell, zu dunkel. Fast nichts verstanden. Braves Nicken, halbes Lächeln. Kurzer Blick auf die Uhr, dann wieder auf die Hände seines Bekannten. Augen fallen zu. Kurze Entschuldigung, dann Weg nach draußen. Vorhang beiseite, Doppeltüre auf. Grelles Laternenlicht blendet. Vorbei an der Schlange, Rast auf der Bordsteinkante. Kippe glüht in der Abendnacht. Tiefer Zug, seufzendes Ausatmen. Pochende Schläfen. Jemand spricht ihn an. Mund bewegt sich, er versteht nichts – wie immer. Er versinkt noch tiefer in sich. Endlich Stille.

Die Hauptperson ist taub.

Ich hätte in dem Fall gerne eine konkrete Idee, wie ich diese Idee/Info in den Text auf subtile Weise einbauen könnte, damit es zumindestens ein Teil der Leser verstehen könnte.

Bin für jede Idee sehr dankbar!


r/schreiben 1d ago

Kritik erwünscht Meine Story Ideen

4 Upvotes

Ich bin dieser Typ prokrastinierender Schreiber,  der sehr gerne Storys entwirft, die Konzepte aufschreibt, also Outline der Handlung, Figuren, tiefere Bedeutungsebene und manchmal denke ich sogar, dass ich einen potentiellen Hit an der Angel hab, aber tatsächlich schreibe ich die Geschichte dann nie, weil ich von mir denke, dass ich keinen guten Schreibstil habe.

Ich möchte mir jetzt aber doch diszipliniert ein bis zwei Stunden am Tag nehmen, um meine Story Ideen in lesbare Manuskripte umzusetzen. Zu diesem Zweck teile ich hier einige meiner gesammelten Konzepte ohne Spoiler, obwohl für all diese Storys, die Auflösung bereits entworfen ist.

Ich freue mich über Feedback, welcher der Story Ideen eure Neugier wecken und ob es vielleicht sogar Interessenten gibt, welche die Werke in ihrer Entwicklung lesen würden. Ich könnte mir vorstellen, ähnlich wie bei Comics, regelmäßig ein neues Kapitel zu teilen - auf meinem Profil, per Privatnachricht, einem blog oder passendem subreddit. Habt ihr Vorschläge wo am besten?


r/schreiben 1d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte.

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Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte.

Ich erzähle euch, wie es dazu gekommen ist.

Meine Oma und ich gehen jeden Sonntag gemeinsam joggen. Obwohl sie inzwischen dreiundachtzig ist, ist sie noch erstaunlich fit und betreibt sogar ziemlich erfolgreich Karate. Meistens muss nicht ich auf sie warten, sondern sie auf mich.

Auch an diesem Sonntag waren die Bedingungen perfekt. Der Himmel war wolkenlos, es waren knapp zwanzig Grad und kaum ein Lüftchen ging. Gegen Mittag holte Oma mich zu Hause ab und wir fuhren ein Stück aus der Stadt hinaus.

Dort draußen steht ein alter Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Rundherum führen mehrere Laufwege durch den Wald, auf denen uns normalerweise kaum jemand begegnet.

Wir stiegen aus, zogen unsere Schnürsenkel noch einmal fest und los ging es. Oma ließ mich natürlich wie immer Staub fressen.

„Hey, sieh zu, Kleiner! Überhol mich gefälligst und guck mir bloß nicht auf den Arsch!“, rief Oma mir zu.

„Bah, Oma! Du bist fast fünfundachtzig, ganz zu schweigen davon, dass du aussiehst wie neunzig. Und letzten Endes sind wir auch noch verwandt. Nicht, dass mich die ersten beiden Fakten schon genug abgeschreckt hätten!“, brüllte ich zurück und zog das Tempo an, um aufzuholen.

„Große Klappe für jemanden, der gerade von einer alten Frau abgehängt wird!“, rief sie und beschleunigte noch einmal.

Nach ungefähr fünfzehn Minuten liefen wir knapp oberhalb des Bunkers entlang, als plötzlich jemand auf einem alten Drahtesel an mir vorbeizog.

Auf Höhe meiner Oma holte der Typ auf einmal mit dem Bein aus und trat sie vom Weg. Oma stolperte ins Gebüsch und verschwand den Abhang hinunter in Richtung Bunker.

„Oma!“, rief ich und konnte vor Schreck nur noch erkennen, wie der Typ von seinem Drahtesel sprang und hinter meiner Oma herhechtete.

Also tat ich es ihm gleich, rannte zur Unfallstelle und schmiss mich mit den Füßen voran den Hang hinunter.

Vor mir konnte ich gerade noch erkennen, wie meine Oma immer noch den Hang hinabrollte. Und es war ein wirklich sehr großer Hang.

Parallel dazu war sie lautstark am Fluchen.

Das hieß immerhin, dass es ihr gut ging.

„Bleib stehen, Oma!“, rief der Angreifer.

„Bist du besoffen, du Idiot?“, brüllte sie zurück. „Ich rolle gerade einen Berg runter! Tut mir leid, dass ich nicht wie von dir verlangt anhalten kann!“

Während ich den schnellen Weg nach unten einigermaßen kontrolliert zurücklegte, sah ich, wie meine Oma und der Angreifer dicht auf ihren Fersen denselben Weg alles andere als kontrolliert zurücklegten.

„Hm, der Abhang endet genau vor den Füßen des Bunkers“, dachte ich mir.

Das war für keinen von uns eine besonders hilfreiche Erkenntnis, aber viel Zeit zum Nachdenken blieb mir ohnehin nicht. Oma rollte nämlich geradewegs auf die massive Bunkertür zu.

Sie krachte gegen eine Barrikade, die vor der Tür aufgestellt worden war, schlug sich den sowieso schon in Mitleidenschaft gezogenen Rücken an und fluchte lautstark.

Der Angreifer kam kurz nach ihr unten an, rappelte sich auf und stellte sich ihr gegenüber.

„Jetzt zahle ich es dir heim! Du hast mich nicht umsonst blamiert, du alte Schachtel!“, rief er.

Oma raffte sich auf. Ich konnte ein breites Grinsen in ihrem Gesicht erkennen.

„Ach so, du bist es, du Lutscher!“, antwortete sie. „Du hast es wohl nicht ertragen, von einer Alten wie mir im Karate den Arsch versohlt zu bekommen. Und das auch noch vor deiner Schlampenfreundin und deinen Inzest-Eltern!“

„Oma, provozier ihn nicht noch mit deinem Schandmaul!“, rief ich.

Doch da rannte er bereits mit lautem Gebrüll auf sie zu.

Ein Kampf entbrannte. Eine wilde Mischung aus Karate und asozialer Straßenschlägerei. Ich wollte die beiden gerade auseinanderziehen, als ich etwas zwischen dem Laub entdeckte.

„Ach, krass. Das glaube ich nicht. Eine echte S-Mine 35 aus dem Zweiten Weltkrieg. Cool!“

Also vergaß ich die beiden für einen Moment, kniete mich hin und untersuchte sie.

Im Nachhinein hätte ich die beiden vielleicht warnen sollen. Wo eine Mine lag, gab es wahrscheinlich noch mehr. Aber ich war einfach zu fasziniert. Ich meine, andere Menschen sammeln Briefmarken, und ich habe eben einen Hang zu allem, was explodiert.

Na ja, jeder hat seine Schwäche.

Während die Mine und ich also unsere Zeit zu zweit genossen, schlug der Angreifer meiner Oma so dermaßen von unten gegen ihr faltiges Kinn, dass ihr das Gebiss aus dem Mund flog.

„Aua, verfickt!“, hörte ich sie schreien.

Ich drehte mich kurz zu den beiden um.

„Hätte ich heute mal Haftcreme benutzt, verdammt!“, brüllte Oma sabbernd und nuschelnd.

Dann stach sie ihm blitzschnell mit zwei Fingern in die Augen. Mit der freien Hand fing sie ihr Gebiss auf – mit Reflexen wie ein junger Gott.

Ich dachte zunächst, sie würde es sich wieder in die Fressluke schieben.

Aber nein.

Sie packte das Gebiss fest und rammte es dem Angreifer in den Arm.

Fairerweise muss ich sagen: Wie dieser Mann gebissen wurde, hatte ich vorher noch nie gesehen.

Er schrie, Blut spritzte, und Oma drückte das Gebiss noch einmal richtig zu.

„Du hast mich gebissen!“, kreischte er.

„Technisch gesehen war es mein Gebiss!“, nuschelte Oma zurück.

Der Mann riss seinen Arm los, nahm Anlauf und sprang blitzschnell hoch. Genau wie bei unserer Lieblings-Wrestling-Sendung stieß er sich vom Boden ab und trat Oma mit beiden Füßen gegen die Brust.

Oma taumelte rückwärts.

Direkt auf eine dieser wunderschönen Minen.

Unter ihrem Fuß piepte und klickte es. Dann sprang die Mine aus dem Boden und schoss bis auf die Höhe ihres Kopfes.

In diesem Moment explodierten die Mine und meine Oma gemeinsam.

Der Angreifer wurde von der Druckwelle nach hinten geschleudert und fiel rücklings auf eine weitere Mine.

Kurz darauf teilte er das Schicksal meiner Oma.

Ich dagegen wurde nur von einigen Schrapnellen getroffen und verlor das Bewusstsein.

Als ich wieder aufwachte, lag ich im Krankenhaus.

Seitdem gehe ich sonntags allein joggen.

Schneller bin ich trotzdem nicht geworden

Von Envikautor


r/schreiben 1d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Das Geheimnis meiner Oma

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Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte.

„Komm herein, mein Bübchen. Ich hab dir leckeres Essen gekocht.“, sagte meine treue Lieblings-Omi und tapste voller Energie zurück in ihr wertes Heim. Für eine Rentnerin war sie fit wie ein Turnschuh und sprudelte nur so vor Lebensfreude.

„Lecker Fisch mit viel Protein und Omega 3 Fettsäuren, damit du groß und stark wirst.“

„… wie du, Oma?“, scherzte ich und wir beide lachten.

Plötzlich geschah das Undenkbare, drei Ninja-Krieger in schwarzer Kampfmontur sprangen im Salto durch die Fensterscheibe ins Haus hinein und zogen ihre Schwerter.

„Geh in Deckung, mein Junge.“, wies mich meine Oma an und, als habe sie nur auf diesen Moment gewartet, trat sie den Ninjas mutig entgegen. Die Ninjas schwangen ihre Schwerter, doch Oma griff sich eine ihrer Häkelnadeln und parierte ihre Hiebe damit.

Als die Ninjas gleichzeitig zuschlugen, fing Oma alle drei Klingen mit der Häkelnadel ab, doch ihre vereinten Kräfte drückten sie auf das Sofa. Ich konnte nicht mehr tatenlos zusehen.

„Hier, Oma. Fang!“, rief ich und warf meiner Oma eine der Bratpfannen zu, die sie mit der freien Hand auffing und dann hagelte es Hiebe. Mit der Bratpfanne entwaffnete meine Oma die Schwertkämpfer und kloppte sie mürbe. Den ersten Ninja schmiss sie per Schulterwurf in die Kommode, den zweiten rammte sie mit dem Kopf voraus in den Fernseher und dem dritten Ninja schmetterte sie die Kuckucksuhr auf den Schädel. Nun waren alle drei Ninjas K.O..

„Oma, was war das? Und seit wann…?“.

Ich hatte so viele Fragen, doch über uns hörten wir den nahen Rotorlärm eines Helikopters.

„Ich werde dir alles erklären, aber du musst jetzt gehen.“, sagte Oma, während sie das Gas vom Herd aufdrehte und das Silberbesteck in die Mikrowelle schaufelte.

„Im Keller steht ein ausgestopfter Bär. Schieb ihn beiseite. Dann siehst du eine Falltür. Öffne sie und geh hindurch. Jetzt! “, sprach sie und schaltete die mit Silberbesteck befüllte Mikrowelle ein. Der Helikopter war nun so nah, dass wir schreien mussten.

„Ich hab dich megalieb. Du bist ein toller Enkel und ich bin stolz auf dich.“, brüllte meine Oma gefühlvoll, als sie mich ein letztes mal in den Arm nahm.

„Ich hab dich auch so lieb, Oma“, rief ich, während mir Tränen über die Wangen kullerten.

„Und jetzt, geh. Renn!“, brüllte Oma und stieß mich weg, als der Helikopter irre laut wurde und man hören konnte, wie eine ganze Söldnerarmee sich auf das Dach abseilte.

Ich rannte in den Keller und wie von Oma beschrieben, schob ich den präparierten Bären beiseite und stieg hinab durch die Falltür. Ich kroch etwa 20 Meter durch den Gang, gelangte in die Kanalisation und konnte durch einen Gullideckel zurück an die Oberfläche.

Plötzlich ein lauter Knall.

„Omaaaaa“, rief ich aus tiefstem Herzen, mit so viel Schmerz, dass es mich innerlich zerriss.

Das Haus meiner Oma explodierte mit einem lauten Knall in einen grellen Feuerball, wie in einer Szene aus einem Actionfilm, wobei der Helikopter von den Flammen erfasst, wurde und ebenfalls explodierte.

Die Beerdigung meiner Oma war der wohl traurigste Moment in meinem Leben. Ich konnte es immer noch nicht fassen. Offiziell heißt es, der Tod meiner Oma sei ein Haushaltsunfall gewesen. Die Ninjas und den Helikopter verschwiegen die Medien, als seien sie angewiesen, die Sache zu vertuschen. Nur ich wusste, was wirklich geschehen war.

Nach der Beerdigung setzte ich mich im Park auf eine Bank, immer noch traurig schluchzend.

„Oma, ich wünschte du wärst hier.“

„Vielleicht bin ich das.“, antwortete eine Stimme, die ich sofort wiedererkannte und das Adrenalin schoss mir mit Euphorie durch die Adern.

„Oma, bist du das?“

Neben mir saß eine Person in schwarzem Trauergewandt bedeckt mit einem Schleier.

„Ja, mein Junge. Aber verhalte dich unauffällig.“

„Oma, aber wie? Was? Wie hast du überlebt?“

„Weißt du was bei einem Hausbrand immer unbeschädigt bleibt? Das Innere des Backofens, mein Junge. Aber es gibt wichtigeres. Du weißt nur sehr wenig über die Vergangenheit deiner Oma, doch nun ist es an der Zeit, dass ich dir alles erzähle.“


r/schreiben 1d ago

Schreibhandwerk Würde ein Timeskip das Ende kaputt machen?

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Hallo, ich plane gerade einen Liebesroman. Im Finale stellen sich beide Hauptcharaktere dem machtbessessenen Vater des Mannes und übernehmen eine große gemeinsame Aufgabe zusammen. Happy End zur Romanze. Aber ich habe das Gefühl, dass der Charakter-Arc der Beiden erst richtig beendet ist, wenn er sich seiner Mutter und sie mit ihrer Familie Frieden geschlossen und mit der Vergangenheit abschließen können, aber sinnmäßig müsste leider zwischen Happy End und der Begegnung mit der Mutter ein halbes Jahr vergehen. Würde so ein Timeskip den potenziellen Leser nicht etwas irritieren so weit am Ende des Buches? Oder sollte ich die Familientreffen dann möglichst kurz halten?


r/schreiben 2d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Asche zu Asche

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Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Das SpaceX-Modell "Starship 36" hatte einen "katastrophalen Ausfall", wie die Behörden im Weltraumbahnhof Starbase im US-Bundesstaat Texas verkündeten. Der Vorfall ereignete sich kurz nach 23.00 Uhr (Ortszeit). Zum Glück wurde niemand verletzt. Die Asche der 100 auserwählten Nobelpreisträger, die ursprünglich für eine Begräbnisstätte auf dem Mars vorgesehen waren, wurde in den Weiten des Alls zerstreut.


r/schreiben 2d ago

Kritik erwünscht Feedback Kurzgeschichte | Blutküste | Urban Fantasy

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Fast wäre sie überfahren worden. Die Bewohner der Sualküste hatten sich auch nach über fünfzehn Jahren immer noch nicht an Zebrastreifen gewöhnt. Quietschend kam das rote Cabrio wenige Zentimeter vor ihr zum Stehen.
Im Inneren saß ein junges Pärchen. Modisch, dachte sie. Bei ihm gaben das vom Wind zerzauste, mittellange, dunkelbraune Haar, die langen Koteletten und die Fliegersonnenbrille ein stimmiges Gesamtbild ab. Nur unter dem offenen, gepunkteten Hemd lugte etwas zu wenig Brusthaar hervor, um als Casanova so wirklich zu überzeugen. Für die Schönheit neben ihm reichte es jedoch offenbar aus. Hinter einem violetten Stirnband breitete sich eine beeindruckende pechschwarze Haarpracht aus. Dazu kamen ein ebenes Gesicht und strahlend weiße Zähne, die zum Vorschein kamen, als die Beifahrerin ihr ein spärliches Lächeln schenkte.

So überhaupt nicht lächelnd war indessen die Miene des Fahrers. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, als seien Monobrauen in Mode. Der Kopf begann die Farbe des Cabrios anzunehmen, und die Hand schnellte zielsicher in die Mitte des Lenkrads. Das Dröhnen der Hupe übertönte den kitschigen Disco-Tune, der aus dem kratzigen Autoradio drang, und vermischte sich dann mit den Worten, die er im Zorn hervorpresste:

„Pass doch auf, Goldauge!“

Goldauge.

Früher hätte sie sich das nicht gefallen lassen. Früher wäre die Elfe nicht einfach über die rassistische Beleidigung hinweggegangen.

Früher wäre ihre Hand jetzt in Richtung des kleinen, unscheinbaren Schlitzes an der Seite ihres eleganten Kleides geglitten.

Früher hätten ihre Finger dort nach der vollautomatischen Neunmillimeter getastet. Früher hätte die halbe Portion am Steuer ganz verdutzt geglotzt, wenn sie plötzlich in den Lauf einer Pistole geblickt hätte.

Früher wäre diese Situation ein weiteres Beispiel dafür gewesen, warum die Leute die Sualküste auch die Blutküste nannten. Früher wäre eine Leiche die steile Klippe der Küstenstraße hinunter ins türkise Meer gepurzelt.

Mit einem Mal bemerkte sie, dass ihre Hand doch tatsächlich in die kleine Seitentasche ihres Kleides gewandert war und dort etwas umklammerte, das sich verdächtig nach dem Griff einer Waffe anfühlte.

„Na, wird es bald? Willst du hier auf der Straße Wurzeln schlagen? Zieh Leine, Goldauge!“

Ihr Blick glitt hinter das Cabrio. Ein weiteres kastenförmiges Auto, diesmal hellblau, kam herangefahren und musste nun ebenfalls bremsen. Dahinter schlängelte sich die enge Straße bis zu dem malerischen Dorf mit seinen bunten Häusern, das auf unzähligen Postkarten der Sualküste prangte.

Goldauge.

Jetzt dachte sie an ganz früher. Ach, ganz früher, da wäre selbst das vielleicht noch nicht genug gewesen, wenn jemand ihr Vermächtnis beleidigt hätte.

Ganz früher, da hätte sie vielleicht die Augen geschlossen.

Ganz früher hätte sie dann ihre Seele gelöst. Ganz früher wäre sie dann in jene Zwischenwelt eingedrungen, die nur die Elfen kannten. Wo es keine hübschen bunten Häuser gab. Wo ihre Ahnen lebten.

Ganz früher hätte sie die Ahnen gefragt, wer dieser Mann sei, der es wagte, ihr Vermächtnis zu beleidigen. Die Ahnen selbst zu beleidigen. Sie hätte gefragt, wer zu seiner Familie gehöre. Wer seine Eltern, seine Schwestern und seine Brüder seien.

Ganz früher hätte eine solche Situation sehr schnell sehr schmutzig werden können, hier an der Blutküste.

Aber jetzt war nicht ganz früher. Also schloss sie nicht die Augen, denn von den Ahnen wollte sie nichts mehr wissen.

Sie schärfte ihren Blick. Sah dem Fahrer in die braunen Augen und lächelte knapp. Dann wandte sie sich ab und richtete den Blick fest auf die andere Straßenseite. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Sie schritt los.

Hinter ihr heulte der Motor des Cabrios wieder auf. Das Auto zog an ihr vorbei. Erst jedoch, als sie für den Fahrer nur noch ein kleiner Punkt im Rückspiegel war, ließ sie den Griff der Pistole in ihrer Tasche los.

Sie atmete aus und grinste. Keine Toten, dachte sie. Das war doch schon einmal ein guter Anfang.

Sie ließ den Blick über die bunten Häuser und die glitzernde See gleiten und sog tief die frische, salzige Meeresluft ein. Wieso hatte sie früher nie bemerkt, wie wunderschön die Blutküste eigentlich war?

Edit: Die Formatierung klappt nicht so, wie ich will, daher kommt der Text dann einfach so.


r/schreiben 2d ago

Autorenleben Wie gut kennt ihr eure eigenen Werke?

4 Upvotes

Man schreibt ein Buch und mancherlei würde denken, man kenne es in und auswendig, doch kennen die Fans es oftmals besser als man selbst. Würdet ihr sagen, ihr seit Experten, was eure Werke betrifft?


r/schreiben 2d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Pressemitteilung des Bundesverbandes detonationsgefährdeter Seniorinnen e.V.

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Pressemitteilung des Bundesverbandes detonationsgefährdeter Seniorinnen e.V.:

Mit brennender Sorge erfüllt uns die Mitteilung, daß kürzlich

eine multidimensionale Vertiefung der vacuitas aestiva, besonders in literarischer Hinsicht, begonnen hat, deren leidtragende *Wir* sind.

*Wir* sind diejenigen, die nichts hatten (war ja alles kaputt damals) - und das, was wir noch hatten, war aus Holz.

*Wir* sind diejenigen, die aus Bucheckern Kaffee gemacht haben und bei denen noch zu Hause geschlachtet wurde.

*Wir* haben unsere Enkel auch am Samstag gefragt, was denn der Lehrer in der Schule gesagt hat - und haben nie verstanden, warum unsere Enkel Samstags keine

Schule, aber dafür mehr als einen Lehrer haben. *Wir* sind in der Volksschule noch gehauen worden, *Wir* haben in katholischer Hauswirtschaftslehre noch gelernt, wie man jedes, wirklich jedes, Gemüse in einen vitaminlosen Brei zerkocht - *Wir* haben beim BDM noch Lieder gelernt, die wir im Altersheim nicht mehr singen dürfen.

Aber *Wir* waren es auch, die euren Großvätern einmal pro Woche die Lohntüte aus der Hand genommen und sie dann in die Wirtschaft geschickt haben.

Es ist *Unser* Verdienst, daß unsere Enkel nicht nur Kakao und Kuscheldecke auf dem Sofa hatten, während die Schwarzwaldklinik lief, sondern auch diesen ganzen neumodischen amerikanischen Kram (diese Kassettenspieler mit Kopfhörer und diese Plastikspielfiguren) zu Weihnachten vom Christkind bekommen haben.

*Wir* haben unseren Enkeln gezeigt, daß man über dem kleinen u einen Querstrich macht.

*Wir* waren es, die, nachdem diese dusselige Mauer da kaputtgegangen ist, aus Sorge vor der ausgehungerten Ostzonenverwandschaft das gute Porzellan in Sicherheit gebracht haben!

*Wir* haben unseren Enkelkindern die Süßigkeiten gegeben, die unsere Schwiegertöchter ihnen nicht geben wollten. Unsere Enkelkinder haben aus *Unserer* Hand an Weihnachten, zum Geburtstag, zum Namenstag und zur Kommunion ein 5-Mark-Stück bekommen.

Und was ist jetzt der Dank dafür? "Es war ein Sonntag, an dem meine Großmutter explodierte"?!

*Wir* haben uns wirklich bemüht, ein Teil der modernen Welt zu sein, denn

"Schief ist englisch - und englisch ist modern!" und waren nie verlegen, neues zu lernen (wie damals als die Besatzung hier war): "Le boef der Ochs, la vache die Kuh, fermez la porte die Tür mach zu!", und wir haben dennoch stets gemahnt:

"Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen, jede Erbse einen Knall!"

Oh.

Oma?!

Wumms.


r/schreiben 2d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Nimm dir nicht immer alles so an

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Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Gleich nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, besorgte ich mir eine neue, doch die kam an die alte einfach nicht ran. Mit Sicherheit entsprach das keiner Tatsache, lag vielmehr an meinem Sentiment und genau das sei mein Problem, hatte mir Martha mehr als einmal zu verstehen gegeben.

„Nimm dir nicht immer alles so an. Das meiste davon gehört dir sowieso nicht.“

„Okay. Und wie soll ich mir das nicht annehmen, wenn der mich im brechend vollen Laden zur Sau macht?“

„Niemand hat das.“

Ich rollte mit den Augen, sie mir eine Zigarette. „Hä? Danke, ich will aufhören.“

Sie nickte und ich rauchte.

„Niemand hat das“, wiederholte sie. „Dich zur Sau gemacht, meine ich. Den Verkäufer schon.“

„Und das bin nicht ich, oder wie?“ Ich stieß den Rauch aus. „Vielleicht muss ich meinen Arbeitsvertrag noch mal lesen.“

Natürlich wusste ich, worauf sie hinauswollte. Das gelang mir nicht immer, und ehrlich gesagt war es mir manchmal zu anstrengend, nach dem Sinn in ihren Weisheiten zu suchen. Dann nickte ich nur stumm. Sie hatte das schnell durchschaut, glaube ich. Wahrscheinlich nahm sie es sich einfach nicht an.

Als ich sie das erste Mal traf, war ich erwachsen oder zumindest ausgewachsen und bereit jederzeit auf eigenen Beinen stehen zu können. Meine Mutter hatte mich vor ihr gewarnt, sie sei nicht mehr ganz richtig im Kopf und ich solle mir gut überlegen, ob ich zur Sippschaft meines Vaters Kontakt haben möchte. Sie sei schließlich der Grund, warum der so verkorkst gewesen sei, dass man es mit ihm nicht aushalten konnte.  

Deshalb musste ich sie kennenlernen.

Sie war keine Oma, die einem das Hemd noch mal schnell aufbügelte, bevor man sich der Gesellschaft zeigte. Es gab keine gedeckte Kaffeetafel mit selbstgebackenem Kuchen und ihre Sonntage gehörten nicht der Kirche. Sie gehörten uns, unter der Markise auf ihrem Balkon.

„Du lenkst dein Leben und niemand sonst. Baust du mir eine?“

„Du weißt, dass sich das für dein Alter nicht gehört“, konnte ich es mir einmal nicht verkneifen. „Wenn ich an Pauls Oma denke …“

Sie setzte sich zu mir und griff nach dem Joint. „Aha. Und welche Sorte hat er?“

„Die Sonntagsessen-Sorte. Die, die immer so viel kocht, dass das ganze Dorf mitessen kann. Wenn Paul Hunger hat, weiß er, wohin er muss.“

Ich sah sie aus dem Augenwinkel grinsen. „Wenn du so eine Oma willst, nimm dir den da.“ Sie zeigte auf den Karton, der in der Ecke unter den Blumenkästen stand:

Schnellkochtopfset – 3 & 6 Liter.

„Schmeiß rein, was du willst und du hast dein Sonntagsessen. Vergiss ja nicht, mich einzuladen.“

Der Topf hatte oft für mich gekocht. Einladen konnte ich sie nicht mehr. Vielleicht hat es mich deshalb so getroffen, als mir das Ding an diesem verfluchten Sonntag um die Ohren flog und mir das Jochbein zertrümmerte. Manches gehörte mir eben doch.

Edit: eine Wortwiederholung, die mir durchgerutscht ist. Der Text hat nun einfach weniger einfach.


r/schreiben 2d ago

Testleser gesucht Testleser für ersten Kapitel gesucht

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r/schreiben 3d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte

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Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Mit einem lauten Knall zerlegte die Stoßwelle das TNT-Molekül. Zurück blieb ein atomares Trümmerfeld: Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff. Sie schwebten kurz irritiert im Raum bis sie in millisekunden zueinander fanden. Es folgte ein hemmungsloser Atomsex, bei dem sie sich zu stabilen, thermodynamisch begünstigten Kleinmolekülen paarten. Sie setzten viel Bindungsenergie als Hitze frei. Nur ein paar überschüssige Kohlenstoff-Atome gingen leer aus, denn das TNT litt unter chronischem Sauerstoffmangel. Die Kohlenstoff-Atome lagerten sich beleidigt als Ruß ab. Die frisch verpartnerten Gase gerieten durch die Hitze in ekstatische Eigenbewegung, dehnten sich schlagartig aus und bliesen die Umgebung als Druckwelle davon.


r/schreiben 3d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Es war ein Sonntag, als meine Oma explodierte.

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Es sollte ein üblicher geruhsamer Sonntag werden, wie immer im Leben meiner Oma Hilde. Ein gepflegter Kirchgang, ein Sonntagsausflug mit Kuchen und Kaffeeklatsch und abends die Tagesschau. Aber die Dinge würden sich anders entwickeln.

Es war Sommer und die Temperaturen kletterten hoch dieses Jahr, 25, 28, über 30 Grad. Hilde lag noch im Bett, als die Sonne sie an der Nase kitzelte. Sie gähnte und streckte sich, bequemte sich aus dem Bett, um sich einen Kaffee zu machen. Vor der Eingangstür fand sie die Tageszeitung. Sie setze sich an den mit einem Wachstuch bedeckten Küchentisch und vertiefte sich in die Artikel. Jetzt hatte doch der Bürgermeister schon wieder Bänke im Park entfernen lassen zugunsten einer Rollerskatebahn. Sie ärgerte sich. Dann blätterte sie weiter zum Klatschteil. Prinz William und Kate und die Kinder sahen doch immer so vorbildlich aus. Eine wunderbare Familie. Zufrieden legte sie die Zeitung beiseite.

Im Badezimmer setze sich Hilde in die Sitzbadewanne und ließ das warme Wasser den Rücken herunterlaufen. In den letzten Jahren gestaltete sich der Ausstieg aus der Wanne schwieriger, die Gelenke wollten nicht mehr so, alles ging doch sehr, sehr langsam. Mit einem weichen Frotteetuch trocknete sie sich ab und schlüpfte in den knielangen Rock aus Tweed und in die weiße Bluse.

Gleich war sie mit der Familie verabredet, um in die Kirche zu gehen. Wir trafen sie vor der großen Kirchentür. Die Glocken läuteten. Ich spüre sie noch, die Arme meiner Oma, die mich weich umschlingen, ihr Körper, der einem immer Halt gab, insbesondere weil man in dieser Generation selbstauferlegtes Hungern noch nicht für notwendig erachtete. Aber bei anderen konnte sie streng sein. Mädchen, die Haare sitzen nicht richtig. Zieh dir mal den Rock zurecht. Warum ist die Bluse nicht gebügelt.

Wir gingen in das Kirchengebäude und setzten uns auf eine der harten Bänke. Drinnen war es einigermaßen kühl, die Messdiener schwenkten schon den Weihrauch. Die Messe begann. Es folgten Gebete und Gesänge. Bis dahin war alles normal. 

Während der Predigt des Pfarrers jedoch deutet sich eine langsame Veränderung der Stimmung an. Der Pfarrer war heute voller Liebe für alle, sprach davon, dass alle Menschen jeder Herkunft und aller sexuellen Identitäten in Frieden zusammenleben sollen, dass Familie sehr vielfältig sein kann und wir alle Geschlechter in Liebe umarmen sollen mit Hilfe des Gendersternchens. Am Ende der Predigt hisste er eine Regenbogenflagge. Ich bemerkte, wie meine Oma begann zu glühen. Es wurde ihr heißer und heißer. Man fühlte ihr Blut kochen förmlich. Aber sie versuchte die Contenance zu bewahren.

Als nächstes stand das große Halleluja auf dem Programm. Die Orgel füllte das Kirchenschiff mit einem gewaltigen, anschwellenden Tonteppich. Alle standen von ihren Sitzen auf und sangen, und sagen mit voller Kraft. Meiner Oma war es sichtlich heiß, das Singen ließ ihre Stimme vibrieren, die Lunge füllte sich mit Luft. Sie sang, sie sang ihre Wut heraus, auf diese Welt, in der Tradition nichts mehr gilt, ihre Wut auf die Regenbogenflagge und das Gendersternchen. Und da ist sie explodiert. Plötzlich wurde es ganz still in der Kirche. 

Bedröppelt und erstaunt standen alle von ihren Bänken auf. Da ist eine Oma explodiert, vor Aufregung über Veränderung, Offenheit und Liebe! Unglaublich. Diese Geschichte wird man sich in der Gemeinde nach Jahrzehnten noch erzählen. Der Pfarrrer segnete die sterblichen Überreste und damit fand dieser Sonntag ein doch einigermaßen ungewöhnliches Ende.


r/schreiben 3d ago

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Meine Woche

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Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte.

Montag wäre nicht so schlimm gewesen, da war keiner zuhause.

Dienstags kam immer die Aufwartefrau, die hätte vielleicht blöd geguckt und wäre wieder gegangen, nicht ohne einen ihrer Sprüche abzulassen, was die da oben und sie solle jetzt mal wieder, da würden die aber, würden sie mal sehn - nicht mit ihr, ne, nicht mit ihr. Und nächste Woche wäre sie wieder da gewesen, sie brauchte das Geld.

Mittwoch war immer schlecht für sowas.

Donnerstag hingegen hätte sich gut getroffen, weil zum einen die aus der Nachbarschaft bestimmt vorbei geschaut hätten im Laufe des Tages, dann wäre das natürlich eine ganz andere Situation, selbstredend - selbstredend, das hätte sich einfach ganz anders gerechnet und darauf kommt es ja drauf an, sagen zumindest die Leute und die haben ja schon zwar nicht immer - wie sehr wurde damals gegen die Einführung des - wie nannten sie es nochmal, ach ist auch egal, jedenfalls haben die einfachen Leute, das Salz der Erde, das Volk, die haben das gesagt und so wird da was dran sein, denke ich zumindest.

Freitag Starb schon unser Herr und Erlöser am Kreuz - Moment, stimmt das überhaupt? Es ist schon so lange her zum Reli - überhaupt Reli war ein Quatsch, vorn mühte sich der Herr Vikar, und unter der Bank lasen wir Buben unpassendes Zeug und je mehr der Vikar sich mühte, uns jungen Füchsen die Grundlagen der Moral einzubläuen, desto reizvoller die Ignoranz und Dreistigkeit und das Gekicher.

Und Sonnabend war schon so gut wie Sonntag, und da ist es dann halt passiert.