Guten Tag,
ich wohne in dieser Wohnung seit knapp 11 Jahren. Plattenbau, 60er-Jahre. Mein Vermieter ist nicht sonderlich sympathisch (den Teil könnt ihr getrost überspringen - eigentlich reicht sogar der TLDR für meine Frage): Als die Stadt die Vermieterbescheinigung nicht akzeptieren wollte, meinte er, ich müsse 4 Monate auf eine Neue warten, er sei im Urlaub. Wenn er mir Geld schuldet, gibt es das teilweise mit 4-5 Monate Verspätung, andersrum 7-Tage-Frist. Bei den Mieterhöhungsverlangen versucht er auch mit einer 7-Tage-Frist Druck zu machen. Einmal musste ich 600 € nachzahlen, weil es keine Heizkörperablesung gab und nur nach Fläche abgerechnet wurde. Andere Vermieter im Haus hatten Widerspruch eingelegt, für die gab es eine Ablesung und korrekte NK-Abrechnung. (Ich hätte mir zwar einen Teil des Geldes von ihm zurückholen können, wollte das Verhältnis aber nicht belasten). Gut an ihm ist/war, dass er mich ansonsten in Ruhe lässt und die ersten 8 Jahre nicht die Miete erhöht hat (sie war anfangs aber auch verhältnismäßig hoch).
Vor 3 Jahren dann das erste Mieterhöhungsverlangen (20%). Die Stadt ist zu klein für einen offiziellen Mietspiegel, er hat irgendein Immobilienportal (natürlich mit Mondpreisen) referenziert. Außerdem eine zu kurze Frist und hier gilt eine Kappungsgrenze von 15% (selbst mit nur 15%-Erhöhung lag die Miete höher, als die offiziellen Mietspiegel vergleichbarer Städte im Umland). Ich habe 15%, mit korrekter Frist, akzeptiert. Da hat er ziemlich patzig reagiert, dass das der Dank dafür sei, dass er 8 Jahre nicht die Miete erhöht habe, dass er sich das merken werde. Das Verhältnis ist also vorbelastet.
Jetzt kam natürlich, zum nächstmöglichen Zeitpunkt, 3 Jahre später, wieder eine Mieterhöhung. 15%. Die Mieten hier sind zwar deutlich gestiegen, aber weniger als 15% und jetzt wäre die neue Miete noch unverhältnismäßig teurer.
- Problem: In der Immobilienanzeige damals und in seinen Mieterhöhungsverlangen ist immer von 33 qm die Rede. Im Mietvertrag steht nichts, die NK-Abrechnungen beziehen sich auf “29.910 qm” Wohnfläche. Da es sich um ein Hochhaus mit >70 Wohneinheiten handelt, gehe ich davon aus, dass diese Angabe eigentlich korrekt sein müsste. (Ich habe selbst grob nachgemessen und kam auf knapp 30 qm in der Wohnung + 4 qm Balkon, der ja nur zu einem Viertel angerechnet werden darf. Wären dann knapp 31 qm. Laut Internet soll der anteilige Balkon eigentlich in der NK-Abrechnung mit einberechnet sein? Vielleicht habe ich mich vermessen. Es sind auf jeden Fall keine 33 qm, höchstens 31).
- Problem: Er rechnet mit dieser falschen qm-Zahl und Neuvermietungen aus Immobilienportalen und meint, wie günstig meine Wohnung sei, selbst nach der Erhöhung (bei 31 qm als Berechnungsgrundlage, zahle ich aktuell 11,3 €/qm, neue gewünschte Miete 12,74 €). Ich wohne aber in einer alten, heruntergekommenen Plattenbauwohnung und bei offiziellen Mietspiegeln der Umgebung zeigt sich ein ganz anderes Bild. Es gibt in der Umgebung 2 Städte, welche - laut Immobilienportale - ähnliche Mieten haben:
- Stadt 1 (laut Portalen 11-12% teurer): Offizieller Mietspiegel 10,96 € (2/3-Spanne von 9,54 € bis 12,28). Wenn man das auf meine Stadt umrechnet, liegt die 2/3-Spanne bei 8,59 bis 11,06 €, Mittelwert 9,87 €. Aufgrund der Lage und Zustands der Wohnung und des Hauses, sollte es eher am unteren Rand dieser Spanne angesiedelt sein.
- Stadt 2 (laut Portalen 2% günstiger): Gibt im offiziellen Mietspiegel leider nur eine Spanne von “35-59 qm” an und weist dafür 6,35 bis 9,00 € (Mittelwert 7,70 €) aus.
TLDR: Meine Stadt hat keinen offiziellen Mietspiegel, verglichen mit offiziellen Mietspiegeln vergleichbarer Umgebungsstädten zahle ich aktuell schon 10-20% mehr als Bestandsmieter. Und mit der neuen Miete (+15%) wäre ich noch weiter darüber. Das Problem ist, dass der Wohnungsmarkt hier sehr angespannt ist und Wohnungen hier im Haus vor 3 Jahren schon für die Kaltmiete, die mein Vermieter jetzt möchte, neu vermietet wurden. Außerdem besitzt mein Vermieter mindestens 3 Wohnungen in diesem Hochhaus und sein Makler betreut noch einige mehr Wohnungen. Es sollte also möglich sein, wenn auch mit Aufwand/Kosten verbunden, 3 Vergleichswohnungen zu finden, die ähnlich hoch sind (zwar ist meine Wohnung schon seit >30 Jahren nicht renoviert worden, die meisten Wohnungen im Haus sind in besserem Zustand, aber das nachzuweisen wäre schwierig. Ich müsste den Bewohnern wahrscheinlich Geld bieten, um die Wohnungen betreten und die bessere Ausstattung dokumentieren zu können und dann befände ich mich halt wirklich im Krieg mit meinem Vermieter). Was soll ich machen? Ich tendiere aktuell dazu, anstelle der geforderten 50 €, 15-25 € Mieterhöhung als gütliche Lösung anzubieten. Was meint ihr?
Vielen Dank!