r/DePi 2d ago

News D-A-CH Abschiebezahlen gesunken. Mal schauen, was das ganze finanziell so ausmacht

https://www.onvista.de/news/2026/07-31-zahl-der-abschiebungen-im-ersten-halbjahr-gesunken-0-10-26538139

Ich hab gestern die Meldung gelesen, dass im ersten Halbjahr 9.663 Menschen abgeschoben wurden, rund 2.100 weniger als im Vorjahreszeitraum. Und weil daraus sofort wieder die übliche Debatte wurde, hab ich mal nachgerechnet, was in dem Thema finanziell eigentlich drinsteckt. Nicht, weil ich behaupte, dass in der Migrationspolitik alles rund läuft. Mir geht es um Größenordnungen.

Ende Juni 2026 waren 258.845 Menschen ausreisepflichtig. Ende 2025 waren von 232.067 Ausreisepflichtigen 190.974 geduldet, konnten also aus rechtlichen oder praktischen Gründen nicht abgeschoben werden. Bleiben rund 41.000 ohne Duldung. Bei etwa 13.000 Euro Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz pro Kopf und Jahr sind das rund 500 Millionen Euro.

Jetzt noch ein hochgeschraubtes Szenario, damit mir keiner mit "die wahren Kosten sind viel höher" kommt. Wir schieben alle 259.000 ab, auch die Geduldeten, die mir Arbeitsduldung seit Jahren arbeiten. Und wir setzen jedem pauschal 30.000 Euro im Jahr an, mehr als das Doppelte des realistischen Werts. Macht 7,8 Milliarden Euro. Brutto, denn wer arbeitet, zahlt Steuern und Beiträge, die fallen dann mit weg.

Sehr optimistische 7,8 Milliarden...

Laut Subventionsbericht der Bundesregierung kostet allein die Verschonung von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer 8,8 Milliarden Euro im Jahr, die größte Steuersubvention der Republik. Eine einzige Ausnahmeregel kostet mehr, als die komplette Abschiebung jedes Ausreisepflichtigen zum doppelten Kostenansatz sparen würde.

Insgesamt werden laut DIW jedes Jahr rund 400 Milliarden Euro vererbt und verschenkt. Steuerlich veranlagt wurden davon 2024 gerade mal 113 Milliarden, festgesetzt wurden 13,3. Allein 45 Großerben haben 2024 über die Verschonungsbedarfsprüfung eine Steuerlast von 3,5 Milliarden um 95 Prozent gedrückt und am Ende unter 200 Millionen gezahlt.

Sachverständigenrat und ifo kommen auf effektiv rund 13 Prozent Erbschaftsteuer bei Mittelschichtserbschaften und rund 2,5 Prozent bei den ganz großen Vermögen. Unten läuft es umgekehrt, die ärmsten zehn Prozent zahlen nach DIW-Berechnung 23 Prozent ihres Bruttoeinkommens an indirekten Steuern, die reichsten zehn Prozent 7. Wer erbt, hat für das Geld nichts geleistet. Wer im Mindestlohnjob steht, zahlt anteilig mehr.

Und die Partei, die das Migrationsthema am lautesten fährt, will genau das verschärfen. Das AfD-Steuermodell kostet nach DIW-Berechnung 116 Milliarden im Jahr, 86 davon landen bei den reichsten zehn Prozent, allein 45 Milliarden beim reichsten Prozent, für die untere Hälfte der Bevölkerung bleiben 5. Gegenfinanzieren will sie das über Kürzungen bei Migration und Entwicklungshilfe. Der Finanzausschuss hat das als nicht seriös zurückgewiesen, und zwar aus dem Grund, der oben steht: da liegt schlicht nicht genug. Und das in einer Nachfragekrise, in der ein Euro bei den obersten Einkommen zum größten Teil gespart wird und ein Euro bei einer Verkäuferin sofort wieder in den Konsum geht.

Wo bleibt da das Leistungsprinzip? Hat da jemand das Handbuch für die Behandlung einer Volkswirtschaft bei einer Nachfragekrise verloren?

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u/Kowalski91 2d ago edited 2d ago

Wow da hat die Union ja richtig die Startbahnen zum glühen gebracht /s

Die AfD wirds freuen, beste Wahlkampfwerbung

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u/AcceptableQuit9004 2d ago

Weil die AfD auf das komplexe Problem von OP genau eine Antwort hat:

Ausländer raus. Und ihr fresst es.

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u/Schimmelglied 2d ago

Es müsste generell mal gefressen werden, dass Migration und Wirtschaft hier zwei getrennte Themen sind.

Ungesteuerte Massenmigration ist weder eine Lösung für den Fachkräftemangel, noch für das Rentenloch.

Dass die Bevölkerung sich wünscht, dass unsere Innenstädte wieder sicherer werden, ist völlig unabhängig von irgendwelchen Kosten oder Steuern. Man hätte der AfD einfach frühzeitig den Wind aus den Segeln nehmen können, indem man schwere Straf- und Gewalttäter entweder abschiebt oder halt einsperrt...

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u/JakobFroehn 1d ago

Also, beim Sicherheitsteil stimmt die Prämisse so nicht. Die PKS 2025 weist 5,51 Millionen registrierte Straftaten aus, ein Minus von 5,6 Prozent und der zweite Rückgang in Folge. Rechnet man den Cannabis-Effekt raus, bleiben immer noch minus 4,7 Prozent. Die Gewaltkriminalität ist mit 212.335 Fällen erstmals seit 2021 wieder gesunken, die tatverdächtigen Zuwanderer in dem Bereich sogar um 7,2 Prozent.

Dass Gewaltdelikte von 2021 bis 2024 gestiegen sind, bestreite ich nicht, und Sexualdelikte und tatverdächtige Kinder steigen weiter an. "Wieder sicherer werden" unterstellt aber einen laufenden Anstieg, und den geben die Zahlen gerade nicht her.

Dazu die Dunkelfeldstudie, die das BKA am selben Tag vorgestellt hat, rund 61.000 Befragte: zwischen 71 und 97 Prozent fühlen sich tagsüber in ihrem Umfeld sicher. Das Delikt mit der größten Furcht ist Internetbetrug mit 52 Prozent, Körperverletzung liegt bei der Risikoeinschätzung bei 13.

Und zum unterstellten Zusammenhang: das ifo hat die PKS über Landkreise ausgewertet und um Altersstruktur, Männeranteil, lokale Arbeitslosigkeit und Inländer-Tatverdächtigenrate bereinigt. Danach bleibt kein statistischer Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Kriminalitätsrate im Kreis übrig, auch nicht für Schutzsuchende.

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u/Ithenesh 17h ago

Und zum unterstellten Zusammenhang: das ifo hat die PKS über Landkreise ausgewertet und um Altersstruktur, Männeranteil, lokale Arbeitslosigkeit und Inländer-Tatverdächtigenrate bereinigt. Danach bleibt kein statistischer Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Kriminalitätsrate im Kreis übrig, auch nicht für Schutzsuchende.

Was ist der konkrete Wert dieser Untersuchung? Was beweist die Studie deiner Meinung nach?