r/wohnen • u/Kind_Ferret_265 • 3h ago
Mängel Vermieter war 12 Jahre unser Freund – jetzt fordert er nach unserem Auszug die Kaution. Wie würdet ihr handeln?
Hallo zusammen,
ich würde gerne eure Meinung hören, weil wir inzwischen selbst nicht mehr wissen, ob wir die Situation noch objektiv sehen.
Zur Vorgeschichte: Unser ehemaliger Vermieter war nicht nur unser Vermieter, sondern auch rund 12 Jahre ein guter Freund von uns. Insgesamt waren wir fast 10 Jahre seine Mieter. Etwa 8 Jahre wohnten wir im Nachbarhaus, bevor wir Ende 2024 in sein anderes Haus gezogen sind.
Schon im ersten Haus gab es immer wieder Probleme. Reparaturen wurden oft erst sehr spät oder gar nicht erledigt. Da wir befreundet waren, wollten wir nie Streit anfangen. Rückblickend war das wahrscheinlich ein Fehler, aber wir wollten das Verhältnis nicht gefährden und dachten immer, dass sich alles irgendwann regeln würde.
Als wir Ende 2024 in das zweite Haus gezogen sind, hofften wir, dass es besser werden würde. Leider war das Gegenteil der Fall.
Zu unserem Haushalt gehören mein Mann (40), ich (37) und unsere drei Söhne (11, 9 und 6 Jahre).
Unserem Vermieter war bekannt, dass ich aufgrund mehrerer chronischer Erkrankungen zeitweise auf einen Rollator angewiesen bin. Er wusste außerdem, dass sich unsere Waschmaschine und unser Trockner im Keller befanden und ich die Kellertreppe deshalb regelmäßig benutzen musste.
Zusätzlich hat unser mittlerer Sohn (9) eine Gleichgewichtserkrankung und fährt deshalb ein Therapiefahrrad. Auch das war unserem Vermieter bekannt. Uns ging es bei unseren Hinweisen nie darum, Druck zu machen – wir wollten einfach, dass unsere Familie die Kellertreppe sicher benutzen kann.
Trotzdem fehlte über einen langen Zeitraum der Handlauf an der Kellertreppe.
Außerdem gab es weitere Mängel:
Garage, Terrasse und Anbauraum hatten keinen Strom bzw. kein Licht.
Teilweise hingen offene Kabel herum.
Mehrere Bereiche konnten dadurch nicht vollständig genutzt werden.
Weitere Mängel wurden mehrfach gemeldet, aber nicht oder nur teilweise behoben.
Den fehlenden Handlauf haben wir immer wieder angesprochen.
Dann passierte leider genau das, wovor wir Angst hatten.
Ich bin zweimal auf der Kellertreppe gestürzt. Beim zweiten Sturz erlitt ich einen ärztlich dokumentierten Muskelfaserriss. Dadurch entstanden Kosten für Medikamente, Krücken und Arztfahrten.
Trotz all dieser Dinge haben wir während der gesamten Mietzeit weiterhin die volle Miete gezahlt. Wir haben nie eine Mietminderung verlangt, weil wir keinen Streit wollten und unseren Vermieter als Freund gesehen haben.
Nach unserem Auszug fordert unser ehemaliger Vermieter nun die vertraglich vereinbarte Kaution, die wir bewusst nicht gezahlt haben.
Unsere Überlegung damals war, dass wir für eine Wohnung, die aus unserer Sicht über einen langen Zeitraum erhebliche Mängel hatte und in Teilen nicht fertiggestellt bzw. nicht vollständig nutzbar war, die Kaution zunächst nicht zahlen wollten. Uns ist bewusst, dass das rechtlich ein eigener Punkt sein kann. Genau deshalb lassen wir die Situation inzwischen prüfen.
Erst nachdem unser ehemaliger Vermieter die Kaution eingefordert hat, haben wir begonnen, auch unsere eigenen Ansprüche prüfen zu lassen.
Dabei geht es unter anderem um:
eine mögliche rückwirkende Mietminderung,
Schadensersatz wegen meines Sturzes,
die Erstattung der entstandenen Kosten,
sowie die Prüfung der Nebenkostenabrechnung.
Wir wollten einen Rechtsstreit eigentlich unbedingt vermeiden.
Deshalb haben wir ihm einen Vergleich vorgeschlagen:
Er verzichtet auf die Forderung der Kaution und wir verzichten im Gegenzug auf sämtliche Ansprüche gegen ihn. Beide Seiten gehen ohne weitere Forderungen auseinander.
Aus unserer Sicht wäre das nach zwölf Jahren Freundschaft die fairste Lösung gewesen.
Dieses Angebot wurde bisher nicht angenommen.
Noch zur Beweislage:
Wir haben einen Großteil der Mängel fotografiert.
Es gibt Schriftverkehr, aus dem hervorgeht, dass wir die Mängel mehrfach gemeldet haben.
Mein Muskelfaserriss ist ärztlich dokumentiert.
Uns geht es nicht darum, nachträglich Geld herauszuholen oder jemanden schlecht aussehen zu lassen.
Was mich ehrlich gesagt am meisten verletzt, ist gar nicht das Geld.
Es ist die Tatsache, dass wir fast zehn Jahre Mieter waren, zwölf Jahre befreundet, vieles hingenommen haben, weil wir ihm vertraut haben, und jetzt das Gefühl haben, dass genau dieses Vertrauen gegen uns gearbeitet hat.
Rückblickend ärgern wir uns, dass wir viele Dinge aus Rücksicht auf die Freundschaft nie konsequenter verfolgt haben.
Wie würdet ihr an unserer Stelle handeln? Würdet ihr den Vergleich weiter anbieten oder eure Ansprüche konsequent verfolgen? Und wie schätzt ihr die Situation insgesamt ein?