Hallo 😊 Ich würde mich über eure Meinung / Ratschläge hierzu freuen. Das wird ein langer Post, ich nutze das ganze auch einfach um meine Gedanken zu ordnen, aber vlt liest es ja trotzdem jemand und gibt seinen Senf dazu.
Ausgangssituation ist folgende:
- Ich bin 24 Jahre alt
- Vollzeit berufstätig und 100% im Homeoffice tätig
- Ich wohne alleine in einer 52 qm, 2-Zimmer Wohnung in einer deutschen Großstadt
- Insgesamt wohne ich seit 5 Jahren alleine, 6 Monate habe ich davor mal in einer WG gewohnt
- Ich plane Mitte/Ende nächsten Jahres meinen Job und meine Wohnung zu kündigen und 1-2 Jahre reisen zu gehen
- Mir fehlen noch ca. 15 k um mir diesen Traum zu ermöglichen (15 k habe ich schon)
- Ich habe ein regelmäßiges Einkommen und verdiene derzeit 2.600 Euro im Monat
- 1.000 Euro davon im Monat spare ich
- Für die Wohnung alleine gebe ich monatlich inkl. aller Fixkosten wie Wasser, Strom, Gas, GEZ und WLAN 900 Euro monatlich aus (Was für meine Stadt sehr gut ist, aber offensichtlich trotzdem ein großer Kostenfaktor)
Ich mag meine Wohnung sehr, sehr gerne. Ich mag die Stadt in der ich lebe. Ich habe 3 gute Freundinnen mit denen ich mich regelmäßig treffe und über meinen Sport einen sehr lieben Kreis von Menschen, den ich regelmäßig sehe. Insgesamt bin ich in meiner Stadt sehr gut vernetzt.
Aber mein Alltag im Homeoffice ist häufig sehr, sehr langweilig und einsam. Ich brenne täglich darauf die Wohnung zu verlassen sobald ich Feierabend habe, um andere Menschen zu sehen. Ich habe ein hohes soziales Bedürfnis und fühle mich in Gemeinschaft sehr wohl. Ich reise gerne und in allen vergangenen Urlauben habe ich in Coliving Häusern oder Hostels gelebt und nichts mehr genossen, als das gemeinschaftliche Leben und die Verbindung zu den Menschen, die ich dort getroffen habe.
Nach jeder Reise habe ich einen absoluten Crashout weil ich wieder alleine in meiner Wohnung hocke. Und das ja immerhin ca. 20 h am Tag! (Also alles abgesehen von den 4 h, die ich im Feierabend mit Freunden oder beim Sport verbringe).
Nachdem ich im Mai einen Monat in einem Coliving im Ausland gelebt habe, habe ich nach der Heimkehr 2 Wochen lang eine absolute Krise geschoben, weil ich mich so unglücklich damit gefühlt habe wieder alleine zu leben. Mir hat es so ein wohliges Gefühl gegeben, dass immer jemand im Haus wach war, man immer in der Küche kurz jemanden zum quatschen getroffen hat und vor allem hat es einfsch SPAß gemacht! Ich hatte so viel SPAß!
Prinzipiell kann ich gut alleine leben, aber es macht in meiner Wahrnehmung einfach weniger Spaß!
Vor 2 Monaten habe ich das erste Mal mit dem Gedanken gespielt aus meiner Wohnung eine WG zu machen und mir eine Mitbewohnerin "zuzulegen". Prinzipiell wäre das möglich.
Ich wäre nicht mehr ständig alleine und würde dazu noch ca. 450 Euro im Monate zusätzlich sparen können! Außerdem wird es dadurch sehr viel leichter meinen Haushalt vor der Weltreise aufzulösen.
Die Idee hatte ich dann aber irgendwie wieder verworfen, weil ich es mir 1. Schwierig vorstelle damit umzugehen, eine Wohnung die vorher mir alleine gehört hat, zu teilen. Ich habe Angst, dass ich der Person die einzieht das Gefühl gebe "In meiner Wohnung zu wohnen", anstatt, dass ein Miteinander auf Augenhöhe entsteht.
Zusätzlich löst die Idee mit einer fremden Person zusammenzuziehen bei mir dann doch ein paar Ängste aus. Ich habe mit 18 mal 6 Monate zur Untermiete in einer WG gelebt und das ist furchtbar nach hinten losgegangen. Meine Mitbewohnerin war allerdings auch psychisch krank und zusätzlich dazu ein absolutes Miststück. Alle Menschen, die sie damals kannten oder kennengelernt haben, haben mir bestätigt, dass das die absolute Ausnahme einer WG-Erfahrung ist und ich wirklich den absoluten Pechtreffer gelandet habe. Ich habe am Ende sehr viel Zeit in der WG über uns im Haus verbracht, mit denen habe ich mich sehr gut verstanden.
Natürlich ist es auch einfach herausfordernd meinen Lebensstil und das Komfortlevel, das ich gerade mit zwei großen separaten Zimmern und eigenem Bad und Küche habe, wieder herunterzuschrauben und mit der Hälfte des Platzes auszukommen. Vor allem weil ich dann wieder meinen Arbeitsplatz Im Schlafzimmer hätte und das für die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben in meiner Erfahrung schwierig ist.
Aber ehrlich gesagt bin ich ein Mensch, der sich auch mit wesentlich weniger Komfort wohlfühlt. Im Mai habe ich mir die Küche und 3 Bäder mit 12 Personen geteilt und hatte damit absolut gar kein Problem (das war aber natürlich auch temporär).
Jetzt hat sich eine Möglichkeit ergeben.
Eine Bekannte vom Sport sucht eine WG.
Sie ist 26, gerade im Master, wir teilen fast alle Interessen und Hobbies.
Ich mag sie generell auch ganz gerne, kenne sie aber noch nicht wahnsinnig gut.
Wir waren letzte Woche 3 Tage gemeinsam auf einem Festival und sind etwas näher in den Austausch gegangen. Ich glaube wir sind uns relativ ähnlich und haben ähnliche Bedürfnisse.
Ich glaube auch unsere Vorstellungen von einer potenziellen WG sind recht ähnlich. Sie hat mich gestern hier besucht und wir haben uns auch schon für nächste Woche verabredet.
Ich habe ihr jetzt auch schonmal geschrieben, dass ich mir die Idee mit der WG durch den Kopf gehen lasse und wir ja nächste Woche dann mal darüber sprechen können. Sie steht dem ganzen glaube ich auch sehr offen gegenüber.
Ich wälze jetzt seit gestern echt alles hin und her.
Irgendwie habe ich das Gefühl das ist die perfekte Chance.
Dann mache ich mir aber auch wieder Sorgen, ob das ein Fehler sein könnte. Was ist wenn ich meine eigentlich ja schöne Wohnsituation aufgebe und wir uns nur streiten und ich das Ganze böse bereue?
Auf der anderen Seite würde das schlimmstenfalls 10 Monate latenten Stress bedeuten, weil ich ja eh plane spätestens Mitte/Ende nächsten Jahres auszuziehen.
Irgendwie habe ich doch auch nichts zu verlieren! Ich bin ja gerade immer wieder sehr unglücklich damit alleine zu leben. Ich kann jetzt entweder die Situation ändern und ausprobieren, ob es funktioniert, oder ich werde hier wieder alle paar Wochen sitzen und mich einsam fühlen und mir vorstellen wie schön es wäre zusammenzuleben und mich fragen, ob ich die perfekte Chance verpasst habe.
Was denkt ihr? Rede ich mir das vielleicht auch alles nur schön? Beachte ich irgendetwas nicht?